Alltägliche Mythen und ihr Wahrheitsgehalt

Artikel von Tommy Weber am 14. September 2022 um 11:08 Uhr im Forum Alltagsprobleme - Kategorie: Wissenschaft

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Alltägliche Mythen und ihr Wahrheitsgehalt

14. September 2022     Kategorie: Wissenschaft
Jeder wächst mit bestimmten Weisheiten auf, die die Eltern oder die Großeltern erzählen. Diese Weisheiten werden nicht weiter hinterfragt, sie werden einfach so übernommen und dann an die eigenen Kinder weitergegeben. Kaum jemand macht sich die Mühe, diese alltäglichen Mythen zu überprüfen, denn vieles, was man als Kind gehört hat, entspricht auch der Wahrheit.

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Sind Fledermäuse wirklich blind und schadet falsches Licht den Augen? Wie groß war Napoleon Bonaparte eigentlich und werden Haare dicker, wenn sie öfter geschnitten werden? Was ist dran an diesen Weisheiten, von denen viele so plausibel klingen?

Werden Haare durch Schneiden und Rasieren dicker?
Insbesondere Menschen mit dünnen Haaren und spärlichem Bartwuchs glauben nur zu gerne, dass die Haare dicker und fülliger werden, wenn sie nur oft genug geschnitten oder rasiert werden. Bei dieser Aussage handelt es sich um einen Mythos, denn weder das Schneiden der Haare noch das Rasieren des Barts machen das Haar dicker. Haare werden zur Spitze hin immer dünner. Wird diese dünne Spitze jedoch abgeschnitten, dann sieht das Haar direkt dicker aus.

Zudem spielt die Lichteinwirkung eine Rolle, denn die frisch nachgewachsenen Bartstoppeln sind vom Licht noch unberührt und deshalb dunkel, was sie dicker erscheinen lässt.

War Napoleon tatsächlich klein?
Der kleine Korse – so wird der französische Kaiser und Feldherr bis heute genannt. Napoleon scheint dem Bild zu entsprechen, was Männern von eher geringer Körpergröße nachgesagt wird: Sie haben großen Hunger, und zwar auf Macht. Napoleon wurde zweimal „vermessen“, einmal von seinem Schneider, der für ihn einen Reitermantel anfertigen sollte, und das zweite Mal als Leichnam. Der Schneider kam auf 1,65 Meter, der tote Kaiser war sogar drei Zentimeter größer. Nach heutigen Maßstäben klingt das klein, zu seiner Zeit jedoch war Napoleon überdurchschnittlich groß. Die Proportionen, wie der breite Rumpf und kaum Hals, ließen den Kaiser kleiner wirken.

Sind Fledermäuse wirklich blind?
Das englische Sprichwort „Blind as a bat“, so blind wie eine Fledermaus, stimmt nicht. Fledermäuse sind nicht blind, obwohl Sehen nicht unbedingt zu ihren Stärken gehört. Die fliegenden Säugetiere orientieren sich zum größten Teil per Echoortung, sie können aber Schwarz von Weiß unterscheiden. Einige Arten können sogar das UV-Licht erkennen, was von Blüten reflektiert wird. Falls es mit dem Sehen nicht so gut funktioniert, haben die Tiere ja noch ihren Magnetsinn. Ähnlich wie Zugvögel können sich Fledermäuse bei längeren Flugstrecken an den Linien des Erdmagnetfelds orientieren.

Schadet Lesen im Halbdunkeln den Augen?
Viele erinnern sich noch an ihre Kindheit: Lesen mit Taschenlampe unter der Bettdecke, wenn das Buch besonders spannend war. Sich dabei erwischen zu lassen, hatte in der Regel den Satz der Mutter zur Folge: „Im Halbdunkel lesen schadet den Augen!“ Mutter oder Vater hatten Unrecht, sagen zumindest Augenärzte. Sollte das Licht nicht ausreichen, dann werden die Augen zwar schneller müde, aber sie nehmen keinen Schaden. Beim Lesen im Halbdunkeln gibt es allerdings ein Phänomen: Die Pupille wird größer, was wiederum die Tiefenschärfe verschlechtert, was im schlimmsten Fall Kopfschmerzen bedeutet. Besser ist es also, bei Tageslicht zu lesen.

Ist Kaffeesatz ein guter Dünger für Blumen?
Eine gute Tasse Kaffee ist immer ein Genuss und am Morgen auch ein echter Wachmacher. Was für den Menschen gut ist, kann für Pflanzen nicht schlecht sein, aber ist Kaffee tatsächlich ein guter Dünger für Pflanzen? Hier gibt es weder ein klares Ja noch ein klares Nein. Kaffeesatz enthält Stickstoff, und dieser unterstützt als Dünger das Wachstum von Pflanzen. Zudem enthält Kaffeesatz Phosphor und das regt die Bildung von Blüten an und lässt Früchte schneller reifen. Dann ist da noch Kalium, was den Aufbau der Zellen unterstützt und damit den Pflanzen Stabilität verleiht.

Blühende Pflanzen, wie Rhododendron, Hortensien sowie Früchte wie Blaubeeren mögen sogenannte saure Böden und sie freuen sich über den Kaffeedünger. Zu viel Kaffeesatz sollte es aber nicht sein, da es sonst zu einer Übersäuerung des Bodens kommen kann. Für Tulpen, Narzissen oder Krokusse ist der Kaffeesatz Gift, da sie Böden bevorzugen, die viel Kalk enthalten. Für Zwiebeln und Kohl kommt der Dünger aus Kaffee ebenfalls nicht infrage.

Macht Stress anfälliger für Krankheiten?
In der heutigen Zeit gibt es viele Gründe für Stress: die permanente Überflutung durch die Medien, das Smartphone und die Arbeitsverdichtung. Dies bedeutet: Entweder muss mehr Arbeit in der gleichen Zeit oder gleich viel Arbeit in einem kleineren Zeitrahmen erledigt werden. Die Menschen sind öfter gestresst als früher, aber sind sie deshalb auch öfter krank? Leider stimmt diese Aussage und neue Studien decken immer neue Stresssymptome auf. So nimmt die Zahl der Herz- und Kreislauferkrankungen seit einigen Jahren zu und immer mehr Menschen klagen über Probleme mit der Haut.

Magen- und Darmkrankheiten lassen sich auf vermehrten Stress zurückführen, ebenso wie schlechte Leberwerte, Diabetes, Depressionen und Burn-out. Wer sich vor diesen stressbedingten Erkrankungen schützen will, sollte sich mehr Ruhe gönnen und öfter mal ausspannen.

Schlägt der Blitz zweimal an derselben Stelle ein?
Hat einmal der Blitz eingeschlagen, dann trösten sich die Hausbewohner damit, dass so etwas kein zweites Mal passieren kann. Wissenschaftler an der Universität von Arizona fanden bereits 1997 heraus: Blitzen ist es egal, wo sie einschlagen, auch ein zweites Mal an derselben Stelle. Die Experten haben dazu fast 400 Blitzeinschläge analysiert und festgestellt, dass ein Blitz sogar sehr häufig an mehreren Stellen gleichzeitig einschlägt. Der zweite Blitz nimmt nur einen anderen Weg als der erste Blitz und schlug wenige Meter entfernt ein. Sicher kann sich also keiner fühlen, wenn der Blitz einmal eingeschlagen hat.

Hilft eine heiße Hühnersuppe bei Erkältungen?
Bei Husten, Schnupfen, Halsschmerzen und Heiserkeit kochte schon die Oma eine kräftige Hühnersuppe und die Erkältung verschwand. Dieser Mythos stimmt, denn die Inhaltsstoffe der Hühnersuppe können die weißen Blutkörperchen, die sogenannten Neutrophile hemmen. Sie sind für die Entzündungen der Nasen-, Nebenhöhlen sowie der Schleimhaut im Rachen verantwortlich. Außerdem enthält die gesunde Suppe eine Menge Eisen, Zink und viele Vitamine, die das Immunsystem stärken.

Werden Stiere bei der Farbe Rot aggressiv?
Schwingt der Torero beim Stierkampf das rote Tuch, die Muleta, dann wird der Stier böse. Liegt so etwas wirklich an der Farbe? Nein, denn Stiere sind von Natur aus farbenblind. Was die Tiere so angriffslustig macht, sind vielmehr die schnellen Bewegungen, die der Torero mit der Muleta vollführt.

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Bildquelle: © Depositphotos.com / nickolai_self_taught
 

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