Das "Google-Copy-Paste-Syndrom" nimmt überhand

Dieses Thema im Forum "Netzwelt" wurde erstellt von Melcos, 1. Dezember 2006 .

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  1. #1 1. Dezember 2006
    Das "Google-Copy-Paste-Syndrom" nimmt überhand

    Der Sachverhalt ist bekannt. Das "Google-Copy-Paste-Syndrom", wie der Salzburger Medienwissenschaftler Stefan Weber es nennt, findet sich mittlerweile überall, an Schulen und Universitäten, bei Wissenschaftlern, Romanschriftstellern, Predigern und auch Politikern und Journalisten. Nicht nur der russische Präsident Putin soll für seine Promotion die Arbeit anderer zu seiner eigenen erklärt haben, auch die britische Regierung hat in Vorbereitung des Irak-Krieges für einen angeblichen Geheimdienstbericht über die imaginären Massenvernichtungswaffen viel und reichlich geklaut.

    "Wir befinden uns bereits in einer Textkultur ohne Hirn", fürchtet Weber, der sich selbst als akademischen Whistleblower und "Plagiatsjäger" bezeichnet und schon Dutzende von Fällen aufgedeckt hat. Mit dem Internet und Suchmaschinen können immer leichter Texte gefunden und ohne Mühen kopiert werden. Das Problem ist, dass die Urheber der "Zitate" meist nicht mehr genannt und das Gefundene als eigenes Produkt ausgegeben wird.

    Weber weist auf einen besonders krassen Fall hin. Im September 2004 wurden am Institut für Psychologie der Universität Klagenfurt zwei Dissertationen angenommen: die Arbeit Neue Technologien als Hilfsmittel für Menschen mit Behinderung und die Arbeit Neue Technologien für Menschen mit Behinderungen, die noch im Internet zu finden sind.

    Die beiden Doktorarbeiten wurden nicht nur im selben Monat, sondern auch von denselben Betreuern angenommen. Beide Arbeiten gleichen sich in Themenstellung und Aufbau. Sie nehmen aufeinander nicht Bezug, obwohl sich in beiden Arbeiten sogar identische Kapiteluntergliederungen finden. "Die Voraussetzung einer eigenständigen Bearbeitung eines neuen Themas", so Weber, "wird von vornherein nicht erfüllt, da ja zwei Dissertantinnen bei denselben beiden Betreuern zur selben Zeit exakt denselben Stoff bearbeiteten. Beide Dissertationen bestehen fast ausschließlich aus einer endlosen Aneinanderreihung von nicht in Beziehung zueinander gesetzten Text-Versatzstücken aus dem Internet. Der Umfang des Textklaus ist uferlos. Alle wissenschaftlichen Zitierregeln wurden ignoriert. Es gibt dutzende, wenn nicht hunderte Urheberrechtsverletzungen im Text. In beiden Arbeiten finden sich zudem zahllose, teils haarsträubende Fehler."

    Auch bei Lehrenden und Professoren ist Weber fündig geworden, wie er in seinem Telepolis-Artikel Die abschreibende Zunft ausführt. Das Problem sei, dass oft selbst Plagiatsanzeigen kaum zu Konsequenzen führen und sich so die "Google-Copy-Paste-Kultur" als akzeptierte Kulturtechnik auch im Wissenschaftsbetrieb weiter verbreiten könne. Allerdings ermöglicht das Internet auch die Aufdeckung von Plagiaten sehr viel besser, sodass dadurch vielleicht erst ein Problem der Wissensproduktion akut wird, das auch schon früher, aber unerkannt, bestanden hat. Nachdem nun auch manche ältere Arbeit digitalisiert und ins Netz gestellt werden, so Weber, können selbst ältere Plagiatsfälle mit der Hilfe von Suchmaschinen aufgedeckt und dokumentiert werden. Es sei zu erwarten, meint Weber, "dass durch die diversen Scan-Projekte noch viel mehr Gutenberg-Plagiate auftauchen werden".

    Quelle: heise.de
     

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