Glyphosat: Eine unerwartete Entdeckung
Die Fragestellung, wie Glyphosat in unsere Gewässer gelangt, bleibt komplex. Proben aus Seen und Flüssen zeigen signifikante Mengen dieses Stoffes. Die Verteilung der Spuren legt nahe, dass eine saisonale Verlagerung nicht typisch ist. Wenn Glyphosat tatsächlich aus der Landwirtschaft stammen würde, wären saisonale Höhepunkte im Frühjahr und Herbst zu erwarten. Die aktuelle Datenlage widerspricht dieser Annahme und fordert nachfolgende Untersuchungen heraus.
Glyphosat: Potenzielle Gesundheitsrisiken und Umweltbelastungen
Der Streit um Glyphosat ist unverkennbar und von zahlreichen Kontroversen geprägt. Einige wissenschaftliche Untersuchungen hinterfragen seine Sicherheit und postulieren ein krebserregendes Potenzial. Das Bundesamt für Risikobewertung, kurz BfR, begegnet dieser Einschätzung allerdings skeptisch. Zudem gibt es Bedenken, dass Glyphosat aquatische Organismen erheblich schädigen könnte. Eine Studie über Bachforellen hat bereits Auswirkungen auf ihr Darmmikrobiom festgestellt. Das könnte weitreichende Folgen für die Fischpopulationen und die gesamte aquatische Umwelt haben.
Spurensuche in der Kläranlage von Erlangen
Im Rahmen ihrer Forschung begibt sich das Team nach Erlangen. Dort wurden umfassende Proben in der modernen Kläranlage genommen. Die Untersuchungen konzentrierten sich auf die biologischen Becken und den Faulturm. Auch der Zufluss des Abwassers aus der Stadt wurde getestet, ebenso wie das umliegende Gewässer, der Fluss Regnitz. Ziel der Analyse war es, den Pfad von Glyphosat in die Natur nachzuvollziehen und so präzise wie möglich zu ermitteln, woher dieser Stoff in die Umwelt gelangt.
Waschmittel als Hauptverursacher für Glyphosat in der Umwelt
Die Untersuchungen zeigen alarmierende Resultate: In der biologischen Klärstufe befinden sich täglich bis zu 150 Gramm Glyphosat. Solch eine Menge reicht aus, um Unkraut über eine Fläche von 1.000 Quadratmetern zu vernichten. Diese Glyphosatmengen verweilen für zehn bis dreißig Tage in der Kläranlage, bevor sie ins Regnitz-Abwasser abgeleitet werden. Auf eine Schätzung hochgerechnet gelangt jährlich eine Menge von etwa 60 Ein-Liter-Kanistern in die Umwelt. Die Analyse von Huhn weist darauf hin, dass der entscheidende Anteil des Glyphosats nicht landwirtschaftlichen Ursprungs ist. Vielmehr ist der Waschmittelzusatz DTPMP verantwortlich. Dieser Zusatz ist vor allem in flüssigen Waschmitteln, Gel-Tabs sowie Mikroperlen verbreitet. DTPMP wird auch in der Industrie genutzt und dient hauptsächlich als Entkalker. Die chemische Struktur von Glyphosat weist Ähnlichkeiten zu DTPMP auf, was die Bildung von Glyphosat im belebten Klärbecken ermöglicht.
Neue Empfehlungen des Umweltbundesamtes zu DTPMP
Eine erneute Stellungnahme des Umweltbundesamtes gibt Aufschluss über die gesundheitlichen Risiken von DTPMP im Trinkwasser. Obwohl der benannte Wert nicht als offizieller Grenzwert gilt, zwingt er Kläranlagenbetreiber dazu, bei Nichterfüllung zu handeln. Ein Rückzug einer früheren Stellungnahme durch den Verband der Waschmittelhersteller IKW belegt die brisante Situation. Carolin Huhn erkennt in den neusten Daten einen signifikanten Anteil von DTPMP als Ursprung des Glyphosats in der Natur.
Schwierigkeiten beim Verzicht auf DTPMP für Verbraucher
Laut Jörg Drewes sind umweltfreundliche Alternativen zu DTPMP verfügbar—der Verzicht auf diesen Zusatz gestaltet sich jedoch äußerst mühsam. Verbraucher stehen vor der Herausforderung, Waschmittel zu finden, die statt DTPMP biologisch abbaubare Inhaltsstoffe enthalten. Oftmals sind solche Informationen nicht klar auf den Verpackungen deklariert, was den Auswahlprozess erschwert.