IPTV: Schrumpfende Riesen, wachsende Zwerge - Die Neu-Erfindung des Fernsehens

Dieses Thema im Forum "Netzwelt" wurde erstellt von Melcos, 23. September 2006 .

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  1. #1 23. September 2006
    IPTV: Schrumpfende Riesen, wachsende Zwerge

    "IPTV ist eine große Umwälzung der TV-Landschaft, größer als seinerzeit die Einführung des Privatfernsehens: Die Großen werden klein, die Kleinen werden größer." Prof. Dr. Helmut Thoma prognostiziert damit eine Zersplitterung der Fernsehlandschaft. Für ihn gibt es dabei kein gutes oder schlechtes Fernsehen, sondern Formate, die akzeptiert oder abgelehnt werden. Als mögliche Verlierer der Entwicklung bezeichnete Thoma die öffentlich rechtlichen Fernsehsender: "Was die machen, wird es in vielen kleinen Portionen im Internet geben."

    Thoma äußerte sich im Rahmen eine Podiumsdiskussion auf dem Heise Markt & Trend Dialog heute in Valencia. Dem widersprach der Fernsehjournalist Ulrich Kienzle. Er gehe davon aus, dass die öffentlich-rechtlichen Sender aus dem Umbruch gestärkt hervorgehen werden. Sie würden zwar Marktanteile verlieren, aber ihr Profil schärfen.

    Dank IPTV sei der Kanalkampf vorbei und jeder kann auf beliebig vielen Kanälen senden, sagte Dr. Hans Hege, Direktor der Landesmedienanstalt Berlin-Brandenburg – "Auf diese Weise haben wir als Aufsichtsbehörde weniger zu tun." Der einzelne Kanal werde durch das wachsende Angebot unwichtig. "Der Anwender braucht Unterstützung, um diese Freiheit nutzen zu können", sagte Hege. Er prognostizierte quasi ein Google für IPTV-Kanäle.

    Robert Hoffmann, Vorstand Produktmanagement bei 1&1, erklärte, sein Unternehmen arbeite bereits an solchen Orientierungshilfen. Er sieht viel Potentenzial für IPTV; 1&1 gewinne derzeit monatlich gut 100.000 DSL-Neukunden, die seit drei Wochen auch auf Fernsehinhalte zugreifen können. Allerdings glaubt er, dass niemand für Free-TV im Internet zusätzlich bezahlen wird. Allenfalls für werbefreie Serien oder Spielfilme sieht er Zahlungsbereitschaft.

    Der Nutzung des Rückkanals von IPTV für die Interaktion mit dem Zuschauer erteilte Thoma eine Absage: Das sei wie ein interaktives Restaurant, in dem die Zutaten auf dem Buffet stehen und die Gäste selbst kochen müssen. "Der Zuschauer will einfach nur unterhalten werden. Die Fernbedienung bietet genug Interaktionsmöglichkeiten", sagte Thoma.

    Eher, so waren sich die Podiumsteilnehmer einig, dürfte der Rückkanal genutzt werden, um die Vorlieben des Zuschauers zu erfassen. Damit könne man den IPTV-Zuschauer mit intelligenter, zielgerichteter Werbung ansprechen, statt ihn mit Einheitsreklame zu langweilen, sagte Hoffmann. Allerdings, mahnte Medienaufseher Hege, müsse es auch immer Wege geben, "Fernsehen ohne Datamining zu konsumieren".

    Quelle: heise.de

    ---------------

    Die Neu-Erfindung des Fernsehens
    Zusammenfassung aus Technology Review 09/2006

    Auf den ersten Blick ist das IPTV-Angebot von Hansenet und Telekom zunächst alles andere als aufregend. Das traditionelle Fernsehen kommt bei ihnen über DSL-Leitungen ins Haus, sonst ändert sich wenig. Wie soll ein solches Nischenangebot eine „Revolution des Fernsehens“ verursachen, wie sie Willi Berchtold, Präsident des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien, Anfang August ausrief?

    Die Gründe dafür liegen tiefer. IPTV ist nicht die Ursache, sondern die Folge einer Entwicklung, die das Fernsehen stärker verändern dürfte als die Einführung der Privatsender in den achtziger Jahren. Motor dafür ist der Wettstreit zwischen TV-Kabelgesellschaften und Telekommunikationsanbietern. Die Kabelnetzbetreiber bieten seit längerem Paket-Angebote aus Fernsehen, Internet und Telefon an. Sie wildern somit direkt im Stammgeschäft von Telekom & Co. Diese wiederum wehren sich nun, indem sie mit IPTV den Kernbereich der Kabelfirmen – nämlich die Übertragung von Fernsehkanälen – angreifen.

    Wer hier Jäger und wer Gejagter ist, lässt sich schwer ausmachen. Abzusehen ist nur so viel: Exklusive Inhalte werden zu einer entscheidenden Waffe. Leidtragende dieser Entwicklung sind die etablierten TV-Stationen. Sie müssen sich nicht nur darauf gefasst machen, immer öfter beim Rechte-Einkauf leer auszugehen, sondern sich auch der links und rechts aus dem Boden schießenden Konkurrrenzangeboten erwehren, die ihnen Zuschauer und Werbekunden streitig machen. Wie genau die neuen Fernsehformate aussehen werden, wie viel Push und wie viel Pull die Zuschauer möchten, welche Formen der Interaktion sich durchsetzen werden – all das steht noch in den Sternen. Schon jetzt zeichnet sich aber ab, dass die geschlossenen IPTV-Angebote à la Telekom und Hansenet („Walled Garden“) allenfalls eine Übergangslösung sein werden. Durch die Verbreitung von Wohnzimmer-PCs wird das Fernsehen endgültig von der Kette gelassen. Fällt die Grenze zwischen Schreibtisch und Wohnzimmer, und werden alle diese Inhalte ohne Vergewaltigung der Fernsehgewohnheiten über einen Wohnzimmer-PC mit angeschlossenem Fernsehbildschirm zugänglich gemacht, werden die IPTV-Angebot von Telekom und Hansenet mit ihren hundert Kanälen dagegen geradezu gemütlich übersichtlich wirken. Die Folgen: Das Fernsehen der Zukunft wird stärker von den Spielregeln des Internets beherrscht. Vom zentralen Leitmedium wird es zu sich zu einem ganzen Bündel von Darstellungsformen aufweiten – vom selbstgedrehten Drei-Minuten-Video auf Youtube bis zum kostenpflichtigen Download des Hollywood-Blockbusters in höchster Qualität. Lineare Programme wird es weiterhin geben, ebenso wie Sender, die diese Programme produzieren, konfektionieren und vermarkten. Die spannende Frage ist, ob dahinter die selben Anbieter stehen werden wie heute.

    Quelle: Technology Review
     

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