Wie funktioniert unsere Verdauung? Ein Blick in den Magen-Darm-Trakt

Artikel von Fabiane Herbst am 2. November 2019 um 12:58 Uhr im Forum Gesundheit & Körperpflege - Kategorie: Ratgeber & Wissen

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Wie funktioniert unsere Verdauung? Ein Blick in den Magen-Darm-Trakt

2. November 2019     Kategorie: Ratgeber & Wissen
Im Laufe seines Lebens isst ein durchschnittlicher Mensch das Gewicht von 5 Elefanten. Das ganze Essen gelangt durch den kompletten Magen-Darm-Trakt und durchläuft dabei viele Stationen mit einzigartigen Bedingungen. Doch wie funktioniert unsere Verdauung wirklich? Schauen wir uns den Magen-Darm-Trakt heute mal etwas genauer an.
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Der heutige Beitrag ist ein Gastartikel von Martin Auerswald. Martin ist studierter Biochemiker und hat als Wissenschaftler in einer gastroenterologischen Klinik gearbeitet. Auf SchnellEinfachGesund und Primal-State gibt er heute wissenschaftlich fundierte Tipps weiter, mit denen sich jeder ganz einfach einen gesunden Alltag aufbauen kann.



Der Magen-Darm-Trakt des Menschen: Ein Meisterwerk!


Der Mensch ist ein Omnivor, ein Allesesser. Dementsprechend vielseitig, flexibel und zielgerichtet ist unser Verdauungstrakt auch aufgebaut.

Insgesamt ist besonders der Darm ein Organ der Superlative: 10-12 Meter lang, mit einer inneren Oberfläche von fast 200 m2, mit 30 Billionen Mikroorganismen. Das Schockierende: Bei all der Größe und Verantwortung ist die Darmschleimhaut nur wenige Tausendstel Millimter dick. Das macht sie auch angreifbar.

Mit einer ungesunden Ernährung mit reichlich verarbeiteten Nahrungsmitteln und Zusatzstoffen kann der Magen-Darm-Trakt längerfristig gefährdet werden. Viele chronische Erkrankungen, darunter Autoimmunerkrankungen, Typ 2 Diabetes, Bluthochdruck, Fettleber und Depressionen hängen mit der Darmgesundheit zusammen.

Eine gesunde Ernährung und eine natürliche und stressreduzierte Lebensführung ist daher absolut notwendig, um chronischen Erkrankungen vorzubeugen und ein Leben lang eine gesunde Verdauung zu erhalten.

Doch in diesem Beitrag soll es um den Aufbau des Magen-Darm-Traktes und seine verschiedenen Aufgaben gehen:



Die Stationen des Magen-Darm-Traktes im Detail


Stell dir jetzt einmal vor, du bist ein Wurstbrot. Dabei ist völlig egal, welche Wurst – wonach dir gerade ist. Bist du Vegetarier? Dann stelle dir eine Käsescheibe vor.

Wir gehen jetzt zusammen durch den kompletten Magen-Darm-Trakt und du wirst sehen, was mit dem Wurstbrot während der Verdauung passiert:



Mund
Im Mund wird das leckere Wurstbrot/Käsebrot mechanisch zerkleinert. Gleichzeitig produzieren die Speicheldrüsen ein Sekret, das das Essen „einspeichelt“ und nässt und enthält erste Enzyme, die mit dem Abbau der Makronährstoffe beginnen.

Das Enzym Amylase etwa ist enthalten, es spaltet Stärke (Kohlenhydrate) in Traubenzucker auf. Kaue mal für 3 Minuten auf einer Scheibe Brot. Du wirst merken, dass es mit der Zeit süß wird.

Der eingespeichelte Nahrungsbrei wird nun weitergegeben:




Speiseröhre
Die Speiseröhre ist der Verbindungskanal zwischen Mund und Magen. Hier sitzen zudem viele Nervenbahnen. Sie detektieren noch vor dem Magen, ob sich Krankheitserreger oder Giftstoffe im Nahrungsbrei befinden.




Magen
Der Magen hat genau zwei Aufgaben: Töten und Zerstören. Denn das Innere des Magens ist dank der Magensäure sehr stark sauer. Fast so sauer wie eine Autobatterie, mit einem pH-Wert von 2. Die Magensäure besteht aus Salzsäure und antibakteriellen Proteinen.

Die Magenwand wird mit einer dicken Schleimschicht von der Magensäure geschützt. Bei einer Magenentzündung oder einer Gastritis (bei der Bakterien Löcher in die Schleimschicht bohren) trifft die Magensäure auf die Magenwand. Das kann gefährlich werden.

Dank der Magensäure werden Krankheitserreger im Nahrungsbreit schnell und zuverlässig abgetötet. Parasiten, Mikro-Pilze und Bakterien gehören dazu. Nur wenige Mikroorganismen überleben die Magenpassage und können im Darm überhaupt noch wirken.

Die Säure führt außerdem dazu, dass große Moleküle im Nahrungsbrei, wie Stärke und Proteine, ihre 3D-Struktur verlieren und sich auffalten wie eine Perlenkette, die lang gezogen wird.

Ohne einen gut arbeitenden Magen besteht die Gefahr, dass der Darm von schädlichen Mikroorganismen überbesiedelt wird und die Nahrung nicht mehr gut verdaut werden kann.

Entsprechend kritisch sind auch Ernährungskonzepte zu sehen, die rein auf „Basen“ basieren und bei denen man sich täglich viele reine Basen wie Natron einverleibt, um den Körper „basisch zu machen“. In erster Linie wird dabei die eigene Gesundheit sabotiert.

Der saure und sterile Nahrungsbrei wird nun weitergereicht:




Zwölffingerdarm
Der Zwölffingerdarm ist genau zwischen Magen und Darm. Er ist breit wie zwölf Finger und hat daher seinen Namen. Hier wird der saure Nahrungsbreit mit Enzymen aus der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) vermischt. Diese Enzyme wirken im Dünndarm.

Außerdem wird hier ein Stoff namens Bikarbonat zum Nahrungsbreit gegeben, um die Magensäure zu neutralisieren. Andernfalls könnte die Säure im Darm zu Problemen führen.

Um später die Fette aufnehmen zu können, kommt hier auch die Galle ins Spiel: Die Galle wird in der Leber produziert und in der Gallenblase gespeichert. Die enthaltenen Gallensäuren und Gallensalze lösen später die Fette und befördern sie in den Blutkreislauf.




Dünndarm
Der Dünndarm ist der längste Abschnitt des Magen-Darm-Trakts. Bei einem Erwachsenen nimmt er eine Länge von 8-10 Metern und damit auch entsprechend viel Platz im Bauchraum ein.

Dank verschiedener Faltungen ist der Dünndarm innen stark gewölbt und hat eine große Oberfläche. Dank dieser großen Oberfläche, die einem halben Fußballfeld entspricht, können die Nahrungsbestandteile so gut in den Körper aufgenommen werden.

Die Enzyme aus dem Pankreas arbeiten im Dünndarm und bauen Proteine und Kohlenhydrate in ihre Einzelbestandteile – Aminosäuren und Glukose – ab. Über die Dünndarm-Schleimhaut werden diese dann in den Blutkreislauf aufgenommen.

Die Gallensalze haben mittlerweile das Fett aus der Wurst und der Butter gelöst und befördern diese auch in den Blutkreislauf.

Vitamine, Nährstoffe, Salze, sekundäre Pflanzenstoffe und besonders Wasser werden auch über den Dünndarm aufgenommen.

Diese ganzen Prozesse klingen recht einfach und unspektakulär. Sie sind allerdings der Grund, warum der Dünndarm so lang ist. Besonders die eiweißreiche Kost des Menschen (von Natur aus ein Fleischfresser) ist schwer verdaulich und es dauert bis zu 2 Tage, bis ein Lachsfilet komplett verdaut wurde.

Aber es lohnt sich – und am Ende des Dünndarms ist vom Wurstbrot nur noch ein Fasergemisch übrig. Die Ballaststoffe.



Dickdarm
Der Dickdarm ist nur 1-2 Meter lang und damit sehr viel kürzer als der Dünndarm. Aber er ist sehr viel dicker und beherbergt an die 30 Billionen Mikroorganismen. Diese Mikroorganismen, überwiegend Bakterien, verdauen das, was nach dem Dünndarm noch übrig ist. In erster Linie Ballaststoffe.

Jedes Bakterium stürzt sich dabei auf einen anderen Faserstoff. Die Bakterien, die wir als „gut“ bezeichnen (z. B. die Milchsäurebakterien), bauen die Ballaststoffe in Stoffe ab, die der Körper aufnehmen und verwerten kann. Dazu gehören kurze Fettsäuren, aber auch Vitamine wie Vitamin K2, Vitamin E und andere interessante Stoffe.

Kommen zu viele „schlechte“ Bakterien im Dickdarm vor, produzieren diese Stoffe, die unserem Körper auf Dauer schaden können. Oder noch schlimmer: Sie nisten sich selbst in die Schleimhaut des Dickdarms ein und versuchen, den Körper zu infizieren.

Durchfallerkrankungen sind eine Schutzreaktion unseres Körpers darauf, dass Krankheitserreger die Darmschleimhaut befallen.

Wie hast du in der Hand, welche Bakterien im Darm vorkommen?

  • Präbiotika: Das sind Ballaststoffe. Je nachdem, wie viele und welche Ballaststoffe du isst, beeinflusst du auch, welche Bakterien im Darm wachsen und gedeihen. Je natürlicher und gesünder eine Ernährung, desto besser.

  • Probiotika: Über die Nahrung gelangen Bakterien in den Darm. Probiotische Nahrungsmittel wie Naturjoghurt, milchsaures Gemüse (Sauerkraut, Kimchi), Kefir, Kombucha und Apfelessig liefern diese Mikroorganismen.
Fehlt nur noch einer: Der After.




After
Über den After werden alle nicht-abbaubaren Faserstoffe, Giftstoffe, Gallensalze und tote Bakterien ausgeschieden. Der Kot ist so braun, weil er zu 50 % aus Bakterien besteht, und die sind überwiegend bräunlich.

Die Stuhlqualität hängt in erster Linie von der Ernährung ab: Je gesünder und ballaststoffreicher, desto besser ist auch der Stuhl. Besser in dem Sinne, dass er regelmäßig ist, nicht weh tut, das Geschäft zügig verrichtet wurde und wenig „geputzt“ werden muss.

So kann im Grunde jeder Mensch schnell und einfach überprüfen, wie gut es dem Darmtrakt geht. An der Stuhlqualität.



Weitergedacht: Leber, Galle und Pankreas


Das war im Grunde der komplette Magen-Darm-Trakt. Du weißt nun, wie die Verdauung funktioniert und was passiert, wenn wir essen.

Indirekt hängen auch Leber, Galle und Pankreas mit an der Verdauung. Sie produzieren Stoffe, die die Nahrung mit-verdauen. Und die Leber ist sozusagen der Türsteher, der alles kontrolliert, was der Darm aufnimmt.

Über unsere Ernährung haben wir selbst in der Hand, wie gut unsere Verdauung funktioniert und wie gut der Körper mit Nährstoffen versorgt wird.

Gesunde Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Beeren, Bio-Fleisch, Fisch aus Wildfang, Grüntee, Nüsse und Samen wie Leinsamen, gesunde Fette und Öle wie Leinöl, Naturjoghurt und Sauerkraut – das alles beeinflusst, wie es uns innerlich geht und wie der Stoffwechsel mit Bausteinen versorgt wird.




Fazit – Der Magen-Darm-Trakt im Fokus
Unser Magen-Darm-Trakt ist wahrlich faszinierend und einzigartig, wenn wir mit der Lupe darüber sehen. Er leistet viel – jeden Tag, unser Leben lang.

Doch es bedarf auch unserer Mithilfe, damit der Magen-Darm-Trakt auch das bekommt, was er benötigt, und um ihn lange fit zu halten.

Denn wie sagte schon Hippokrates vor 2500 Jahren: Alle Krankheit beginnt im Darm.

Hoffen wir, dass es bei dir nicht so sein wird.
 

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