Interview mit der MPAA

Dieses Thema im Forum "Netzwelt" wurde erstellt von zwa3hnn, 23. Dezember 2005 .

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  1. #1 23. Dezember 2005
    Slyck spricht mit dem Feind

    Es hat Tradition, dass Parteien mit durchaus unterschiedlich zu nennenden Ansichten gelegentlich das Gespräch suchen. So stellen die Filesharingaktivisten von Slyck ihrem Interview mit der Motion Picture Association of America zwar das Statement voraus, keine ihrer Ansichten über P2P in irgendeiner Form in Frage zu stellen, an der Zeit sei es jedoch, die Positionen der Rechteverwerter aus ihrem eigenen Mund zu erfahren - statt immer nur Gerichtsprotokolle zu lesen.


    Mit dem Vizepräsidenten der Rechtsabteilung der MPAA, Dean Garfield, sprach Slyck, und jener hatte durchaus interessantes zu sagen - erstaunlich vor allem die Skepsis gegenüber der von der eigenen Institution angewandten Methoden.

    Die Berührungsängste zwischen Filmwirtschaft und Filesharern seien kleiner geworden, konstatiert Garfield mit Blick auf die Kooperation mit Bram Cohen, dem BitTorrent-Entwickler. Aber auch das stattfindende Gespräch zeige, dass das gegegseitige Verständnis wachsen könnte. Man versuche durchaus, die neuen digitalen Verbreitungsmöglichkeiten zu nutzen, Filesharer-Seiten seien dabei eine wichtige Feedbackquelle, so Garfield.

    Auf welchen vor allem Kritik zu lesen ist: DRM, Wasserzeichen und die fortgesetzte Kriminalisierung der User sind stark diskutierte Themen. Zu allen erfolgten durchaus erstaunliche Statements.

    DRM betrachtet Garfield wenig überraschend als ein Mittel, die Balance zwischen Schutz und unkontrollierbarer Verbreitung der Medien aufrechtzuerhalten. Von den Spyware-Techniken, die Sony in der vergangenen Zeit nutzte, hält er nichts: womit er indirekt einem wirksamen DRM an sich eine Absage erteilt. Die Alternative der Wasserzeichen lehnt er aus erstaunlicheren Gründen ab: die Technik verleite zum Verklagen, weshalb sie in seinen Augen kein Mittel der Wahl darstelle. Technologie solle in erster Linie neue Möglichkeiten schaffen, Wasserzeichen seien keine Technik, die das leistet.
    Auch bezüglich der Statistiken und der Klagewellen zeigt sich Garfield erstaunlich nachdenklich. Die Zahlen über entgangene Gewinne seien wenig aussagekräftig - ungeachtet dessen, ob es um nicht genehmigte Nachpressungen in großem Stil geht oder im das alltägliche Tauschen. "Wir untersuchen die Angelegenheit, aber wir haben keine wirkliche Antwort. ... es ist nicht zu erkennen, dass diese Zahlen aus einer wissenschaftlich verläßlicheren Methode abgeleitet wurden als einem Finger, den man in den Wind hält", so Garfield erstaunlich freimütig. Auch den Prozesswellen steht er tendenziell skeptisch gegenüber. Das Bewusstsein für die Illegalität der Kopiererei werde dadurch gestärkt, verlassen solle man sich aber nicht alleine auf die Rechtsprechung. Zum einen neigen rechtliche Lösungen zu zahlreichen Kompromissen, zum anderen stehe man mit den Klagen häufig vor dem Problem, User schlicht vom einen zum nächsten, in Garfields Augen "illegalen" Dienst zu treiben. Die technischen Alternativen müsse man neben den rechtlichen Druckmitteln daher ebenso anbieten.

    Überraschend auch das Eingeständnis, man habe die Filesharingszene keineswegs "im Griff", wie es in anderen Statements gerne behauptet wird. Weshalb man auch durchaus "offen für neue Lösungen" sei. Zum ersten Mal wird dabei offensiv anerkannt, dass die Medienindustrie schlicht vor einem großen kulturellen Wandel stehe, dem sie sich mit neuen Angeboten - beispielsweise dem Bereitstellen von Medien on Demand stellen müsse. "Ein großer Teil unserer Ziele besteht darin zu verstehen, die kulturellen Umwälzungen zu begreifen. Wir versuchen beispielsweise immer noch, zu verstehen, was die Menschen an Unterhaltung wünschen, wie sie sich diese wünschen und wie man eine Balance schafft, die fair ist und den Menschen Auswahl verschafft".

    Das läßt hoffen für die Zukunft - ähnliche Signale waren bisher kaum zu vernehmen.


    quelle: gulli untergrund news
     

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  3. #2 23. Dezember 2005
    Ich finde das gut, dass die sich mal zusammensetzen und so offen über die Sachen reden, wer weiss, vielleicht lassen sich ja auch in naher Zukunft vernünftige Lösungen finden, wenn die Industrie auch mal auf "unsere" Bedürfnisse eingeht statt die Raubkopierer nur zu jagen etc.
     

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