Den Lebensabend im Ausland verbringen - so klappt es

Artikel von Tommy Weber am 28. April 2022 um 11:02 Uhr im Forum Politik, Umwelt, Gesellschaft - Kategorie: Ratgeber & Wissen

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Den Lebensabend im Ausland verbringen - so klappt es

28. April 2022     Kategorie: Ratgeber & Wissen
Immer mehr Menschen zieht es im Alter ins Ausland. Sie können oftmals von ihrer Rente in Deutschland nicht leben, haben aber Angst, zum Sozialfall zu werden oder möchten ihren Ruhestand gerne unter Palmen und bei angenehmen Temperaturen verbringen. Laut einer Statistik der Deutschen Rentenversicherung stieg die Zahl der Rentner aus Deutschland, die im Alter ins Ausland ziehen, von knapp 229.000 im Jahr 2015 auf 248.000 im Jahr 2021.

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Damit aber kein finanzielles Fiasko droht, gibt es einige wichtige Dinge zu beachten, und zwar von der Meldepflicht über die Gebühren für das Bankkonto bis hin zu den Steuern.

Neues Land, neues Konto?
Viele Auslandsrenten, rund 27.000, gehen ins Nachbarland Österreich, dann folgt mit der gleichen Zahl die Schweiz und 23.000 gehen in die USA. Der Rest ist über den ganzen Globus verteilt, oder eben dort, wo die ursprünglichen Wurzeln liegen. Die Rente kann bei einem Aufenthalt im Ausland wahlweise auf ein Konto im Ausland oder auf ein Bankkonto in Deutschland überwiesen werden. Alles, was die Rentenversicherung dazu braucht, ist die Bankleitzahl BIC und die internationale Kontonummer IBAN, um die Rente auszuzahlen. Überwiesen wird grundsätzlich an jede beliebige Bank im Ausland.

Die Deutsche Rentenversicherung rät aber dazu, sich im Vorfeld genau über die Konditionen zu informieren. Bei einem Transfer ins Ausland können zusätzliche Gebühren anfallen, wie beispielsweise Bankspesen oder Kursverluste.

Können die Beiträge gekürzt werden?
Viele Rentner und Pensionäre haben Angst, dass die Rentenversicherung ihnen bei einem Umzug ins Ausland die Beiträge kürzt. Diese Angst ist unbegründet, trotzdem ist es eine gute Idee, sich frühzeitig beim Rentenversicherungsträger über die Ansprüche aufklären zu lassen. Erst dann sollte die Ummeldung erfolgen. Nur wenn keine aktuelle Postanschrift vorliegt und auch nicht ermittelt werden kann, stellt die Rentenversicherung die Zahlungen ein.

Müssen die Steuern weiter bezahlt werden?
Senioren, die auf Dauer im Ausland leben wollen, gelten bei den Finanzämtern als „beschränkt steuerpflichtig“. Das heißt, sie müssen auch im Ausland weiter Steuern auf ihre Rente zahlen. Dies ist ein Nachteil gegenüber den Rentnern, die ihren Lebensabend in Deutschland verbringen. Im Ausland entfällt leider der Grundfreibetrag von 9744 Euro pro Jahr, die Rente wird damit also teurer besteuert. Ein weiterer Nachteil ist, dass Steuervergünstigungen, wie etwa das Ehegattensplitting oder die Anrechnung von Krankheitskosten, im Ausland nicht angewandt werden können.

Ebenso wenig ist es möglich, Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen abzuziehen, die die Steuern mindern könnten.

Was ist bei der Krankenversicherung zu beachten?
Wer seinen Wohnsitz dauerhaft in einem EU-Land hat, bleibt auch automatisch Mitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland. In ihrer neuen Heimat haben Senioren keinen eigenen Leistungsanspruch, selbst dann nicht, wenn sie dort einer Nebenbeschäftigung nachgehen. Alle, die gesetzlich krankenversichert sind, können sich im Europäischen Wirtschaftsraum bei einem Krankenversicherungsträger am neuen Wohnort anmelden und registrieren lassen.

Dort gibt es dann bestimmte Sachleistungen, die auch für die Einheimischen üblich sind.

Die Riester-Rente im Ausland
Eine private Rentenversicherung, wie die Riester-Rente, sollten Ruheständler im Blick behalten, wenn sie ins Ausland umziehen. Besonders das Land spielt hier eine sehr wichtige Rolle. Liegt der neue Wohnsitz außerhalb der EU, dann kann dies zu großen finanziellen Schäden führen. Wer beispielsweise nach Thailand umzieht, muss damit rechnen, dass alle Zulagen, die er bislang erhalten hat, komplett zurückgefordert werden. Bei der privaten Rente ist es daher umso wichtiger, vor dem Umzug ins Ausland alle relevanten Punkte abzuklären, damit der Lebensabend im Ausland kein finanzielles Desaster bedeutet.

Eine Checkliste machen
Sind Dinge wie die Steuern, die Krankenversicherung und das Bankkonto geklärt, dann ist es sinnvoll, eine Checkliste zu erstellen, was sonst noch beachtet werden muss. Wie sieht es mit der medizinischen Versorgung vor Ort aus? In vielen Ländern dieser Welt lässt die gesundheitliche Versorgung vor allem in den ländlichen Regionen zu wünschen übrig. Sowohl die niedergelassenen Ärzte als auch die Krankenhäuser haben nicht immer den gleichen Standard, wie es in Deutschland der Fall ist. Ist für die neue Wahlheimat eine Aufenthaltsgenehmigung erforderlich? Wenn ja, kann es sein, dass daran bestimmte Bedingungen geknüpft sind. Hier ist es sehr wichtig, sich ausführlich zu informieren.

Was passiert im Todesfall?
Wer als Senior seinen Lebensabend im Ausland verbringt, muss damit rechnen, dort auch zu sterben. Für den Fall des Todes sollte nicht nur in Deutschland, sondern ebenfalls im Ausland vorgesorgt werden. Soll der Leichnam nach Deutschland überführt werden oder kann die Bestattung vor Ort stattfinden? Hier müssen rechtzeitig alle wichtigen Vorkehrungen getroffen werden.

Beliebte Ziele mit einer kleinen Rente
Zwar stehen Österreich und die Schweiz bei den Rentnern, die auswandern wollen, an erster Stelle, aber das Leben dort ist teuer, besonders in der Schweiz. Wer sorgenfrei mit einer kleinen Rente ins Ausland ziehen möchte, sollte sich Länder wie Ungarn, Tschechien oder Polen aussuchen. Dort sind die Lebenshaltungskosten selbst in den großen Städten wie Warschau, Budapest, Prag oder Krakau besonders niedrig. Alle drei Länder sind zudem Mitglieder in der EU, was das Auswandern dorthin deutlich vereinfacht.

Ein weiterer großer Vorteil ist die sehr gute medizinische Versorgung in allen drei Ländern, sogar im ländlichen Bereich. Sie ist durchaus mit der Versorgung in Deutschland zu vergleichen, in Tschechien liegt sie sogar noch über dem deutschen Standard.

Sprachen lernen
Viele Senioren zögern, in ein Land auszuwandern, dessen Sprache ihnen fremd ist. Sicher wird sowohl in Österreich als auch in der Schweiz Deutsch gesprochen, was aber wenig nützt, wenn dort der Cent dreimal umgedreht werden muss. Auswandern ist keine spontane Sache, sondern wird in der Regel lange im Voraus geplant. Die Zeit, bis es dann endlich so weit ist, sollten die Auswanderer nutzen, um die Sprache der neuen Heimat zu lernen. Kurse an den Volkshochschulen sind hier eine gute Idee, aber im Internet gibt es ebenso gute Tutorials, die die neue Sprache einfach näherbringen. Alle, die Englisch sprechen, sind klar im Vorteil, denn Englisch ist eine Weltsprache, die fast überall gesprochen und verstanden wird.

Wer sich die Grundkenntnisse der Sprache aneignet und eine einfache Unterhaltung führen kann, wird sich auf jeden Fall sicherer fühlen. Am besten lernt man eine Sprache jedoch noch immer im jeweiligen Land. Sich vielleicht mit den Nachbarn anfreunden oder öfter auf den Markt gehen, kann effektiv dabei helfen, die Sprache der neuen Heimat perfekt zu erlernen.

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