Undercover für die GVU: Interview

Dieses Thema im Forum "Netzwelt" wurde erstellt von zwa3hnn, 16. Februar 2006 .

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  1. #1 16. Februar 2006
    gulli.com spricht mit Oliver Dierks

    Sein Buch über die Undercovertätigkeit für die GVU wurde gestern auf gulli.com rezenziert, während dieser Text entstand, fand auch ein längeres Gespräch mit Dierks statt, welches Erstaunliches zu Tage förderte. Dierks, der sich mit seiner Aktion sowie der darauf folgenden Bucherscheinung wohl in allen Lagern Feinde gemacht hat, würde nach eigener Aussage auch heute wieder so handeln - dem ungeachtet sind seine Sicht aufs Netz, auf Möglichkeiten und aktuelle Vorgehensweise der GVU und anderer Interessensgruppen, die Strategien der Medienindustrie und die Frage, wer wofür im Netz verantwortlich sein soll, spannend, diskutierbar und vor allen Dingen anders, als die Buchlektüre vermuten läßt.


    Das folgende Gespräch wurde teilweise gekürzt, korrigiert und umgestellt, geführt wurde es am 14.2. per ICQ.

    Dierks zu Undercover, dem Buch, das ihn nach eigener Aussage "nicht unbedingt sehr beliebt macht" und den Reaktionen der GVU:

    Dierks: Bislang gab es weder eine offizielle noch eine inoffizielle Stellungsnahme der GVU zum Buch oder zu meinen Ausagen im Interview bei RTL bzw. RTL 2.

    Korrupt: Was ich diesbezueglich ohnehin fragen wollte: was ist eigentlich konkret dein "Feindbild", ums mal so zu nennen?

    Dierks: Ich habe kein Feindbild. Ich war Ermittler der GVU und habe für sie Aufträge erledigt, nicht mehr und nicht weniger.

    Korrupt: ich hab beim Lesen schon das Gefühl, du positionierst dich immer mal wieder doch sehr deutlich... Relativ klar wird das mit der "Geldverdienen mit Warez ist böse" - Geschichte, die meine ich recht häufig rauslesen zu können...

    Dierks: Nee, ich erzähle meine Geschichte in dem Buch und wie du vorhin richtig erwähnt hast, bekommen viele Leute ihr Fett weg - ich betrachte die Seite der sogenannten Raubkopierer wie auch die Seite der GVU.Siehst du das nicht so?

    Korrupt: Dafür find ich vieles zu wertend, wie gesagt. Dass du nichts gegen das gelegentliche was-ziehen hast, klingt einige Male an...

    Dierks: Das stimmt auch. Ich habe auch nie gegen jemanden ermittelt, der mal ab und zu files geladen hatte...

    Korrupt: ...auf der anderen Seite ist dein Enthusiasmus bzw, die Frustration nicht wirklich zu übersehen, wenn eben doch wer *nicht* hochgenommen wurde etc. Es macht nicht den Eindruck, dass es halt ein Job war, den man macht, weil man mit irgendwas seine Brötchen verdient.

    Dierks: Immer nur gegen Leute oder Gruppen, die mit der Verbreitung Geld gemacht hatten. Brötchen verdient habe ich damit nicht...

    Korrupt: *das* liest man auch gelegentlich raus, ja :eek:)

    Dierks: ca. 440 Euro brutto durchschnittlich monatlich ist nicht sehr viel...

    Korrupt: ...abgesehen von Geschenk-DVDs... wo ich mich fragte, was schenkt die GVU nem verdeckten Ermittler in ner Releasecrew ausgerechnet DVDs?

    Dierks: lol - naja, zuerst: die DVDs kamen nicht von der GVU, sondern vom Geschäftsführer der 20th Century Fox, und zweitens bekam jeder, der an der Besprechung teilnahm, diese Geschenke.

    Korrupt: Ah, i cee. Aber trotzdem mal provokant gefragt - Releasen aus "Sportsgeist" und der unumgängliche Durchsickerprozess in die fxp/P2P - Communities wären für dich kein Anlass, was zu unternehmen?

    Dierks: Solange damit weder Geld verdient wird, oder Kindern z.b. Hardcore Movies in die Hände fallen könnten, hätte ich nichts dagegen. Man kann die Szene eh nicht daran hindern, Sachen zu releasen, das geht einfach nicht - wie denn auch?

    Korrupt: Ich würd auch behaupten, die :love:geschichte ist nicht zentral/per Gesetz/per Netzinfrastruktur zu lösen.

    Dierks: ...ist sie nicht, da gebe ich dir recht, dafür sind die releaser verantwortlich.

    Korrupt: wuerde ich *auch* nicht so sehen... aber ich muss zugeben, mein Verhältnis zum Jugendschutz und seinen Internetvorstellungen ist ein sehr gespanntes. Sex kommt im Netz vor, und ich halte das für eine sehr gute Sache, und das einzudämmen, muss in meinen Augen vor Ort, d.h. jeweils daheim passieren.

    Dierks: Es wird immer Kids geben, die sich den stuff besorgen, so oder so. Und klar sollte das auch daheim passieren, aber wie? Viele Eltern wissen nicht mal, dass ihr Kind ständig im Internet Filme oder ähnliches herunterlädt. Wie auch, die meisten Eltern haben vor lauter Arbeit nichtmal mehr Zeit für ihre Kinder.

    Korrupt: Ja, aber das ist kein Problem des Internet.

    Dierks: Das sag ich auch nicht. Aber wenn solche Movies nicht released würden, könnten die Kids sie auch nicht herunterladen. Eine Lösung wird es auf absehbare Zeit auch nicht geben ...

    Korrupt: ...und es geht imo auch nicht (nur) um die einschlaegigen ****filme, sondern eben auch gerade genug andere, nicht jugendfreien Inhalte, die in meinen Augen ins Netz *gehören* und zugänglich sein müssen... aber ack, wir kommen grade auch schwer vom Thema ab :eek:)

    Dierks: lol, stimmt

    Was sind die Alternativen zur (meist erfolglosen) Strafverfolgung?

    Korrupt: Aber trotzdem nochmal wegen der Verantwortung/zentralen Steuerung usw. - wenn ich jetzt den Buchinhalt nehme und deine Statements zu Pr0n und Konsorten und kostenfreier Verteilung von Kopien, bleibt dann wirklich nur noch der Schutz der User vor Seiten/Angeboten, die Geld kosten und in rechtlichen Grau- bis Schwarzzonen operieren als das Problem, welches im Netz angegangen werden muss?

    Dierks: Du kannst im Netz nichts ändern! Willst das Internet abschalten, formatieren und neu einspielen? Das geht nicht ...

    Korrupt: Wenn *ich* das sage, leuchtet mir das ein :eek:), aber dass das von dir kommt, ueberrascht mich jetzt ein wenig.

    Dierks: Ich war 3 jahre in der Szene, habe gesehn, was da abläuft, was die Industrie und die GVU dem entgegensetzt. Wenn du eine Gruppe hochnimmst, kommen gleich 10 neue. Dagegen kommt man nicht an. Auch nicht, wenn man noch soviele Kampagnen startet.
    Wieso gehen die Leute von der GVU nicht in die Szene hinein und reden mit den Leuten? Warum kosten die Video on demand, Musik on demand-Angebote denn hier bei uns soviel Geld?

    Korrupt: Ich werd dir da definitiv nicht widersprechen. Aber was sollte die GVU deiner Ansicht nach mit den Leuten reden?

    Dierks: Sie sollte vielleicht die Leute mehr über Alternativen aufklären, sollte evtl. mal Seminare gerade für Eltern geben. Die Aufklärungsarbeit fehlt, aber das schlimmste ist, dass wirklich gute Alternativen zum kostenlosen Herunterladen von Raubkopien fehlen. Aber da könnten doch die Mitglieder der GVU mal etwas ausarbeiten, ne Filmfltrate online, Musik on demand als Flatrate etc. ...
    Die Leute müsen in sich gehen und mal nachdenken, was sie wollen.

    Korrupt: ...Wenngleich ich für mein Teil das alles nicht wirklich attraktiv finde. Ich schätze, sämtliches Zeug momentan ist durch DRM von vornerein Totgeburt.

    Dierks: Naja, wenn ich aber die Möglichkeit hätte, im Monat für 9,90 soviel Musik, wie ich möchte, aus dem Netz zu laden und das legal, dann ist das eine Alternative. Natürlich müsste man das Filmangebot attraktiver gestalten, Kinopreise senken etc.

    Korrupt: Das bietet Napster doch an :eek:)

    Dierks: aber die Teile kannste nur auf deinem Rechner abspielen, oder habe ich das falsch gelsen?

    Korrupt: Ack, ja, oder auf einem von Napster autorisierten Player, der das DRM unterstützt.

    Dierks: Ich kenne die Möglichkeiten der Industrie nicht, ich denke aber, dass die genügend Mittel hätten, um Alternativen zu schaffen. Ich denke, über Sachen, die man machen könnte, kann man lange diskutieren, aber es wird sich so nichts ändern, weil die Leute, die was ändern könnten, nicht handeln. Die denken auch nur daran, wie man aus der momentanen Lage das größte Kapital schlägt.
    Vielleicht dachte ich vor 3 Jahren wirklich, etwas bewegen zu können, aber nach dem Kenntnisstand heute ist das nicht möglich. Ich denke, die GVU weiß das auch, aber sie brauchen ja eine Daseinsberechtigung.

    Wer soll verantwortlich sein für was im Netz?

    Korrupt: Um nochmal auf die Ursprungsgeschichte zurückzukommen - würdest du heute was anders machen?

    Dierks: Nein, ich denke, ich würde wieder genauso handeln, bis auf die Tatsache, das ich niemals wieder mit Realdaten arbeiten würde.

    Korrupt: Aber warum, wenn es nach deinen Aussagen nichts bringt und das Kernproblem an sich woanders liegt?

    Dierks: Ich habe ja auch gegen Firmen ermittlelt, die nicht nur mit den Plagiaten ihr Geld verdient hatten, allein um gegen diese Leute vorzugehen, würde ich es wieder genauso machen.

    Korrupt: Ich glaube, *da* kommen wir nicht auf einen Nenner :eek:)

    Dierks: Naja, ich denke, das ist auch nicht Sinn der ganzen Sache, oder?

    Korrupt: Ernsthaft, ich seh das Problem, aber da bin ich schlicht derbe auf dem Standpunkt, man muss wissen, wohin man klickt. Es gibt ne ganze Latte Geschäftsmodelle, die ich unter moralischen Gesichtspunkten für kritisierbar halte, aber es braucht schlicht auch die Leute, die das dann nutzen. Siehe auch die Spamproblematik - die funktioniert, weil es Leute gibt, die von den entsprechenden Anbietern was *kaufen*.

    Dierks: Und solche Leute wird es immer geben, du kannst die Menschen nicht umbiegen.Wenn die Leute ihr Zeugs nur für sich herunterladen würden und niemanden davon erzählen oder den Stuff weiterverkaufen würden, dann wäre das Problem auch nicht so groß. Ich denke da auch an die Seiten wie xrel oder damals vcd germany etc. - wenn es solche Seiten nicht geben würde, wüssten die Leute nicht, was gerade released würde, und dann würden sie es sich auch nicht so einfach besorgen. Jeder sieht, was es gibt und will es haben. Der Mensch will doch erst alles haben, nachdem er von dem Gut weiß. Was er nicht kennt, braucht er auch nicht... klar, oder?

    Korrupt: Bei Szenereleases ist es böse und bei den Markenklamotten erwünscht ;o)

    Dierks: jo

    Lose Enden

    Korrupt: Was mir *sehr* grosse Zahnschmerzem nachte, was der Linux-Seitenhieb irgendwann zwischenrein, wo ich auch nicht wirklich wusste, meint er das ernst? Die Geschichte mit dem angemieteten Microsoft-2003-Server, auf dem man dann keine "raubkopierte" SW installieren konnte...

    Dierks: lol, ich hatte keine Ahnung von der Installtion eines FTP Servers, das habe ich immer Leuten aus der Szene überlassen...

    Korrupt: Ja, aber das muss man doch so nicht schreiben :eek:)

    Dierks: es war tatsächlich so, dass die mir gesagt haben, das es nicht funktioniert

    Korrupt: ja, aber die Erklärung ist imo schwer unglücklich.

    Dierks: Als ich das Buch fertig hatte, waren es mehr als 700 Seiten! Da es zu teuer geworden wäre, musst ich es auf 450 Seiten kürzen, da habe ich einige Sachen herausgenommen, vielleicht hätte ich die Sache mit dem Server besser erklären können oder herausnehmen... naja, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, das war mein erstes Buch und ich hatte es in weniger als 4 Monaten geschrieben. Das nächste wird beser, lol

    Korrupt: Eine Frage, die ich noch unabgehakt hab :eek:) - *hat* es Methode, dass du fast immer "Plagiate" schreibst? Die "Raubkopierer gibt es nicht" - Diskussion vermeiden o.ä.?

    Dierks: Gefällt mir besser als Raubkopien, mehr nicht.

    Korrupt: Mich hatte es einfach gewundert, richtig treffen tuts der Begriff ja auch nicht, damit assoziiere ich minderwertigen Abklatsch. Der Vorwurf ist ja immer grade der, dass heute Kopie -> digitale, verlustfreie Kopie.

    Dierks: Es kommt wahrscheinlich daher, dass der Begriff immer in den Berichten der GVU verwendet wurde.

    Korrupt: Du oder auch die GVU? Die reden intern *nicht* von Raubkopie?

    Dierks: In den Berichten für die GVU habe ich ihn verwendet und der Ermittler von denen auch. Die Berichte gehen vom Ermittler über die Rechtsabteilung der GVU an die Ermittlungsbehörden. Wahrscheinlich ist das amtsdeutsch und wird daher so oft benutzt.
    Und was ist deine persönliche Meinung zum Buch?

    Korrupt: Wie gesagt - imo geht das, was du hier sagst, nicht richtig mit dem Buchinhalt zusammen. Vom Inhalt her ist das ein feiner Einblick, aber ich weiss nicht, ob *die* message rüberkommt, die du jetzt im Gespräch vertrittst.

    Dierks: Menschen ändern sich, die Ansichtspunkte auch, nach dem Buch ist viel pasiert. Aber zu dem, was ich geschrieben habe, stehe ich nach wie vor.

    Korrupt: Andersrum gefragt, was hälst du von gulli?

    Dierks: Eine meiner Lieblingseiten im Netz, es vergeht kein Tag, an dem ich nicht bei euch rumstöbere.

    Korrupt: Warum?

    Dierks: Wenn man Infos zu Sachen aus der Szene sucht, egal was, geh aufs gulli board. Wenn ihr euch mit heise zusammen tun würdet, könnte es keine bessere Seite im Netz geben.

    Oliver Dierks (Nickname: "Prophi")
    "Undercover" Monsenstein und Vannerdat 2005
    Paperback, 447 Seiten, 20,80 Euro
    Webseite: www.undercover.6x.to


    quelle: gulli untergrund news
     

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  3. #2 17. Februar 2006
    dieser Oliver Dierks klingt nicht sehr ueberzeugend und seine argumente sind nicht gut durchdacht. auserdem beantwortet er manche fragen nur teilweise oder ueberhaupt nicht
    meiner meinung nach ist dieser typ nur geld- und aufmerksamkeitsgeil
     

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