Lohnt es sich, im Altbau auf eine Wärmepumpenheizung zu setzen?

Artikel von Tommy Weber am 7. November 2022 um 12:23 Uhr im Forum Haus, Garten, Tiere & Pflanzen - Kategorie: Test & Vergleich

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Lohnt es sich, im Altbau auf eine Wärmepumpenheizung zu setzen?

7. November 2022     Kategorie: Test & Vergleich
Weg vom Gas und vom Öl, hin zu Alternativen, die umweltfreundlich und zukunftssicher sind. In Zeiten der Energiewende sind Wärmepumpen immer mehr in den Fokus gerückt und in Neubauten eine gefragte Lösung. Wie sieht es aber mit der Wärmepumpe im Altbau aus? Ist hier eine Umrüstung noch wirtschaftlich oder letztendlich nur Geld, was zum Fenster hinausgeworfen wird? Ab wann ist eine Wärmepumpe wirtschaftlich und worauf sollten Hausbesitzer unbedingt achten?

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Ein echter Boom
Vor gar nicht allzu langer Zeit wussten nur wenige Interessierte, was eine Wärmepumpe überhaupt ist. Heute erlebt sie einen wahren Boom und wird als die Alternative zu den Gas- und Ölheizungen angepriesen. Die Wärmepumpe wird beworben und sogar mit staatlichen Zuschüssen gefordert. So etwas zeigt Wirkung, denn immer mehr Besitzer von Altbauten wollen so schnell wie eben möglich auf diese umweltfreundliche Technik umsteigen. Handelt es sich dabei vielleicht nur um blinden Aktionismus, der am Ende nur kostspielig ist und überhaupt nicht zu den Rahmenbedingungen des jeweiligen Gebäudes passt? Dies kann durchaus passieren, wenn die Wärmepumpe nicht richtig dimensioniert ist, aber es ist nicht das einzige Problem.

Welche Wärmepumpen gibt es?
Die Energie, die Wärmepumpen benötigen, beziehen sie entweder aus der Luft, aus dem Erdreich oder aus dem Grundwasser. Die Wärme wird anschließend über Rohre transportiert, in denen ständig Wasser mit Frostschutzmittel zirkuliert. Handelt es sich um eine Luft-Wasser-Wärmepumpe, dann wird die Energie über Ventilatoren aus der Luft angesaugt. Diese trifft in der Wärmepumpe dann auf das Kältemittel, was anschließend bei niedriger Temperatur verdampft. Erwärmt wird die Luft durch einen Kompressor, in dem der Dampf verdichtet wird. Diese so gewonnene Wärme wird im dritten Schritt an den sogenannten Heizkreis abgegeben. Ein Wärmeverteiler sowie ein Speichersystem lagern die so gewonnene Energie zwischen und verteilen sie anschließend im ganzen Haus.

Welchen Vorteil hat eine Wärmepumpe?
Der größte Vorteil einer Wärmepumpe ist, dass sie einen großen Teil ihrer Energie zum Nulltarif aus der Umwelt bekommt. Nach Aussage des Bundesverbands Wärmepumpe handelt es sich dabei um gut drei Viertel der Energie. Was hingegen für den Betrieb der Pumpe unbedingt benötigt wird, ist Strom. Wärmepumpen spielen aufgrund der guten Ausnutzung von regenerativen Energien eine wichtige Rolle bei der Energiewende. Dies ist auch der Grund, warum sie im Vergleich gut gefördert werden. Die hohen Kosten für die Anschaffung, die zwischen 15.000 und 35.000 Euro plus eventueller Kosten für den Umbau im Haus oder für Bohrungen im Erdreich liegen, können mit dieser Förderung etwas abgefedert werden.

Wie hoch ist die Förderung?
Wird eine Wärmepumpe in ein bereits bestehendes Gebäude eingebaut, dann erhält der Hausbesitzer eine Grundförderung von 25 Prozent der Kosten als staatliche Förderung. Diese Förderung hilft beim Kauf, bei der Installation, der genauen Planung und bei der Entsorgung der alten Heizanlage. Das Geld kann aber auch für den Austausch der Heizkörper genutzt werden. Die staatliche Förderung kann auf 35 Prozent steigen, wenn die Wärmepumpe die Nachtspeicher- oder Ölheizung ersetzt. Das Gleiche gilt bei einer Gasheizung, die seit mehr als 20 Jahren läuft und noch funktionsfähig ist.

Weitere fünf Prozent Förderung gibt es, wenn die Energie aus dem Wasser, dem Abwasser oder aus der Erde bezogen wird. Maximal sind es also 40 Prozent Förderung für den Einbau einer Wärmepumpe in einem bestehenden Gebäude. Allerdings gibt es eine Grenze und die liegt bei maximal 60.000 Euro pro Wohneinheit. Zusätzlich wird noch eine regionale Förderung angeboten, hier lohnt es sich, Informationen einzuholen.

Für welche Gebäude ist eine Wärmepumpenheizung geeignet?
Geht es um neu gebaute Häuser, dann liegt der Anteil der Wärmepumpenheizung bereits bei mehr als 50 Prozent. Und das hat einen Grund: Diese energieeffizienten Neubauten brauchen besonders wenig Energie zum Heizen und das bei nur geringen Systemtemperaturen . Für Bestandsbauten kann eine Wärmepumpe ebenfalls infrage kommen, insbesondere, wenn das Haus gut gedämmt ist und wenn die Modelle zum Gebäude passen. Entscheidend ist dabei immer die sogenannte Vorlauftemperatur der Heizung. Bei dieser Vorlauftemperatur handelt es sich um die Temperatur, die das Wasser im System der Heizung hat, wenn es durch die Leitungen und danach durch die Heizkörper strömt. Diese Temperatur ist dabei unabhängig von den Einstellungen, die an den Heizkörpern vorgenommen werden.

So kann die Wärme effizient arbeiten
Je geringer die Temperatur ist, umso effizienter arbeitet die Wärmepumpe und desto weniger Strom wird verbraucht. In einem nicht sonderlich gut sanierten Haus, was einen hohen Bedarf an Wärme hat, kann es jedoch schnell zu sehr hohen Stromkosten kommen. Ideal sind Vorlauftemperaturen, die bei Dauerbetrieb zwischen 30 und 40 Grad liegen . Dies ist bei den meisten Neubauten, aber auch bei gut gedämmten Häusern der Fall. Selbst 55 Grad sind kein Problem und moderne Wärmepumpen kommen an kalten Tagen auch für kurze Zeit mit 70 Grad zurecht.

Lohnt sich die Wärmepumpe im Altbau?
Der Wechsel zur Wärmepumpe ist auch in einem Altbau noch möglich, trotzdem sollten sich Hausbesitzer den Einbau einer solchen Heizung gut überlegen . So kann es durchaus passieren, dass weitere Installationen dazukommen, und hierdurch noch zusätzliche Kosten anfallen. In der Regel passiert so etwas, wenn das Haus gedämmt oder die Heizkörper komplett ausgetauscht werden müssen. Grundsätzlich gilt, ein Gebäude sollte „niedertemperaturfähig“ sein. Dies ist immer der Fall, wenn am kältesten Tag eines Jahres die Vorlauftemperatur nicht höher als 50 Grad ist. An allen anderen Tagen muss die Temperatur aber stets sehr deutlich darunter liegen.

Den Fachmann fragen
Wer sein Haus mit einer Wärmepumpe ausstatten möchte, sollte sich im Vorfeld gut informieren und mit einem Handwerker oder einem Ingenieur sprechen. Sehr wichtig ist es zudem, die genaue Heizlast berechnen zu lassen, denn nur so kann die Wärmepumpe richtig dimensioniert werden und perfekt arbeiten. Der Indikator dafür, wie effizient eine Wärmepumpe arbeitet, ist immer die sogenannte Jahresarbeitszahl. Wenn diese zwischen drei und vier liegt, kann die Anlage als effizient betrachtet werden und ist damit auch wirtschaftlich. Die Jahresarbeitszahl von drei heißt, dass der Einsatz von einem Teil Strom zu drei Teilen Wärme führt. Die Besitzer einer Wärmepumpe können diesen Wert in den meisten Fällen im Menü des Gerätes einfach ablesen. Je höher die Arbeitszahl im Jahr ist, umso besser arbeitet die Wärmepumpe und versorgt das Haus stets zuverlässig mit angenehmer Wärme.

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Bildquelle: © Depositphotos.com / cfarmer
 

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