Obstanbau komplett ohne Pestizide - Martin Geng beweist es funktioniert

Artikel von Carla Columna am 1. Dezember 2019 um 15:47 Uhr im Forum Politik, Umwelt, Gesellschaft - Kategorie: Wirtschaft

  1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen

Obstanbau komplett ohne Pestizide - Martin Geng beweist es funktioniert

1. Dezember 2019 um 15:47 Uhr     Kategorie: Wirtschaft
Über 80 Prozent der Verbraucher wünschen sich ungespritztes Obst - aber der Marktanteil von pestizidfreien Früchten liegt nicht mal bei einem Prozent. Martin Geng, ein Obstbauer aus Staufen, kennt beim Ökoanbau keine Kompromisse, selbst auf die erlaubten Mittel aus dem Biolandbau verzichtet er. Der steigende Absatz seines Unternehmens belegt das es funktioniert.

Obstbauer.jpg


Kürzlich nahm der Quereinsteiger den Bundespreis für Ökolandbau des Bundeslandwirtschaftsministeriums entgegen. Und das, obwohl so viele Kollegen an Martin Geng gezweifelt haben. Er verzichtet in seinem Betrieb auf jegliche Spritzmittel, selbst wenn diese im Biolandbau erlaubt sind. Auf 17 Hektar Fläche baut er Obst an, die er zu über 100 verschiedenen Frucht-Produkten verarbeiten lässt. Diese werden nur im Direktverkauf im "Obstparadies" angeboten. Derzeit liegt die Erntemenge bei 50 Tonnen im Jahr.


Widerstandsfähige alte Obstsorten - eine Langfristige investition
Selbst den geringsten Einsatz von Pestiziden verneint der selfmade Obstbauer, stattdessen setzt er auf widerstandsfähige alte Obstsorten, die schauen dann zwar nicht alle perfekt aus wie aus Plastik, aber dafür schmecken sie hervorragend - was auch die Kunden zu schätzen wissen. Im letzten Winter pflanzte Geng 400 Birnbäume alter Sorte, die erst in 15 Jahren eine erste Ernte liefern werden. Zum Ausgleich gedeihen ihre Obstbäume viele, viele Jahre; sogar länger als die meisten Menschen leben (bis zu 150 Jahre). Zum Vergleich: Die typischen modernen Kulturreihen sind nach drei Jahren zum ersten Mal erntereif und nach spätestens 15 Jahren unfruchtbar und werden ersetzt. Die gepflanzten Bäume sind also eine nachhaltige Investition in die Zukunft.


Für das Insektensterben sorgt bei Geng die Natur
Auch das Interesse am Betrieb selbst ist riesig. Bei rund 40 Führungen im Jahr zeigt Geng 2 000 Menschen seine Plantagen und seinen Direktverkauf auf dem Hof – darunter Vertreter von Behörden, Vogelschützer, Umweltschützer, Studenten oder einfach an Ökologie interessierte Bürger. In den Wiesen unter den Bäumen summt und brummt es. Überall krabbeln und schwirren Insekten, sagt Geng. Für das Insektensterben ist bei ihm die Natur zuständig. Eine Meisenfamilie vertilge 75 Kilogramm Insekten im Jahr, sagt der Ökolandwirt. 27 verschiedene Vogelarten hat der Naturschutzbund in seinen Plantagen gezählt, darunter so seltene Arten wie der Neuntöter und der Pirol.

"Es geht, es hat geklappt", hielt Geng dem Minister denn auch bei der Preisverleihung entgegen. Hauk habe die Rüge gelassen aufgenommen, erinnert sich Geng. Anschließend unterhielten sich der Geehrte und der Minister angeregt bei einem Glas Wein. Für manche ist der Staufener Bioobstbauer eine ständige Provokation, die täglich vorführt, dass es anders geht. Aber immerhin hört man ihm inzwischen zu. Der Bauernverband BLHV hat ihn vergangene Woche sogar zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Seit Geng am Anfang des Jahres den Bundespreis für Ökolandbau von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner überreicht bekam, sorgt die Erfolgsgeschichte des Familienbetriebs bundesweit für Interesse. Geng ist gefragt. Und er hat viel zu berichten.

Widerstandsfähigkeit von Pflanzen war kein Zuchtziel
Ein extrem großes Problem ist vor allem, dass viele Obstsorten aber auch sonstige Kulturpflanzen extrem "ungesund" sind in ihrer Widerstandsfähigkeit. Sie sind komplett verzüchtet auf maximales Gewicht und Ertrag und leider abhängig von Spritzmitteln. Viele neue Kultursorten sind auf viele Pestizide angewiesen, denn auch in der Züchtung wird das als "Standard" angenommen und eingesetzt und somit werden die wichtigen Gene herausgezüchtet welche die Pflanze gesund und widerstandsfähig machen.
Die Zuchtkriterien sind leider, hohe Erträge, hohes Gewicht, optimales Aussehen - der gesundheitliche Aspekt und der Geschmack spielen dabei keine Rolle. Kunden sind es gewohnt nach dem Aussehen zu kaufen, die Verpackung ist daher im Handel das wichtigste Kriterium und oft "Wertvoller" als das enthaltene Produkt. Auch bei Gemüse und Obst spielt das Aussehen die Hauptrolle.

Quelle: Staufener Bioobstbauer zeigt, wie Landwirtschaft ohne Spritzmittel aussehen kann - Staufen - Badische Zeitung
 

Kommentare