Verkehrsminister sagt Funklöchern den Kampf an

Artikel von Fabiane Herbst am 4. April 2018 um 16:12 Uhr im Forum Netzwelt - Kategorie: Technik

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Verkehrsminister sagt Funklöchern den Kampf an

4. April 2018   Fabiane Herbst   Kategorie: Technik
Geht es nach Deutschlands neuem Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sollen die weißen Flecken im Bereich der Netzabdeckung im Mobilfunk-Bereich bald der Vergangenheit angehören. Der Minister will sich dafür einsetzen, dass die Abdeckung deutlich verbessert wird und das Bereiche, in denen es kein Mobilfunk-Netz gibt, der Vergangenheit angehören. Dazu möchte er sich unter anderem mit den großen Netzbetreibern Telekom, Vodafone und O2 zusammen setzen und auf einem „Mobilfunk-Gipfel“ besprechen, wie man Funklöchern begegnen kann.

mobilfunk-mast-funkloch.jpg


Die Welt zitiert den Minister wie folgt:
Wir werden eine App entwickeln, die nach dem Modell von Staumeldern funktionieren soll“, sagte der Minister. Über diese App könnten die Bürger melden, wenn sie in ein Funkloch gerieten. So könne „die Jagd auf die weißen Flecken im Mobilfunknetz eröffnet“ werden, sagte Scheuer. Auf der Grundlage dieser Informationen könne die Regierung mit den Mobilfunkanbietern darüber sprechen, wo weitere Sendemasten aufgestellt werden müssten.


Wie meldet man ein Funkloch ohne Funknetz-Versorgung?


Das liest sich schon beim ersten Mal recht merkwürdig. Wie soll man ein Funkloch melden, wenn man gerade in einem Funkloch steckt und damit gar keinen Internet-Zugang hat? Bei einem Staumelder ist das anders – da hat man natürlich meistens Netz, kann aber mit dem Auto nicht weiter fahren. Damit würde die Meldung also trotzdem funktionieren. Bei einem Funkloch-Melder klappt das aber nicht, da ein Funkloch sich eben darüber definiert, das kein Mobilfunk-Empfang möglich ist. Eine mobile Meldung eines Netzes, das nicht vorhanden ist, lässt sich daher so einfach nicht realisieren.


Es bestände natürlich die Möglichkeit, hier technisch nachzuarbeiten. Man kann sich zum Beispiel vorstellen, dass die Meldung nicht direkt abgesendet wird (was mangels Netz auch gar nicht möglich wäre) sondern lokal auf dem Gerät gespeichert wird. Sobald wieder Netz zur Verfügung steht, wird sie dann an den Server der App übertragen. Auf diese Weise könnte man Funklöcher melden auch wenn dort kein Netz vorhanden ist. Allerdings lassen sich aktuellen Verlautbarungen aus der Politik bisher nicht darauf schließen, dass man diesen Vorgang technisch bereits durchdacht hätte.


Wie sieht die Praxis aus?


Tatsächlich sind die Erfolge der Politik beim Netzausbau sowohl im Kabel-Bereich als auch bei der mobilen Datenübertragung eher gering. So sollte der Netzausbau mit LTE eigentlich erst beginnen, wenn die Funklöcher geschlossen sind. Das war die Vorgabe bei der Versteigerung der entsprechenden Frequenzen. Offensichtlich hat dies aber nicht so gut geklappt, denn der LTE Netzausbau ist im vollen Gange, obwohl nach wie vor noch Funklöcher zu finden sind. Selbst bei den eigentlich gut versorgten D1 Tarifen im Telekom Netz gibt es diese Probleme.


Auch bei den kabelgestützten Internet-Anschlüssen gibt es diese Schwierigkeiten. Die Probleme im DSL Bereich sind mittlerweile so gravierend, dass die Bundesnetzagentur eine eigene Messkampagne gestartet hat, um zu dokumentieren, wie die Geschwindigkeiten im Festnetz- und Kabelbereich abweichen und im Netz findet man immer wieder Ratgeber und Hinweise, wie man den eigenen Internet Anschluss schneller machen kann bzw. was bei zu langsamen Verbindungen zu tun ist. Kunden haben in solchen Fällen kaum Chancen auf schnelleres Netz, denn in der Regel bietet die Konkurrenz auch keine besseren Verbindungen an – wie auch, denn in den meisten Fällen wird ohnehin das Telekom Kabel-Netz genutzt und damit sind die Geschwindigkeiten und auch die Netzqualität in vielen Fällen identisch.


Vor dem Hintergrund dieser Geschichte bleibt es also sehr fraglich ob der neue Verkehrsminister mit seinen Plänen wirklich den großen Wurf landen wird oder ob von der (an sich natürlich sehr guten) Idee in einigen Monaten kaum noch etwas zu hören sein wird. Wir werden es in Laufe des Jahres erfahren.
 

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