Temperamente: Wie würdest du reagieren?

Artikel von Burg und Er am 2. Februar 2021 um 14:49 Uhr im Forum Allgemeines & Sonstiges

Temperamente: Wie würdest du reagieren?

2. Februar 2021    
Die Temperamentenlehre der Hippokratiker beschreibt vier Temperamente, von denen in der Regel eins vorherrschend bei einem Menschen ist. Der lateinische Begriff „temperamentum“ bedeutet auf Deutsch so viel wie Mischung. Reine Temperamente in ihrer vollen Einseitigkeit sind im Leben kaum zu finden. Im Grunde trägt jeder Mensch alle vier Temperamente in sich, aber oft sind nicht alle gleich stark ausgebildet. Es hängt also davon ab, in welcher Art und Weise die vier Temperamente in uns ausgebildet sind, damit wir so agieren und reagieren, wie wir es tun. Die Temperamente prägen somit unseren Verhaltensstil, der tief in uns verankert ist.

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Nehmen wir zur Veranschaulichung ein Beispiel, wie die verschiedenen Temperamente im Extremfall auf eine bestimmte Situation reagieren würden:


Stellen wir uns einen Menschen im Spielsalon vor. Er steht am Roulette-Tisch und hat gerade seinen letzten Jeton im Wert von 50 Euro auf die Zahl 7 gelegt. Wer nicht weiß, wie Roulette funktioniert, kann die Roulette Spielregeln einfach erklärt noch einmal nachlesen. Die Kugel rollt. Der Croupier ruft in den Saal: „Rien ne va plus.“ Die Kugel fällt fast in den Schacht mit der Zahl 7, macht aber noch einen Hüpfer und kommt im Schacht daneben zum Liegen. Der Croupier ruft: „28, schwarz, pair, passe.“ Der Spieler hat seine letzten 50 Euro verloren. Geld, das eigentlich für das Taxi nach Hause vorgesehen war. Wie reagiert der Mensch auf diese Situation?



Wenn er Sanguiniker ist vielleicht so:
„War klar.“ Er lächelt bitter und geht sofort zum Ausgang. Er rechnet sich aus, wie lange er nach Hause laufen wird, stellt sich vor, wie er dort ein heißes Bad nehmen wird, denkt kurz über einen Spieler nach, den er im Spielsalon beobachtet hatte, geht seine Aufgaben für den morgigen Arbeitstag durch, sieht die Zahl 28 vor seinem geistigen Auge, überlegt, wie viel Geld noch auf seinem Konto ist. Ein Gedanke löst den nächsten ab. Es rattert in seinem Kopf. Der Sanguiniker ist gemeinhin ein heiterer, lebhafter und leichtsinniger Mensch. Weiterhin wird er auch als phantasievoll, gesprächig und optimistisch beschrieben. Als negative Eigenschaften werden ihm Unstetigkeit, wenig Skrupel und häufige Exzesse zugeschrieben.



Und wie reagiert der Choleriker? Vielleicht so:
Er sagt laut in das allgemeine Kasinogemurmel hinein: „Kann doch wohl nicht wahr sein.“ Es brodelt in ihm und er würde am liebsten alle Jetons vom Tisch wischen. Wird er in diesem Moment angesprochen, reagiert er unwirsch. Er verlässt das Spielhaus und lässt seine Wut heraus, indem er einen Schrei ausstößt oder einen Stein so weit wirft, wie er kann. „Da hast du es, du Stein. Nicht mit mir. Mit mir nicht!!!“ Wut entbrannt geht er nach Hause. Der Choleriker ist ein leicht erregbarer, unausgeglichener und jähzorniger Mensch. Im positiven Sinn werden die Charaktereigenschaften eines Cholerikers auch als willensstark, furchtlos und entschlossen beschrieben.



Und wie reagiert der Phlegmatiker? Vielleicht so:
„Ah ja, knapp daneben ist auch vorbei.“ Er sieht sich um und überlegt, ob jemand gemerkt hat, dass er sein letztes Geld verspielt hat. Dann überlegt er, wer ihn an der Bar zu einem letzten Drink einladen könnte. Er sträubt sich noch, jetzt sofort nach Hause zu laufen, tut es aber, weil ihm nichts anderes übrigbleibt. Auf dem Weg ärgert er sich über seine Schwäche und sehnt sich nach einer gemütlichen Taxifahrt. Der Phlegmatiker ist ein Mensch, der langsam, ruhig und schwerfällig ist. Ihm ist häufig alles egal. Im positiven Sinn wird er auch als friedliebend, ordentlich, zuverlässig und diplomatisch beschrieben.



Und wie reagiert der Melancholiker? Vielleicht so:
Er denkt: „Oh nein, nicht schon wieder. Wieso muss mir das immer passieren? Wieso habe ich nicht einmal Glück im Leben?“ Er ist innerlich verzweifelt. „Was soll ich bloß machen? War ja klar, dass mir das wieder passiert.“ Der Melancholiker ist ein zu Schwermut, Trübsinn und Traurigkeit, Misstrauen und Kritik neigender Mensch. Im positiven Sinn werden ihm auch die Eigenschaften der Verlässlichkeit und Selbstbeherrschung zugeschrieben.



Die Reaktionen der vier Temperamente könnten auch ganz anders aussehen und wurden bewusst mit dem Wörtchen „vielleicht“ so beschrieben. Wichtig zu wissen, ist, dass ein vorherrschendes Temperament nicht gut oder schlecht ist. Jedes hat positive wie auch negative Eigenschaften. Welche Eigenschaften am Ende zum Vorschein kommen, hängt von der eigenen Arbeit an sich selbst ab. Ziel dabei könnte sein, die positiven Eigenschaften zu stärken und auch noch die positiven Kräfte der anderen Temperamente in sich zu vereinen. Hast du dich wiedergefunden im Beispiel? Welches Temperament ist bei dir vorherrschend?
 

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