Die Anfänge der Nanomedizin in Erlangen
In einem unscheinbaren Gebäude der Universitätsklinik schlägt der Puls einer medizinischen Revolution. Forscher entwickeln neuartige Nanopartikel aus Eisen. Ihre Größe? Nur einige Millionstel Millimeter. Ein zentraler Bestandteil beherbergt eine spezielle Schicht. In dieser Schicht werden Wirkstoffe gelagert. Ein Magnet zieht diese Eisen-Nanopartikel an und ermöglicht eine präzise Bekämpfung von Krebs.
Klinische Erprobung noch ausständig
Der Prozess ist einfach, aber clever. Zuerst werden die Nanopartikel zusammen mit einem Medikament in die Blutbahn injiziert. Im Anschluss kommt ein Katheter ins Spiel. Dieser bringt die Partikel in die Nähe des Tumors. Anschließend bewegen sich die Partikel in den Blutgefäßen frei. Bei einer bösartigen Geschwulst wird ein Magnet außen am Körper positioniert. Er zieht die Nanopartikel direkt zu den Krebszellen. Der mitgeführte Wirkstoff attackiert gezielt die Erkrankung. Das gesunde Gewebe bleibt dabei unberührt. Trotz guter Resultate zeigen bisherige Versuche nur Ergebnisse an Tieren – die klinischen Tests am Menschen stehen noch aus.
Visionäre Ansätze für eine Therapie ohne Nebenwirkungen
Der nächste Schritt ist ein klinischer Test, der am Menschen durchgeführt werden soll. Professor Christoph Alexiou und sein Team forschen seit vielen Jahren im Bereich der Nano-Medizin. Laut Alexiou ist ihr Ziel klar: Ein großes Zentrum mit Leuchtturm-Charakter soll entstehen. Um Patienten eine Therapie ohne Nebenwirkungen zu ermöglichen, ist einiges an Arbeit nötig. Die Ambitionen sind hoch gesteckt.
Krebszellen visuell erfassen
Eine weitere innovative Anwendung wird von Roland Nagy und seinem Team im Kellerlabor entwickelt. Nagy hat Sensoren konstruiert, die es ermöglichen, einzelne Krebszellen im menschlichen Körper sichtbar zu machen. Dazu werden die nanostrukturierten Partikel so bearbeitet, dass sie spezifisch an bösartige Zellen haften. Auf dem Bildschirm erscheinen Tumorzellen dann als farbige Punkte – eine bahnbrechende Entwicklung im Bereich der Präzisionsmedizin.
Erlangen an der Spitze der Forschung
Die Universität Erlangen zählt zu den führenden Institutionen weltweit im Bereich der Nanomedizin. Nagy hebt hervor, dass die Kombination von Quanten-Sensorik und Nanomedizin in Erlangen eine einmalige Forschungsgrundlage bietet. An vielen anderen Orten gibt es diese spezielle Symbiose nicht.
Automatisierte Tumorsuche im Fokus
Die Grundlagenforschung von Nagy hat ein klares Ziel – die Verbesserung der Tumorentfernung im OP. Professorin Sarina Müller, Leiterin der Erlanger HNO-Klinik für Kopf- und Halschirurgie, betont, dass es wichtig ist, im OP genau zu wissen, ob ein Tumor vollständig entfernt wurde. Gewebeuntersuchungen sind derzeit oft zeitaufwendig. Automatisierte Verfahren könnten die Tumordiagnose schneller und effizienter gestalten – ein echter Vorteil für die Patienten.
Pläne für ein Zentrum der Nano-Medizin werden konkret
Um das Vorhaben Wirklichkeit werden zu lassen, müssen die Forscher aus beengten Laborräumen heraus. Professor Alexiou hat bereits Skizzen für einen Neubau eines Nano-Medizin-Zentrums erstellt. Der geschätzte Kostenrahmen liegt bei rund 100 Millionen Euro. In diesem neuen Zentrum würden Biologen, Mediziner und Pharmazeuten interdisziplinär zusammenarbeiten. Die Schätzung geht von 50 bis 100 Mitarbeitern aus. Sie sind entscheidend dafür, dass die Nano-Therapie sowie die Nano-Diagnostik in der klinischen Anwendung erfolgreich werden.
Hoffnung auf Fördermittel aus der High-Tech-Agenda
Aktuell spielt sich das Geschehen im Hinterhof-Gebäude ab – der Magnetroboter ist in Arbeit. Professor Alexiou hat bereits einen Förderantrag im Rahmen der High-Tech-Agenda Deutschland eingereicht. Sollte es zu einer Bewilligung kommen, könnte das Nano-Zentrum innerhalb von zwei Jahren fertiggestellt werden – die genaue Lage auf dem Universitätsgelände in Erlangen ist noch ungeklärt.
- Nanopartikel mit Eisenkern und schützender Schicht lagern Wirkstoffe
- Magnetische Steuerung lenkt Teilchen direkt zu Krebszellen
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- Zentrum für Nano-Medizin soll interdisziplinär Biologen Mediziner Pharmazeuten bündeln
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Quelle: www.br.de