Astronauten im All: Sind sie überflüssig geworden?

Die Artemis II Mission - Rückkehr der US-Astronauten in die Mondregion - steht vor Herausforderungen. Kritiker fordern von NASA, die Crew aus Sicherheitsgründen von dem Flug zu nehmen. Und die größere Frage erhebt sich – warum brauchen wir überhaupt Astronauten?

Astronauten im All: Sind sie überflüssig geworden?

von   Kategorie: Wissenschaft
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Das Artemis-Programm, welches eine permanente menschliche Präsenz der USA auf dem Mond einrichten will, hat bislang 93 Milliarden Dollar Steuergelder gekostet. Ein einziger unbemannter Flug um den Mond – das ist die Bilanz. Dennoch soll die Orion-Kapsel mit ihrer Besatzung von vier Personen im März dieses Jahres frühestens starten. Das ist jedenfalls der Plan.

Sicherheitsbedenken über die Orion-Kapsel


Neben den Verzögerungen beim Start und den Kostenüberschreitungen gibt es Bedenken hinsichtlich der grundlegenden Wirtschaftlichkeit der SLS-Rakete. Experten fordern, die Crew von Artemis II zu entfernen – die Orion-Raumkapsel gilt als zu unbewiesen und zu gefährlich für Astronauten. Nach der Rückkehr von Artemis I 2022 wurde festgestellt, dass der Hitzeschild nicht gleichmäßig abgebrannt war. Kleine Stücke des schützenden Polymers waren abgerissen. Eine offizielle Überprüfung des NASA-Inspektorats besagte, die Probleme mit dem Hitzeschild "stellen erhebliche Risiken für die Sicherheit der Artemis-II-Crew dar."

Die Sorge ist, dass der Schild möglicherweise versagt, wenn Artemis II mit 40.000 km/h in die Atmosphäre eindringt. Dies könnte Debris herumschleudern und das Raumschiff beschädigen. Der Lebensunterhaltssystem ist zudem nie getestet worden. Diese und weitere Probleme haben einige ehemalige Astronauten und NASA-Offizielle dazu bewegt, zu fordern, dass Artemis II ohne Astronauten fliegen sollte, sodass die Systeme im Weltraum ordnungsgemäß getestet werden können.

Warum Astronauten? Eine Überlegung


Das Schicksal von Artemis II bleibt abzuwarten. Jedoch stellt sich die interessante Frage – warum sollten wir Astronauten überhaupt zurücksetzen? In den späten 1940er Jahren, als große Pläne für die Eroberung des Weltraums entworfen wurden, war die Antwort auf die Astronautenfrage einfach – sie wurden als notwendig erachtet.

Während die Deutschen 1942 bewiesen, dass man eine Rakete ins All schießen kann, planten Wissenschaftler Satelliten in die Umlaufbahn zu schicken. Letztere wurden als einfache, wegwerfbare Instrumentenpakete betrachtet, die nicht länger als ein paar Tage durchhielten. Echte Raumfahrt erforderte Astronauten.

Warum? Die Erklärung liegt in einem Glasrohr, das etwas größer als dein Daumen ist. Elektronik der 1940er basierte auf Röhren – Vakuumröhren genannt. Diese Röhren erfüllten im Wesentlichen die gleiche Aufgabe wie moderne Transistoren, waren jedoch viel größer, da sie Glühfäden beinhalteten.

Schnelle Entwicklungen - die Technologie überholt den Menschen


Schon bald war klar, dass sich die Technologie schnell weiterentwickelte. Orbitallasten mussten klein gehalten werden, damit die Raketen sie heben konnten. Ingenieure fanden Wege, Maschinen die Arbeit von Menschen übernehmen zu lassen. Elektronik wurde massiv verkleinert, Computer wurden kompakter und effizienter, Raumschiffe wurden autonom gesteuert und Drohnen konnten auf anderen Planeten landen oder Rover zur Erkundung entsenden.

In den 1960ern gab es einen schrägen Wettstreit und eine Abhängigkeit zwischen menschlichen und robotischen Missionen. Raumfahrt-Enthusiasten wollten Astronauten in Aktion sehen. Unbemannte Missionen hingegen mussten oft als Vorhut für das Lernen über das Weltraumumfeld herhalten.

Die Wahrheit über bemannte Missionen


Die Apollo-Mission endete 1972. Viele der Gründe, Menschen ins All zu schicken, waren in der Mangel verschwunden. Raumschiffe konnten eigenständig funktionieren. Roboter erreichten alle Planeten und unzählige Monde, Kometen sowie Asteroiden.

Es gab bisher etwa 415 bemannte Missionen seit 1961, aber nur neun reisten zum Mond. Im Vergleich dazu hat es 146 unbemannte Missionsanflüge gegeben. Robotic Missions waren klar effizienter und kostengünstiger. Ein Beispiel? Die Internationale Raumstation (ISS). Der US-Beitrag war zehnmal höher als die Kosten von hochinnovativen Robotermissionen.

Brauchen wir Astronauten wirklich? Kosteneffizienz vs. Menschlichkeit


Die Frage bleibt – warum senden wir Menschen ins All, wenn Roboter eindeutig effizienter und effektiver sind? Menschen benötigen Unterstützung, Ressourcen und sind anfälliger für Risiken. In den letzten 75 Jahren wurde uns klar, dass der Weltraum menschenfeindlicher ist als bislang gedacht. Internes Leben erfordert Luft, Wasser, Sanitäreinrichtungen und vieles mehr.

Geplant sind Rückkehraktionen zu Mond und Mars. Doch warum? Ist es nicht ein kostspieliges Unterfangen ohne greifbare Rückkehr? Der Mensch hat immer große Opfer für seinen Ehrgeiz gebracht. Doch wir müssen die Kosten mit den potenziellen Gewinnen abwägen.

Ein menschliches Abenteuer könnte reizend klingen. Allerdings – jede Mission muss eine Frage beantworten – was ist der Zweck? Im Moment steht wenig für die Astronauten im Raum. Und genau das ist besorgniserregend. Projekte ohne Zweck sind nur allzu leicht abzubrechen.