Streaming: Internet kurz vor Zusammenbruch?

Artikel von raid-rush am 22. März 2020 um 16:52 Uhr im Forum Netzwelt - Kategorie: Technik

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Streaming: Internet kurz vor Zusammenbruch?

22. März 2020     Kategorie: Technik
Viele denken sich wohl, warum das Internet zeitweise langsamer ist oder hängt. Das liegt daran, dass Video-Stream Angebote und Downloads momentan eine unglaubliche Nachfrage haben. Einige Knotenpunkte und einige Regionen sind am Limit und könnten Regional zeitweise ausfallen. Besonders DDoS Angriffe sind in solchen Zeiten von hoher Auslastung ein größeres Risiko als normalerweise. Könnte das Internet am Sonntag-Abend lahmgelegt werden?

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Die Streaminghoster sind dringed dazu aufgerufen, ihre Qualität zu reduzieren um die Leitungen zu entlasten, dass gilt für das legale als auch das illegale Streaming Angebot. Andernfalls sind Netzwerkbetreiber möglicherweise gezwungen diverse Stream-Kanäle abzuschalten um einen Zusammenbruch zu verhindern. Viele Anbieter haben schon reagiert und ihre Videoqualität entsprechend reduziert. Netflix, Youtube und nun auch Apple und Disney reduzieren ihre Übertragungsbandbreite bereits. Diese soll erst mal 30 Tage lang andauern.

Auch wenn die Hoster selbst in ihren Rechenzentren noch Kapazität frei haben, die Engpässe liegen an anderen Kontenpunkten und teilweise sogar direkt in den regionalen Netzen. Der Durchsatz zum Endkunden hängt also vom "schwächstem Glied" in der Kette ab. Intelligentes Routing kann auch über Umwege zum Ziel kommen und somit quasi "Staus" umgehen.
Die neuen Highspeed DSL Anschlüsse verwenden eine Technologie (Vektoring), welche die Bandbreite nur ausnutzen kann wenn nicht alle Leitungen und Frequenzen belegt sind. Im Prinzip gibt es eine Prioritätenliste, so werden die Daten nacheinander (seriell) in sehr hoher Frequenz durch das Kabel gejagt und dann der nächste, das ermöglicht einen hohen Durchsatz durch weniger Störungen von Paketkollisionen. Wenn die Warteliste sehr lange wird, kann das also vor allem auch zu höheren Latenzzeiten führen.

Das Datenvolumen ist zu Spitzenzeiten um über 70% angestiegen. Das könnte zu Problemen führen, denn viele Unternehmen, aber auch systemkritische Einrichtungen wie Krankenhäuser oder medizinische Labore sind auf schnelles Internet angewiesen. Mit einem Netzwerk-Verkehrsmanagements, würden bestimmte Datenströme bevorzugt behandelt werden. Dieser Eingriff in die Netzneutralität ist allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen zulässig.

Laut Bundesnetzagentur ist eine Drosselung grundsätzlich zulässig, doch auf der anderen Seite verbietet es der im EU-Recht festgeschriebene Grundsatz der Netzneutralität, die verschiedenen Internet-Dienste unterschiedlich zu behandeln. Dabei muss der Internetanbieter sicher stellen, dass alle Angebote gleichermaßen blockiert oder gedrosselt würden, damit eine Neutralität bestehen bleibt und kein Dienst bevorzugt würde.

Bislang reichen die Kapazitäten in den Leitungen aus, doch gerade Wochenenden könnten zusätzlich zur nach innen verlagerten Freizeitaktivität eine extra Belastung darstellen. Doch Ausnahmen könnten dennoch zu einer Überlastung führen.

Beispielsweise, bieten viele Spielehersteller ihre Games gratis zum Download an - das führt zu hohem Downloadvolumen. Ebenso wie die Videostreams. In einem ungünstigem Zeitpunkt, wenn alle gerade ihre Aktivität vor den Computer/Fernseher verlagern, kann es also durchaus zu einer Überlastung kommen. Auch DDoS Angriffe steigern das Risiko von Ausfällen.

Aber das Netzwerk - Internet - ist trotz allem sehr stabil. Viele Wissenschaftler haben sich schon die Köpfe zerbrochen darüber, warum es überhaupt noch funktioniert und sind begeistert, wie solide es läuft ohne dabei genau nachvollziehen zu können, warum es wirklich so stabil ist. Das "Chaos" im Kabelsalat hat wohl sogar seine Vorteile.

In der Schweiz droht derweil ein Stopp für Videostreaming, da hier die Netze deutlich überlastet sind. In Deutschland sind derzeit nur in wenigen Regionen Überlastungen zu erwarten. Die meisten Knoten und das Netz der Telekom sind dem Datenvolumen gewachsen, da viele Verteiler schon für höhere Geschwindigkeiten ausgerüstet wurden und daher noch Kapazitäten frei haben. Denn theoretisch könnten viel mehr Haushalte Highspeed-Internet nutzen als es bisher Kunden mit Verträgen dafür gibt. Ein Internet-Zusammenbruch ist also eher unwahrscheinlich, mit Ausnahme bestimmter Dienste und Regionen.
 

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