Fußballfans wehren sich gegen Kriminalisierung

Dieses Thema im Forum "Sport und Fitness" wurde erstellt von CCCover, 27. April 2006 .

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  1. #1 27. April 2006
    Fan-Organisationen sprechen von vergifteter Atmosphäre vor der WM / GdP kritisiert Politiker

    Andreas Förster

    BERLIN. Polizeigewerkschafter und Vertreter von Fan-Organisationen haben deutschen Politikern vorgeworfen, mit der Kriminalisierung friedlicher Fußballfans die Sicherheit bei der Weltmeisterschaft in Deutschland aufs Spiel zu setzen. "Das ständige Gerede über 'brutale Fans' und das in den letzten Jahren immer härter gewordene Vorgehen der Polizei gegen Fußballanhänger haben die Atmosphäre nachhaltig vergiftet", sagt Wilko Zicht vom Bündnis Aktiver Fußballfans (Baff). Peter Schüngel von der Initiative "Ein Dach für Fans" (EDFF) bemängelt, dass Bundesregierung und WM-Organisatoren einem Dialog mit den Fußballfans über Sicherheitsmaßnahmen bei dem Turnier aus dem Weg gegangen seien. "Über diese Fragen wollte niemand mit uns sprechen", sagt Schüngel.

    Auch Jörg Radek, Bundesvorstandsmitglied der Gewerkschaft der Polizei (GdP), spricht von einer angespannten Situation. "Dadurch, dass die Politiker öffentlich immer nur den Konfliktfall bei der WM beschwören, haben sich auch in den Köpfen der Beamten bereits entsprechende Szenarien festgesetzt", sagte er der Berliner Zeitung. Dabei bereite nur der weitaus geringere Teil der aktiven Fußballfans der Polizei wirklich Probleme, der große Rest sei friedlich und harmlos, betonte Radek. "Die Innenminister von Bund und Ländern aber reden in den Medien immer nur von den Fans, die in den Gewalttäterdateien erfasst sind", beklagte der Polizeigewerkschafter. "Offenbar soll das im Vorfeld der WM dazu dienen, Gesetze - beispielsweise über den Bundeswehreinsatz im Innern - zu verändern, um vom eigenen Versagen, etwa beim Personalabbau in der Polizei, abzulenken." Dafür nähmen die Politiker sogar in Kauf, dass in der Öffentlichkeit ein schiefes Bild von der tatsächlichen Gefahrenlage entstehe, kritisierte Radek.

    Innenminister verweigert Dialog

    "Natürlich gibt es unter den Fußballfans auch einige, die sich daneben benehmen und die zu Recht Strafen kassieren", räumte Wilko Zicht von der Fan-Organisation Baff ein. "Aber das sind nach wie vor Ausnahmen." Dennoch sei in den letzten Jahren die Zahl der langjährigen Stadionverbote und der Einträge in die Datei "Gewalttäter Sport" erheblich gestiegen. Die Gründe hierfür seien oft schwer nachvollziehbar, was den Eindruck von Willkür verschärfe. Hinzu komme die vor allem bei Begegnungen von unterklassigen Vereinen übliche stundenlange Einkesselung von Fangruppen, die zu Auswärtsspielen anreisen. "Da werden 15-, 16-, 17-Jährige, die sich nur ein Fußballspiel ansehen wollen, mit der geballten Staatsgewalt konfrontiert, was natürlich Folgen hat", sagte Zicht. So beobachte er unter Fußballfans eine zunehmende Feindseligkeit und Gewaltbereitschaft gegen die Polizei. "Sobald die Beamten aufziehen, ist es mit der friedlichen Atmosphäre vorbei", sagte er.

    Zur Entschärfung der Situation könnte aus Sicht der Fanvertreter eine Ombudsstelle beitragen, die umstrittene Stadionverbote und Dateieinträge überprüfen und gegebenenfalls Korrekturempfehlungen geben darf. Gespräche darüber seien nach dem Confederations Cup 2005 bei einem Treffen von Fanvereinen mit dem damaligen Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) vereinbart worden. "Getan hat sich aber bis heute nichts", sagte Fanvertreter Zicht.
     

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