RoboCup: Simulation als Profiliga

Dieses Thema im Forum "Netzwelt" wurde erstellt von z3Ro-sHu, 17. Juni 2006 .

Schlagworte:
  1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen
  1. #1 17. Juni 2006
    Link:

    Bei den ersten Roboter-Fußballweltmeisterschaften 1997 rollten in Wirklichkeit nur wenige Maschinen über das Spielfeld: Die meisten Mannschaften traten in der Simulationsliga an. Und "bis heute ist die zweidimensionale Simulation fußballerisch die Profiliga des RoboCup geblieben", betont Oliver Obst vom Organisationskomitee des Wettbewerbs der Soccer Simulation League. Denn im Gegensatz zu den meisten anderen Wettbwerben des RoboCup-Turniers müssen sich Simulations-Spieler nicht mit den Hardware-Tücken manchmal allzu sensibler Maschinchen herumschlagen, sondern können sich rein auf Strategie und Taktik konzentrieren.
    Die zweidimensionale Simulation der ersten Stunde wird immer noch gespielt und zeigt das Feld in strenger Aufsicht. Der Ball rollt stets am Boden entlang, jeder Spieler in der Schusslinie kann ihn stoppen. Bei der 3D-Simulation, die 2004 zum ersten mal als Wettbewerb gespielt wurde, sieht das anders aus: Hier muss der Torwart auch mit Schüssen im hohen Bogen rechnen. Auf dem dreidimensional virtuellen Rasen kommt beim diesjährigen RoboCup in Bremen erstmals die Abseitsregel zum Einsatz, und der Torwart kann den Ball neuerdings auch festhalten. Außerdem hat man den Fußball-Bots den Sichtwinkel beschränkt. Noch nicht im harten Wettbewerbseinsatz sind Protoypen von Spielern mit Füßen, deren Gang physikalischen Gesetzen folgt und die Bälle richtig treten können -- bisher rollen die simulierten Roboter noch als perfekte Kugeln über das Feld.

    Auch das Rettungsszenario der RoboCup Rescue-Liga wird seit 2001 in virtuellen Varianten durchgespielt. Dazu wird in Echtzeit der Ablauf einer großen Katastrophe mitten in einer Stadt simuliert. Agententeams übernehmen die Aufgaben von Ambulanz, Feuerwehr oder Polizei und versuchen durch ihren Einsatz möglichst viele der virtuellen Bewohner und ihrer Häuser zu retten. Dabei müssen die Einatzkräfte mit den gleichen Beschränkungen klarkommen wie ihre realen Vorbilder: Kommunikationskanäle besitzen eine begrenzte Bandbreite, die Sicht der Agenten ist beschränkt und das Ausmaß der Katastrophe will auch erst einmal erforscht werden. Einer Schlüsselrolle kommt der Kooperation zwischen den Teams zu: Ist die Straße durch fliehende Bewohner blockiert, müssen Polizei-Agenten die Durchfahrt für die Feuerwehr räumen sicherstellen.

    Die Szenarien dieser Katastrophensimulation sollen beispielsweise durch Integration von GPS-Daten und realisitische Modellierung der Bewegungsweise echter Feuerwehrleute näher an die Realität gebracht werden -- Alexander Kleiner von der Universität Freiburg, Mitglied des Organisationskomitees der Rescue Simulation League, verspricht sich handfeste Erkenntnisse für die Rettungskräfte vom Kampf ihrer Computer-Stellvertreter gegen die Pixelflammen.

    Diese so brandgefährlich wie eine echte Feuersbrunst zu machen, ist Aufgabe in einem anderen Wettbewerb des vielgestaltigen RoboCup-Spektakels. Bei dessen meisten Ligen sorgen gegnerische Teams stets für neue Herausforderungen -- im Katastrophenfall allerdings muss die Simulation von Jahr zu Jahr gezielt tückischer gemacht werden. "Was uns gerade fehlt, ist ein Flutsimulator", regt Kleiner die Entwickler an. Beim RoboCup wird die beste Verfeinerung des Jahres gekürt, sie steht -- wie der ganze Simulator -- als quelloffene Software zur Verfügung.

    Der letzte Schrei bei den virtuellen Rettern ist allerdings der 3D-Simulator USARSim, der auf die Grafik- und Physik-Engine des Spiels Unreal Tournament aufsetzt. Der Clou: Im RoboCup-Wettbewerb dürfen nur solche simulierten Roboter diese Arena betreten, die in allen Eigenschaften einem real existierenden Roboter nachgebildet sind. Dank der ausgefeilten Spielphysik gibt es wenig Unterschiede im Verhalten zwischen echtem und simulierten Bot -- je nach Implementierung des virtuellen Modells kommt dieses auch direkt mit originalem Steuercode seines Vetters aus Blech und Halbleitern zurecht. "Dadurch kann man beispielsweise realistische Experimente mit deutlich mehr Robotern durchführen, als man real zur Verfügung hat", freut sich Kleiner.

    Der RoboCup wird noch bis zum 18. Juni ausgefochten, an dem auch die Finalspiele der Simulationsligen stattfinden.
     

  2. Anzeige

  3. Videos zum Thema
Die Seite wird geladen...