Yahoo am Scheideweg

Dieses Thema im Forum "Netzwelt" wurde erstellt von rainman, 21. Juni 2007 .

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  1. #1 21. Juni 2007
    Über mangelnde mediale Aufmerksamkeit braucht sich Yahoo derzeit nicht zu beklagen. Nach dem Abgang von Terry Semel und der Übernahme seines CEO-Postens durch "Chief Yahoo" und Gründer Jerry Yang schaut die Branche gebannt auf den behäbigen Internetriesen. In welche Richtung bewegt sich das Schlachtschiff, das den Kampf um den Suchmaschinenmarkt gegen den nicht weniger großen, aber agileren Konkurrenten Google längst verloren zu haben scheint? Mit dieser Frage beschäftigt sich nicht nur die Wall Street.

    Für die Experten an den Finanzplätzen ist klar, dass sich das Unternehmen an einem kritischen Punkt seiner Firmengeschichte befindet. Die nächsten Entscheidungen, der jetzt eingeschlagene Weg werden von entscheidender strategischer Bedeutung sein. Die Hoffnungen ruhen dabei auf Mitgründer Jerry Yang, der das Unternehmen aufgebaut, aber nie als CEO geführt hat. Eine seiner ersten und dringlichen Aufgaben wird sein, den vakanten und einflussreichen Posten des Technikchefs so schnell wie möglich mit einem kompetenten Kopf zu besetzen. Als Kandidat für den CTO gilt David Filo, der Yahoo vor zwölf Jahren mit Yang gegründet hatte.

    Das Bild zweier strahlender Gründer, wiedervereint an der Spitze eines – trotz der Tumulte der vergangenen Monate – recht erfolgreichen Internetunternehmens, ist für einige Branchenkenner so gut wie ein "For Sale"-Schild im Vorgarten. Der Investor Paul Kedrosky gab gegenüber der New York Times die Prognose ab, "Yahoo wird in zwölf Monaten kein unabhängiges Unternehmen mehr sein". Schon werden mögliche Szenarien durchgespielt: Ein Investmentfond? Ein Netzbetreiber? Microsoft? Oder doch Rupert Murdoch, der gerade für ein Viertel der Yahoo-Anteile sein Community-Portal MySpace und ein paar Dreingaben in die Waagschale geworfen hat?

    Einen ganz anderer Ansatz wäre die Auslagerung des Suchmaschinengeschäfts. Soll Google die Suche und Vermarktung bei Yahoo übernehmen, dann kann sich das Unternehmen auf das Portalgeschäft und den Aufbau erfolgreicher Web-2.0-Ventures konzentrieren, ein Feld, auf dem Yahoo noch etwas unbeholfen herumhoppelt. Einer von Semels Fehlern sei gewesen, die Bedeutung des Suchmaschinengeschäfts und Googles Aufstieg unterschätzt zuhaben, glauben Finanzexperten. Während es durchaus Stimmen gibt, die jetzt einen kompletten Strategiewechsel befürworten, halten einige Analysten das für nicht geboten. Sie warten lieber ab, ob das neue Anzeigensystem "Panama", im Herbst 2006 mit einiger Verspätung gestartet, den Abstand zu Google verkleinern kann.

    Das ebenso teure wie Kräfte zehrende Projekt Panama jetzt in die Tonne zu treten und die Suchvermarktung an Google auszulagern sei derzeit keine Option, bekräftigte eine Sprecherin gegenüber der NYT: "Wir haben viel in die Suche investiert." Yahoo habe vor, auch weiterhin eine große Nummer im Such-Business zu bleiben. Doch wird über die Zukunft dieses Kerngeschäftsbereichs offenbar auch an der Yahoo-Führungsspitze diskutiert. Panama soll jetzt für ordentliches Umsatzwachstum sorgen. Das System funktioniere gut, verriet eine ungenannte Führungskraft der NYT, die Abgabe des Geschäfts an Google stehe derzeit nicht zur Debatte. Doch werde beobachtet, ob sich der Abstand zum Marktführer in den kommenden zwei oder drei Quartalen substanziell verringern wird. Dann könnte das Thema durchaus wieder auf die Tagesordnung kommen.

    Mit dem Abschied vom Suchmaschinengeschäft müsste sich Yahoo auf andere Bereiche konzentrieren. Geschäfte, mit denen sich Yahoo von Google absetzen und unabhängiger machen könnte. Terry Semel war als Hollywood-Mann geholt worden, um genau solche Geschäftsmodelle zu entwickeln. Wie Lloyd Braun, der für interaktive Videodienste an Bord geholte ehemalige CNN-Manager, scheiterte Semel auch an den komplizierten internen Abläufen und dem Kompetenzgerangel der Abteilungen. Doch kam mit Semel nicht die erhoffte Disziplin und Effizienz, stattdessen war das Unternehmen oft zu zaghaft und zu spät dran.

    Beim großen Thema Web 2.0 rennt Yahoo der Konkurrenz hinterher. Trotz prominenter Übernahmen wie die von Flickr und de.licio.us hatte Yahoo Probleme mit der Integration neuer Dienste, die teilweise mit Eigenentwicklungen konkurrierten. Bei der Lokalisierung von Flickr erlebt Yahoo derzeit die Schattenseiten des Community-Geschäfts. Die deutsche Flickr-Gemeinde meutert, weil sie sich nicht bevormunden lassen will. In einer heute mit einiger Verspätung veröffentlichten Erklärung rudert das Unternehmen halb zurück und beruft sich auf den deutschen Jugendschutz.

    Yahoo braucht etwas wie FaceBook und YouTube, meinen von CNet News befargte Analysten. Die jüngste Akquisition des Unternehmens fällt nicht gerade in diese Kategorie. Das Online-Netzwerk für College- und High-School-Sport, Rivals.com, geht für vermutlich rund 100 Millionen US-Dollar an Yahoo und soll das Sportangebot des Unternehmen ergänzen. Rivals.com ist weniger Web 2.0 als ein klassischer Content-Anbieter. Beobachter sehen in dem Kauf deshalb auch ein Bekenntnis zur Mediengruppe, über deren Zukunft nach Brauns Abgang im Dezember immer spekuliert wurde. (vbr/c't)

    Quelle:http://www.heise.de/newsticker/meldung/91551
     

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