Google: Web-Filmchen sollen endlich Geld einspielen

Dieses Thema im Forum "Netzwelt" wurde erstellt von xxxkiller, 11. Oktober 2007 .

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  1. #1 11. Oktober 2007
    Fast zwei Millarden Dollar gab Google für das Videoportal Youtube aus. Jetzt soll sich der Kauf endlich rechnen. Das Unternehmen will mit Werbung versehene Videos im Netz verteilen und damit Geld verdienen. Das Konzept könnte videobasierten Firmengründungen der vergangenen Jahre helfen, zu überleben.

    DÜSSELDORF. Lässig tritt Ryan Hayward vor die Kamera, das verknitterte Streifenhemd weit offen, hinter ihm eine Graffiti-besprühte rotweiße Wand. Sie liegt im Google-Komplex in Kalifornien und der Produktmanager von Googles Werbenetzwerk Adsense stellt in einem Online-Video ein „tolles neues Produkt“ namens „Video Units“ vor. Was das ist, zeigt das Filmchen: Am unteren Rand klappt ein halb-durchsichtiger Werbebalken ins Bild, über dem Video thront ein kleines Reklame-Banner.

    Diese beiden Neuerungen wirken wie ein kleiner Schritt – aber damit beginnen oft große Dinge. Denn Video Units, in der Nacht zum Dienstag offiziell vorgestellt, ist Googles erster handfester Versuch, den 1,8 Mrd. Dollar teuren Kauf des Videoportals Youtube zu refinanzieren. Und es könnte videobasierten Firmengründungen der vergangenen Jahre helfen, zu überleben.

    „Eine ansprechende Lösung“, lobt Sascha Jansen, Geschäftsführer des Online-Werbevermarkter Zed Digital das neue Modell: „Es überfordert nicht und stört auch nicht beim Konsum der Videos.“ Das Besondere an den Video Units ist dabei weniger die Tatsache, dass Youtube-Filme mit Werbung verbunden werden – sondern, dass sie über das gewaltige Adsense-Netz verteilt werden.

    Bisher platziert die Google-Tochter vor allem Textanzeigen und Links auf fremden Seiten und denen des Mutterkonzerns. Für den Betreiber einer Seite ist es einfach, Adsense-Werbung als Einnahmequelle zu installieren. Es reicht die Anmeldung, dann erzeugt Adsense einen Programmcode, der in Sekunden der Seite beigefügt werden kann. Anschließend erscheint dort Werbung, die sich nach den Worten richtet, die auf der Seite auftauchen. Schreibt beispielsweise ein Wein-Liebhaber über seine Lieblingstropfen, liefert ihm Adsense Werbung von Online-Weinhändlern.

    Entscheidend für die Platzierung der Werbung sind Schlüsselworte, die Anzeigenkunden buchen und selbst aussuchen. Also zum Beispiel „Bordeaux“ oder „Pinot Noir“ für den Weinhändler. Dieser bezahlt für jeden Klick auf seine Anzeige einen Betrag, besonders beliebte Schlüsselworte sind teurer. So kostet deutsche Anzeigenkunden das Wort „Wein“ derzeit 15 Cent pro Klick, „Bordeaux“ 40 Cent. Reich werden die Betreiber von Web-Seiten damit eher selten: Wer nicht einige zehntausend Leser täglich mitbringt, wird keine großen Einnahmen erzielen. 60 bis 80 Prozent der Adsense-Einnahmen, schätzt die Branche, gehen an den Seiten-Betreiber. Den Rest bekommt Google. Offizielle Zahlen über den Verteilschlüssel gibt es nicht.

    Künftig können auch Youtube-Videos mit Werbung auf der eigenen Homepage platziert werden. Wird das Video angeklickt, werden die Einnahmen zwischen dem Produzenten des Films, dem Web-Seiten-Betreiber und Google geteilt. Allerdings ist Google nach Informationen des Handelsblatts aus Branchenkreisen, zumindest in Deutschland noch nicht sicher, wie die Preissetzung dieser Werbung aussehen soll.

    Die große Frage ist: Werden die Anzeigenkunden mitspielen? Zed-Digital-Chef Jansen: „Bisher liegt die Nutzung von Videos als Werbeträger noch unter dem, was möglich wäre.“ Die Hoffnungen aber sind groß. Das zeigt auch die Meldung von Poddaddies. Das Startup, das Werbung auf Videos platzieren will, die über Apples Itunes-Plattform verteilt werden, erhielt eine Mill. Dollar Startkapital.

    Nur: Die Erfahrungen mit Video-Werbung à la Video Units sind ernüchternd. Größere Internet-Seiten würden sich scheuen, Filmchen auf ihre Seiten zu lassen, die sie nicht explizit auswählen, sagte Jeremy Allaire, Chef des Youtube-Konkurrenten Brightcove der „New York Times“: „Mittlere bis große Seiten wollen keinen zufälligen Inhalt aufgespielt bekommen.“ Google will dem mit einer Auswahl der Videos begegnen: Zur Zeit werden nur die Werke von über 100 ausgesuchten Kooperationspartnern mit Werbung versehen.

    Würde Video Units zum Erfolg, könnte Google seine führende Stellung im Bereich Online-Anzeigen weiter ausbauen. „Nach Google kommt im Markt lange nichts“, sagt ein Anzeigenvermarkter, der ungenannt bleiben möchte. Er schätzt den Marktanteil des Konzerns im Bereich der Werbung, die per Stichwort auf Seiten verteilt wird, auf 80 Prozent. Diese macht fast die Hälfte der gesamten Online-Werbung aus.

    Im zweiten Quartal meldete Google einen Umsatzanstieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 58 Prozent auf 3,58 Mrd. Dollar. Die Zahl der Klicks auf Adsense-Anzeigen stieg um 47 Prozent, die Einnahmen aus diesem Bereich weist Google nicht gesondert ausweist. Derzeit wartet der Konzern auf die Genehmigung, den Werbevermarkter Doubleclick übernehmen zu dürfen.

    Am Erfolg von Google hängen auch andere Web-Angebote. Adsense ist oft der erste Anlaufpunkt, um aus einer neuen Internet-Idee Geld zu machen. Erst wenn die Zugriffszahlen eine ordentliche Größe erreicht haben, sind Web-Seiten interessant für die individuelle Vermarktung. Beispiel Glam: Das Netz von Web-Seiten und Blogs mit der Zielgruppe „Junge Frauen“ nutzte zunächst Adsense-Werbung. Mit nun über 35 Mill. Besuchern monatlich zahlt Google dafür, dass Glam seine Suchtechnik verwendet. Außerdem steht Glam nach Informationen des Branchendienstes Venture Beat vor dem Abschluss eines Werbevertrags, der bis zu 800 Mill. Dollar bringen soll.

    So weit sind die allerwenigsten der Firmen, die im Umfeld des Web 2.0 gegründet wurden. So verzeichnet das Kontaktnetz Facebook zwar enorme Nutzerzuwächse – Anzeigenkunden klagen aber, ihre Banner würden nur äußerst selten angeklickt. Folge: Facebook kann nur sehr niedrige Preise für Werbung verlangen. Der Kurznachrichtendienst Twitter dagegen scheint die über ihn versendeten Texte mit Werbe-Einzeilern zu versehen. Darauf deuten Tests hin, die von Nutzern dokumentiert wurden. Twitter reagierte auf eine Anfrage des Handelsblatts nicht.

    Für manche dieser Neugründungen könnte Google nun die Erlösung bringen. So findet sich unter den Videopartnern beispielsweise Expert Village, eine Video-Community, in der die Nutzer Filme mit Haushaltstipps einstellen. Wenn diese Videos über das Adsense-Netz verteilt werden, könnten die Zugriffszahlen und die Einnahmen drastisch steigen. Das Branchen-Weblog Read/Write-Web glaubt gar, Video Units „könnte die Welt von Online-Videos und Werbung schlagartig öffnen“.

    Quelle: handelsblatt.com
     

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