Reale Enttäuschungen und Gefahren in der virtuellen Welt

Dieses Thema im Forum "Netzwelt" wurde erstellt von Melcos, 11. Oktober 2006 .

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  1. #1 11. Oktober 2006
    Reale Enttäuschungen und Gefahren in der virtuellen Welt

    Die Möglichkeiten des Internets sind groß: Jeder kann dort Informationen einstellen, Kontakte knüpfen und Einblicke in das Leben anderer bekommen. Die Gefahren, die diese virtuelle Welt mit sich bringt, sollten Internetnutzer jedoch nicht außer Acht lassen. Denn ob Informationen aus dem weltweiten Netz wirklich stimmen, lässt sich nur schwer nachvollziehen. Besonders Videoportale wie youtube.com, das gerade wieder durch die Übernahme durch Google in die Schlagzeilen kam, oder Blogs ermöglichen es jedem, Inhalte online zu stellen. Dass viele dieser virtuellen Welt dennoch – manchmal blindes – Vertrauen schenken, hat der Fall von "lonelygirl15" gezeigt: Auf youtube.com erfreuten sich Filme einer 15-jährigen US-Amerikanerin großer Beliebtheit. Sie gab sich als Tochter strenger Eltern aus, die in der Welt des Internets ihre einzige Freiheit fand. Nach einigen Wochen hatte sich eine regelrechte Fangemeinde um das Mädchen gebildet. Umso größer war deshalb die Entrüstung, als herauskam, dass die Geschichte der Schülerin ein reines Kunstprodukt war – erfunden von drei Studenten.

    "Die Nutzer haben sich wahrscheinlich mit dem Mädchen identifiziert", erklärt Christiane Eichenberg, die am Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Universität Köln zum Thema Internet forscht, die Entrüstung der Fangemeinde. Nach der Aufdeckung fühlten sie sich dann um ihre eigenen Gefühle betrogen, weil sie eine emotionale Bindung zu dem Mädchen aufgebaut haben. Solange das Internet nur als Unterhaltungsfaktor gesehen wird, ist es laut Eichenberg zunächst nebensächlich, ob die Inhalte stimmen. "Wer allerdings eine bestimmte Erwartungshaltung hat, wird durch gefälschte Inhalte schnell enttäuscht", sagt Psychologin Eichenberg. Besonders neue Internetnutzer könnten schnell darauf reinfallen. "Mit zunehmender Interneterfahrung bekommt man eher einen Blick dafür."

    Wenn sich die Nutzer der Probleme der virtuellen Welt bewusst sind, hat diese jedoch durchaus gewisse Vorteile gegenüber der Realität. Im Internet sei beispielsweise der soziale Aktionsradius größer: "Dort lassen sich auch Gleichgesinnte zu speziellen Themen finden", sagt Eichenberg. Außerdem öffneten sich viele Leute im Internet schneller. "Sie können dort eher über Probleme reden und fühlen sich verstanden", erläutert Prof. Jürgen Fritz, Medienpädagoge an der Fachhochschule Köln. Beziehungen in der virtuellen Welt bringen jedoch auch Probleme mit sich. "Da die Kontakte nicht so verbindlich sind, ist die Verlockung groß, einfach wegzuklicken, wenn es problematisch wird", sagt Christiane Eichenberg. Nach Worten von Prof. Fritz kann es auf Dauer außerdem dazu kommen, dass sich die sozialen Fähigkeiten vermindern: "Die Leute können dann zum Beispiel nicht mehr so leicht auf andere Menschen zugehen."

    Reale Freundschaften müssen jedoch nicht unbedingt unter virtuellen Kontakten leiden. "Die Internetaktivitäten können auch Anlass zur Kommunikation in der realen Welt geben", erklärt Prof. Fritz. Schwierig werde es erst, wenn die Internetnutzer sich zu stark in die virtuelle Welt vertiefen und nur noch dort leben. Es sei deshalb wichtig, sich bewusst zu sein, dass das Internet eine Welt ist, es aber auch noch andere gibt. "Die Mischung von virtueller und realer Welt ist wichtig", sagt auch Christiane Eichenberg.

    Vor allem Internetportale, in denen Videos eingestellt oder Blogs geschrieben werden können, machen es den Nutzern leicht, eine Öffentlichkeit für ihr eigenes Leben zu schaffen. Durch diese Ungezwungenheit lassen sich jedoch nicht nur Beachtung und neue Freunde finden. Besonders die Angabe von persönlichen Daten kann zu Problemen führen. "Vor einer Einstellung suchen viele Arbeitgeber im Internet nach der Person", sagt Nils Leopold vom Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Hostein in Kiel. Die Ergebnisse könnten dann den Entscheidungsprozess beeinflussen. Auch wenn heikle Inhalte vermeintlich schon längst gelöscht wurden, sollte man sich nicht in Sicherheit wiegen. "Informationen im Internet sind nicht rückholbar, sie sind meistens immer noch irgendwo vorhanden", erklärt Leopold. Damit keine unangenehmen Tatsachen über die eigene Person zu Tage treten, sollte im Internet immer ein "Nickname" benutzt werden.

    Vorsichtig sollten Internetnutzer auch mit Informationen über Dritte sein. Wird beispielsweise ein Video ohne Einverständnis der dargestellten Personen ins Internet gestellt, kann ein Bußgeld oder sogar eine Strafanzeige auf den Internetnutzer zukommen. "Den meisten sind diese rechtlichen Folgen nicht bewusst", sagt Leopold. Diese Unbedarftheit komme unter anderem deshalb zustande, weil es in den USA, wo viele der Portale ihren Ursprung haben, ein anderes Grundkonzept von Datenschutz gibt. Damit Internetnutzer nicht alles glauben, was ihnen in der virtuellen Welt begegnet, ist laut Prof. Jürgen Fritz vor allem Medienkompetenz nötig. Man müsse zum Beispiel wissen, wie Informationen aus dem Internet überprüft werden können. Da das jedoch vor allem bei personenbezogenen Daten schwierig ist, gilt vor allem eins: "Mit Blauäuigkeit darf man sich nicht im Internet bewegen."

    Quelle: heise.de
     

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