Studie warnt vor Öffnung einer "Breitband-Schere"

Dieses Thema im Forum "Netzwelt" wurde erstellt von Melcos, 27. März 2008 .

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  1. #1 27. März 2008
    Studie warnt vor Öffnung einer "Breitband-Schere"

    Ohne staatliche Infrastrukturförderung bleibt in Bundesländern mit hohem Anteil an dörflichen Strukturen der Zugang ans Breitbandinternet und dessen effiziente Nutzbarkeit hinter den Erwartungen der Politik zurück. Dies geht aus einem jetzt veröffentlichten Gutachten (PDF-Datei) mit dem Titel "Breitband für jedermann" hervor. Es wurde vom Wissenschaftlichen Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste (WIK) im Auftrag des rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministeriums erstellt. Die Autoren der Studie schätzen, dass über das Jahr 2012 hinaus ohne politische Maßnahmen zwischen zwei bis drei Prozent aller Haushalte in Rheinland-Pfalz auf Grund der unzureichenden Wirtschaftlichkeit durch terrestrische Netze nicht erreicht werden. Die gegenwärtige Situation würde sich damit so gut wie nicht verbessern.

    Strategien zur Beseitigung der auch im Bundestag viel beschworenen "weißen Flecken" bei der Breitbandversorgung sind laut dem 135-seitigen Bericht zudem zwar zur kurzfristigen Auflösung von Engpässen wichtig, reichen aber nicht aus. Sie würden mittel- und langfristig zum Entstehen von "grauen Flecken" führen, warnt die Studie vor der Öffnung einer "Breitband-Schere". Denn während in Teilen von Städten demnächst Zugänge zum Internet mit 50 oder sogar 100 Mbit/s angeboten würden, müssten viele andere Regionen vor allem auf dem Land mit wesentlich weniger Bandbreite auskommen.

    Die im Rahmen dieser Studie durchgeführte Erhebung habe gezeigt, dass Datenraten von weniger als 1 Mbit/s im ländlichen Raum künftig den Bedarf auch für Privathaushalte nicht decken werden. Das in der Vergangenheit beobachtete dynamische Wachstum beim Bitratenbedarf der Nutzer werde sich künftig fortsetzen. Updates von Sicherheitssoftware oder Betriebssystemen, aber auch neue Anwendungen wie Videodienste im Web 2.0 mit selbst erzeugten Inhalten ließen den Bandbreitenbedarf kontinuierlich wachsen. Hinzu kämen Anwendungen im Bereich der beruflichen Weiterbildung, beim schulischen oder universitären Lernen, in der Telearbeit oder im Home Office. Die aktive Nutzung des Internet erfordere demnach nicht nur deutlich schnellere, sondern auch symmetrische Anschlüsse.

    Der Bericht unterstreicht daher die Notwendigkeit, dass eine nachhaltige Investitionsförderung durch die Landesregierungen sich insbesondere auf das wettbewerbsneutrale Verlegen breitbandiger Leitungen konzentriert. Langfristig führe um den Aufbau von Glasfasernetzen beziehungsweise die Schaffung schneller Funkverbindungen zur Versorgung aller Regionen mit zweistelligen MBit-Raten kein Weg vorbei. Das WIK hält es im Rahmen einer "vorausschauenden Breitbandpolitik" für sinnvoll, dass die betroffenen Kommunen – gegebenenfalls mit Unterstützung des Landes und des Bundes – Leerrohre für eine Glasfaserkabelzuführung verlegen. Diese öffentliche Infrastruktur sollte dann allen Wettbewerbern diskriminierungsfrei offen stehen. Kurzfristig sollte für die unterversorgten Ortschaften ein Anschluss-Szenario auf Basis von Funktechnologien wie WiMAX geprüft werden. Da diese als besonders wirtschaftlich gälten, seien sie besonders geeignet, sehr kleinteilige Versorgungslücken zu schließen.

    In den Gemeinde- beziehungsweise Kreisverwaltungen sollten lat dem Gutachten "Paten" für Breitbandfragen ernannt werden. Weiter empfehlen die Autoren den Kommunen eine Bündelung der Nachfrage vor Ort, um kritische Massen für kommerziell tragfähige Lösungen wie beispielsweise lokale Funknetze zu generieren. Ende 2007 waren von den 2305 Gemeinden in Rheinland-Pfalz rund 156 nicht mit DSL versorgt. Davon sind 4 Prozent anderweitig durch Kabel oder Funktechnologien an die Datenautobahn angeschlossen, sodass derzeit 62.252 Haushalte (3 Prozent) ohne Breitband-Verfügbarkeit dastehen. In vielen Gemeinden hätten aber auch kleine Unternehmen und Bürgerinitiativen dafür gesorgt, dass eine örtliche Breitband-Basisversorgung durch Funknetze auf WLAN-Basis ermöglicht werde.

    Quelle: heise.de - 27.03.2008
     

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