Doulas - emotionale Unterstützung für werdende Mütter

Artikel von Tommy Weber am 26. Juli 2021 um 10:40 Uhr im Forum Schule, Studium, Ausbildung - Kategorie: Ratgeber & Wissen

Doulas - emotionale Unterstützung für werdende Mütter

26. Juli 2021     Kategorie: Ratgeber & Wissen
Den Schweiß abwischen, die Hand halten, die Gebärdende von ihren Schmerzen ablenken oder vielleicht einen Tee kochen – dies sind nur einige der Aufgaben, die eine Doula übernimmt. Sie ist vor allem aber eines: Die wichtigste Vertrauensperson, die eine werdende Mutter hat. Eine Doula ist die persönliche Begleitung für die Frau während der Schwangerschaft, sie bereitet sie auf die Geburt vor und unterstützt sie während der Entbindung.

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Doulas, die Frauen individuell begleiten, sind ein neuer Trend, der für viele Frauen eine große Hilfe ist. Hebammen sehen das Ganze allerdings etwas anders und das nicht nur positiv.

Was genau ist eine Doula?


Doulas gab es bereits im antiken Griechenland und aus der griechischen Sprache übersetzt, bedeutet Doula Dienerin. Die Geburtsbegleitung durch eine Doula hat eine sehr lange Tradition, geriet dann jedoch in Vergessenheit und wurde vor mehr als zehn Jahren in den USA wiederentdeckt. Dort sind Hebammen, bedingt durch das Gesundheitssystem, vor allem in den Krankenhäusern Mangelware. So wurde immer häufiger auf die Arbeit der Doulas zurückgegriffen und innerhalb kurzer Zeit erfreute sich die Geburtsbegleiterin großer Beliebtheit.

Auch in Deutschland gibt es nicht mehr so viele Hebammen wie noch vor 20 Jahren, es ist also nicht weiter verwunderlich, dass der Trend aus den USA dankend angenommen wurde. Inzwischen gibt es in Deutschland etwa 200 bis 300 Doulas, und die Zahl steigt ebenso rasant an wie die Nachfrage.


Die Arbeit einer Doula


Eine Doula ist eine Allround-Helferin, die in erster Linie der werdenden Mutter, aber auch dem werdenden Vater emotional zur Seite steht. In der Schwangerschaft, während der Geburt und später im Wochenbett gibt es sehr viele Fragen, es müssen Entscheidungen getroffen werden und es gibt vor allem sehr oft Ängste. Eine Doula kann bei diesen Themen helfen, sodass sich Mutter und Vater stets kompetent und gut informiert fühlen. Besonders für Frauen, die das erste Kind erwarten, ist es eine Wohltat, mit einer erfahrenen Doula zu sprechen. Ganz gleich, ob es um Stimmungsschwankungen, die Angst vor der Geburt oder um die vielen Veränderungen des Körpers geht, die Doula ist eine wertvolle Stütze.


Wie sieht die Ausbildung einer Doula aus?


Frauen, die sich zur Doula ausbilden lassen möchten, müssen mindestens 25 Jahre alt sein und bereits ein Kind geboren haben. Zudem ist es erforderlich, dass die Doula einer schwangeren Frau auf Abruf während der Niederkunft zur Verfügung steht. Eine besondere Ausbildung bietet beispielsweise der „BildungsRaum“ für Frauen zusammen mit dem Verein „Doulas in Deutschland“ an. Diese Ausbildung umfasst vier Wochenenden und kostet rund 1500 Euro. Dazu kommen noch viele Stunden im Eigenstudium, in dem die Doula ihre Kenntnisse rund um die Schwangerschaft, die Niederkunft und das Wochenbett erweitern und vertiefen muss.


Was unterscheidet eine Doula von einer Hebamme?


Anders als eine Hebamme hat eine Doula keine Ausbildung als Geburtshelferin und kann daher die Arbeit einer Hebamme nicht ersetzen. Die Doula begleitet die Frauen in der Schwangerschaft und während der Geburt, die Leitung der Geburt übernimmt jedoch immer die Hebamme. Sie ist es auch, die aus medizinischer Sicht die Verantwortung übernimmt, zusammen mit den Ärzten und Ärztinnen. Findet die Geburt in einem Krankenhaus statt, dann kann es sein, dass die Hebamme eine Gebärdende verlassen muss, weil sie in einem anderen Kreißsaal gebraucht wird. In dem Fall kümmert sich die Doula um die werdende Mutter und bleibt an ihrer Seite, ganz gleich, wie lange die Geburt noch dauert.

Hebamme und Doula ergänzen sich, aber sie stehen nicht in Konkurrenz zueinander. Sie arbeiten zusammen und von dieser Zusammenarbeit profitieren die Frauen während der Schwangerschaft, bei der Geburt und auch im Wochenbett.


Warum sehen Hebammen die Arbeit der Doulas skeptisch?
Viele Hebammen sehen die Unterstützung durch eine Doula eher skeptisch. Wie sehr die unterstützende Arbeit der Doula als eine Bereicherung angesehen wird, ist von Geburt zu Geburt verschieden. Die Kritik der Hebammen richtet sich nicht so sehr gegen die eigentliche Arbeit der Doulas, als gegen die Tatsache, dass es sich hier um einen privatisierten Betreuungsdienst handelt, der in Bezug auf die Arbeit einer Hebamme falsche Zeichen setzt.

Die Hebammen kämpfen schon seit einigen Jahren mit den Krankenkassen um mehr Geld. Mit der Arbeit einer Doula wird jedoch die Leistung, die eigentlich jeder Frau zustehen sollte, in private Hände abgegeben. Vielen Hebammen ist es aber wichtiger, dass endlich ein politischer Rahmen geschaffen wird, in dem die Hebammen so bezahlt werden, dass ihnen auch die Zeit bleibt, den gebärdenden Frauen zur Seite zu stehen. So sollte eine Hebamme ausreichend Zeit für eine Frau haben und ihre Aufmerksamkeit nicht teilen müssen. Durch die Arbeit der Doulas entziehen sich die Krankenkassen einmal mehr ihrer Verantwortung.


Der Kampf der Hebammen
Vielen Hebammen gefällt zudem nicht, dass Doulas keine medizinische Ausbildung haben. Wer eine Frau durch die Geburt begleitet, muss nicht nur den Schweiß abwischen, sondern auch erkennen können, ob ein Notkaiserschnitt notwendig ist. Viele Hebammen sehen die Arbeit der Doulas aber als eine Art logischer Konsequenz. Hier wird der Versuch unternommen, die Einbußen der durch die wirtschaftlichen Zwänge der Krankenhäuser entstandenen, fehlenden Zeit der Hebammen, jetzt auf einer privaten Ebene durch die Doulas zu kompensieren.

So hat der Trend sogar für die Hebammen positive Seiten, da eine Lücke im System geschlossen werden kann. Für die Hebammen ist die zunehmende Beliebtheit der Doulas zugleich eine Art Weckruf, um weiter für bessere Rahmenbedingungen zu kämpfen.


Was kostet die Arbeit einer Doula?


Werdende Mütter, die sich in der Schwangerschaft, während der Geburt und im Wochenbett von einer Doula betreuen lassen möchten, müssen diese Dienste aus eigener Tasche bezahlen. Wie hoch das jeweilige Honorar ist, bestimmt die Doula selbst, oder sie vereinbart immer individuell mit den werdenden Eltern einen Betrag, der sich den finanziellen Verhältnissen der zukünftigen Eltern anpasst. Der Verein „Doulas in Deutschland“ übernimmt die Kosten für die Begleitung der Frauen, deren Mittel beschränkt sind. Hier müssen die Frau oder das Paar nur den entsprechenden Antrag stellen.

Durchschnittlich liegen die Kosten für eine Doula zwischen 500,- und 1000 Euro. In diesem Preis sind in der Regel zwei bis drei Treffen in der Schwangerschaft, eine Rufbereitschaft zwei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin, eine durchgehende Begleitung während der Geburt und maximal zwei Besuche am Wochenbett enthalten.

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Bildquelle: © Depositphotos.com / tonodiaz
 

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