Da sind sie wieder: Gelöschte Bundeswehr-Daten rekonstruiert

Dieses Thema im Forum "Netzwelt" wurde erstellt von zwa3hnn, 29. November 2007 .

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  1. #1 29. November 2007
    Inhalte von 1.307 Festplatten wieder hergestellt
    Erst hieß es, sie sind endgültig weg, nun sind sie wieder aufgetaucht. Experten konnten die verloren geglaubten Datenbestände der Bundeswehr wieder rekonstruieren, berichtet Report Mainz.


    Im Juni 2007 musste das Bundesverteidigungsministerium gegenüber dem Verteidigungsausschuss eine schwere Panne eingestehen, der zufolge der gesamte Bestand an Geheimdienstinformationen aus den Jahren 1999 bis 2003 im "Amt für Nachrichtenwesen der Bundeswehr" vernichtet worden ist. Damals hatte Peter Wichert, Staatssekretär im Verteidigungsministerium, dem Verteidigungsausschuss geschrieben, dass es nicht möglich sei, die Daten zu rekonstruieren.

    Dabei handelte es sich um Berichte über die Auslandseinsätze der Bundeswehr, unter anderem vom Bundesnachrichtendienst, von den Militärattachés im Ausland sowie Mitteilungen ausländischer Nachrichtendienste. Diese Berichte dienen zur Beurteilung der Lage in den Ländern, in denen die Bundeswehr eingesetzt ist, insbesondere Kosovo und Afghanistan.

    Die Panne wurde bekannt, als der Verteidigungsausschuss des Bundestages Unterlagen aus dem Datenbestand der Bundeswehr aus dem Jahr 2002 angefordert hatte. Das Verteidigungsministerium musste daraufhin die Datenpanne einräumen, berichtet Report Mainz. Der Untersuchungsausschuss fasste den "Beweisbeschluss" am 23. Mai dieses Jahres, um den Umgang des in Afghanistan eingesetzten Kommando Spezialkräfte (KSK) mit dem damaligen Häftling Murat Kurnaz in Kandahar aufzuklären.

    Bundestagsabgeordnete äußerten nach Bekanntwerden der Panne scharfe Kritik am Umgang mit potenziellen Beweismitteln des Untersuchungsausschusses. Mit drastischen Worten bezweifelte damals auch Bernd Melchers, der Leiter der Datensicherung im Hochschulrechenzentrum der Freien Universität Berlin, die von Staatssekretär Peter Wichert zitierte Darstellung des Sachverhalts: "Selbst wenn Herr Wichert die Bänder aufgegessen hätte, würden professionelle Datenrettungsunternehmen nach der Verdauung den Inhalt wieder herstellen können."

    Man ging damals davon aus, dass nur noch die Tape-Backups vom Datensicherungsroboter existieren. Dieser erlitt nach der Archivierung der Daten einen "technischen Defekt" und in einem anderen Lesegerät sei ein Teil der entsprechenden Bandkassetten nicht mehr lesbar gewesen.

    Wichert kündigte nun nach Informationen des Fernsehmagazins an, Konsequenzen aus der Affäre zu ziehen. Wichert schrieb demnach dem Ausschuss, dass er die Prüfung und Ergänzung der einschlägigen Dienstvorschriften sowie verstärkte Kontrollen durch den IT-Sicherheitsbeauftragten der Bundeswehr und die IT-Sicherheitsbeauftragten der Organisationsbereiche angewiesen habe.

    Die vom Kurnaz-Untersuchungsausschuss angeforderten Beweismittel seien erst jetzt im Rahmen der Nachforschungen gefunden worden, teilte Staatssekretär Peter Wichert mit. Dabei handelt es sich unter anderem um 33 Protokolle von Videokonferenzen zwischen dem Einsatzführungskommando und dem Einsatzkontingent, die der Untersuchungsausschuss im Fall Kurnaz als Beweismittel beantragt hatte.

    "Für das späte Auffinden dieser Unterlagen, das ich zu entschuldigen bitte", erklärt Wichert, "konnte mir bislang noch keine plausible Erklärung gegeben werden." Der Staatssekretär kündigt dem Ausschuss gegenüber an,"den Vorgang disziplinarrechtlich zu untersuchen."

    Unter den rekonstruierten Festplatten ist auch die des gestohlenen und später in Neapel wiedergefundenen Notebooks, das bei Spezialoperationen der "German National Intelligence Cell" eingesetzt worden war. "Für den Untersuchungsauftrag relevante", neue Dokumente seien dabei aber nicht gefunden worden, betonte das Verteidigungsministerium gegenüber Report Mainz.


    quelle: Golem.de
     

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