Tote und Verletzte bei El Qaida-Terroranschlag in Algier

Dieses Thema im Forum "Netzwelt" wurde erstellt von playmate, 11. April 2007 .

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  1. #1 11. April 2007
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 14. April 2017
    Tote und Verletzte bei Terroranschlag in Algier
    Quelle: Spiegel Online.​

    Bei zwei fast gleichzeitigen Anschlägen in der algerischen Hauptstadt Algier sind bis zu 17 Menschen getötet und mehr als 80 verletzt worden. Die Attentate richteten sich gegen den Regierungssitz und ein Polizeikommissariat beim Flughafen.
    Algier - Ein Anschlag ereignete sich im Zentrum der algerischen Hauptstadt. Er habe sich gegen den Amtssitz des Ministerpräsidenten gerichtet, meldete die amtliche Nachrichtenagentur APS. Allein dort seien bis zu zehn Menschen ums Leben gekommen, hieß es in Polizeikreisen.

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    {img-src: http://www.spiegel.de/img/0,1020,843732,00.jpg}

    Brennende Waffe: Attentäter sprengten das Auto rund 30 Meter vor dem Eingang des Regierungsitzes in die Luft​


    Zwei Augenzeugen sagten, sie hätten einen Autofahrer beobachtet, der sich mit seinem Wagen dem Amtssitz des Ministerpräsidenten genähert habe. Dann sei das Auto plötzlich explodiert. Demzufolge durchbrach der Selbstmordattentäter eine Polizeisperre vor dem Regierungspalast. Es sei ihm gelungen, auf den geschützten Parkplatz vorzudringen, wo er den Wagen zur Explosion gebracht habe. Sechs Stockwerke des Gebäudes wurden erheblich beschädigt. Eine schwarze Rauchwolke stehe über dem Gebäude im Zentrum, in dem mehrere Abteilungen des Innenministeriums ihren Sitz haben. berichteten Zeugen weiter. Im Umkreis von zweihundert Metern gingen Fensterscheiben zu Bruch.

    Wie Augenzeugen weiter berichten, detonierte etwa zur gleichen Zeit eine weitere Bombe im östlichen Stadtviertel Bab al-Suwar. Sie war vor einer Polizeikaserne detoniert. "Ich habe zuerst an ein Erdbeben gedacht", sagte ein Augenzeuge.

    Die Detonationen waren in ganz Algier zu spüren. Tausende Menschen flüchteten sich nach Angaben von Bewohnern auf die Straße. Krankenwagen rasten zum Ort des Geschehens.

    Ministerpräsident Abdelaziz Belkhadem sprach von einer "feigen und kriminellen Tat". Die Anschläge seien offensichtlich bewusst in einer Zeit verübt worden, in der man sich in Algerien um eine "nationale Versöhnung" bemühe.

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    Fotos: Google Earth; Karte: SPIEGEL ONLINE​

    Algerien befindet sich seit 1992 im ständigen Konflikt mit islamischen Fundamentalisten. Damals stand deren Islamische Heilsfront (FIS) bei einer Parlamentswahl kurz davor, die Regierungsmehrheit zu erringen. Die Wahl wurde daraufhin von den Streitkräften für ungültig erklärt, und die Fundamentalisten gingen in den Untergrund. Bei Anschlägen, Überfällen und Kämpfen mit Polizei und Armee kamen seitdem schätzungsweise 200.000 Menschen ums Leben. Ende der neunziger Jahre flaute die Gewalt etwas ab. In einem Referendum vom 29. September 2005 sprach sich die algerische Bevölkerung mit großer Mehrheit für einen Plan von Präsident Abdelaziz Bouteflika zur nationalen Versöhnung aus, verbunden mit einer weitgehenden Amnestieregelung.

    Seit einigen Monaten kommt es aber wieder häufiger zu Zwischenfällen vor allem im Osten und in der Mitte des nordafrikanischen Landes. Hinter den heutigen Anschlägen wird die jüngst aus Terrorgruppen mehrerer nordafrikanischer Länder gebildete Organisation al-Qaida des Islamischen Maghrebs vermutet.

    Erst gestern hatten sich in der marokkanischen Wirtschaftsmetropole Casablanca drei Terrorverdächtige bei einer Razzia in die Luft gesprengt. Dabei war auch ein Polizist ums Leben gekommen.

    ler/AFP/reuters/dpa/AP
     

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  3. #2 11. April 2007
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 14. April 2017
    AW: Tote und Verletzte bei Terroranschlag in Algier

    Qaida bekennt sich zu Morden in Algier
    Quelle: Spiegel Online.​

    Von Yassin Musharbash

    Die Nordafrika-Filiale der Qaida hat sich im Internet zu den Bomben von Algier bekannt: 24 Tote, mehr als 160 Verletzte lautet die Bilanz. Die Terrorgruppe nennt die Namen der angeblichen Selbstmordbomber und veröffentlicht deren Fotos.

    Berlin - Das Bekennerschreiben erschien am Nachmittag auf einer dschihadisischen Internetseite, die seit über einem Jahr von fast allen islamistischen Terrororganisationen für die Veröffentlichung von Kommuniques genutzt wird. "Die Tore des Paradieses haben sich geöffnet", heißt es in dem arabischen Dokument, das SPIEGEL ONLINE vorliegt, mit Bezug auf die Attentäter.

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    {img-src: http://www.spiegel.de/img/0,1020,844159,00.jpg}
    Diese drei Bilder verbreitete die nordafrikanische Qaida-Filiale heute:
    Insgesamt sollen die Attentäter 1900 Kilogramm Sprengstoff haben.​

    Von drei Selbstmordbombern ist in dem Schreiben die Rede, die meisten Agenturberichte gehen aber bislang von zwei Detonationen aus. Als Ziele benennt die "al-Qaida im islamischen Westen": Den Sitz der algerischen Regierung, die Zentrale von Interpol in Algier, und ein Gebäude der Sicherheitskräfte. Die Namen der Attentäter werden genannt und auch Fotos verbreitet, die sie angeblich zeigen. In der Qaida-Botschaft heißt es weiter, die Nachrichtenagenturen würden die Zahl der Opfer absichtlich zu niedrig angeben, es seien in Wahrheit rund 200 Menschen getötet und verletzt worden. Allein beim ersten Anschlag seien 45 Menschen getötet worden. Bislang geht man von 24 Todesopfern und mehr als 160 Verletzten aus. Angeblich, heißt es weiter, hätten zwei der Attentäter je 700, der dritte 500 Kilogramm Sprengstoff verwendet.

    Ob das Dokument authentisch ist, kann derzeit unabhängig nicht bestätigt werden. Zuvor hatte Reuters bereits berichtet, ein Qaida-Sprecher habe sich bei dem arabischen Satellitensender al-Dschasira bekannt - per Telefon.


    Auch wenn die beiden Selbstbezichtigungen sich im Nachhinein als nicht authentisch erweisen sollten: Es gibt trotzdem kaum Zweifel, dass die nordafrikanische Filiale des Terrornetzwerks al-Qaida für die Sprengsätze verantwortlich ist. "Es ist kaum vorstellbar, dass eine andere Gruppe dahintersteckt", meint auch der Terrorexperte Guido Steinberg von der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik. Die "al-Qaida im islamischen Westen" hat sich offiziell erst Anfang dieses Jahres gegründet. Man habe Osama Bin Laden die Treue geschworen, verkündete Ende Januar die algerische "Salafitische Gruppe für Mission und Kampf" (nach der französischen Bezeichnung GSPC abgekürzt). Da sei es nur folgerichtig, wenn man nun auch seinen Namen ändere. Schon im September 2006 hatte Qaida-Vizechef Aiman al-Sawahiri von einer Allianz zwischen GSPC und al-Qaida gesprochen.

    "Botschaft an die Muslime Algeriens"

    Seit dem Anschluss an al-Qaida folgten mehrere Kommuniques der Dschihadisten, in denen sie ihre Feinde benannten: Die "vom Glauben Abgefallenen" und die "Kreuzfahrer" wurden erwähnt, spezieller auch die französischen Ex-Kolonialherren und US-Bürger. Zur Kategorie der "vom Glauben Abgefallenen" gehört für die von dem ehemaligen GSPC-Kommandeur Abu Musab al-Wudud geführten Truppe auch die Regierung Algeriens, die heute ins Visier genommen wurde. Das Regime sei für den Verfall der religiösen und moralischen Werte verantwortlich, schrieb die Organisation im Januar in einer "Botschaft an die Muslime Algeriens", die SPIEGEL ONLINE vorliegt.


    Doch nicht nur Algerien ist von einem Neuerstarken der dschihadistischen Kräfte erfasst - im gesamten Maghreb zeichnet sich eine entsprechende Bewegung ab. Es gebe eine "neu organisierte dschihadistische Szene in Nordafrika", ist Terrorexperte Steinberg überzeugt. Seit 2003 habe sich das abgezeichnet.

    Gemeinsam mit einer Kollegin hat er diese Entwicklung nachgezeichnet. Unter anderem kommen die Forscher zu dem Ergebnis, dass sich die Agenda der algerischen Dschihadisten eindeutig internationalisiert hat. Der Anteil der Algerier an den im Irak kämpfenden arabischen Ausländern betrage mittlerweile 20 Prozent, zugleich würden Marokkaner und Tunesier zunehmend in den Ausbildungscamps der GSPC gesichtet.

    Gefahr des Übergreifens auf Europa

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    Fotos: Google Earth; Karte: SPIEGEL ONLINE​

    Im Nachbarland Marokko konnten die Sicherheitsbehörden erst gestern eine Terrorzelle unschädlich machen: Vier der Verdächtigen entzogen sich der Festnahme, indem sie ihre Sprengstoffgürtel zündeten und sich das Leben nahmen. Ein Zusammenhang zu dem heutigen Anschlag in Algier ist nicht festzustellen - aber das beide Ereignisse denselben Trend abbilden, ist unter Experten unstreitig: Der Maghreb wächst zum Terrorschlachtfeld heran - eine Vision, die lokale Terroristen, aber auch al-Qaida, stets herbeigesehnt haben. Nicht zuletzt, weil der Maghreb jene arabische Region ist, die am nächsten am Westen liegt.

    Dies, so wird zunehmend befürchtet, könnte unmittelbare Auswirkungen auch auf Europa haben. Es bestehe die "unbedingte Gefahr eines Ausgreifens nach Europa", meint Steinberg.

    Neue Untersuchungen geben ihm Recht: Erst gestern stellte die europäische Polizeibehörde Europol den Terrorbericht für das Jahr 2006 vor. Demnach wurden in der EU zwischen Oktober 2005 und Dezember 2006 340 Personen wegen Vergehen festgenommen, die im Zusammenhang mit Terrorismus standen - von ihnen waren mehr als die Hälfte aus Marokko, Algerien und Tunesien.

    Maghrebinische Terroristen in der EU am aktivsten

    Eine niederländische Studie vom Dezember 2006, die den Zeitraum zwischen 2001 und 2006 untersuchte, kam zu einem ähnlichen Ergebnis: Ein Viertel der Dschihadisten, die in Europa aktiv wurden, stammten demnach aus Algerien, gemeinsam mit anderen Nordafrikanern machten die gut die Hälfte der Gruppe aus.

    Als Ursachen für die Revitalisierung dschihadistischen Gedankenguts in den Maghrebstaaten nennt Terrorexperte Steinberg eine Monopolisierung der Religionsauslegung durch den Staat und die repressive Politik der Regime gegenüber Islamisten. Aber auch der Irakkrieg spiele eine Rolle. Allerdings weisen Steinberg und seine Co-Autorin Isabelle Werenfels in ihrer Studie auch auf die Möglichkeit hin, dass die Annäherung der GSPC an al-Qaida aus einer Position der Schwäche heraus zustande gekommen sein könnte: Um neue Rekrutierungs- und Finanzierungswege zu öffnen, beispielsweise.

    Die Zahl der GSPC-Kämpfer wird von ihnen auf rund 800 geschätzt. "Dass eine Terrororganisation geschwächt ist, bedeutet in der Regel nicht, dass sie keine Anschläge mehr zu organisieren vermag", ergänzen sie freilich.

    Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE vermutete Steinberg heute jedenfalls, dass "man damit rechnen muss, dass es zu weiteren Anschlägen in der Region kommen wird".
     

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