Schlaf und individuelle Unterschiede
Ein interessantes Faktum ist, dass Kinder mehr Schlaf benötigen als Erwachsene. Mit zunehmendem Alter nimmt jedoch das Schlafbedürfnis kontinuierlich ab. Schlafforscher Jürgen Zulley von der Universität Regensburg bringt einen weiteren Aspekt ins Spiel: Schlaf ist nicht nur abhängig vom Alter, sondern auch von einer Vielzahl weiterer Faktoren. Gesundheit, Jahreszeit und Geschlecht spielen eine wesentliche Rolle. Frauen schlafen im Durchschnitt mehr als Männer – ein spannendes Phänomen, das weitere Forschung erfordert.
Die Auswirkungen von Schlafentzug
Schlafmangel kann schwerwiegende Folgen haben. Aus verschiedenen Experimenten geht hervor, dass zu wenig Schlaf ähnlich wirkt wie übermäßiger Alkoholkonsum – der Verlust der Wahrnehmung ist gegeben. Man glaubt, noch in der Lage zu sein, Auto zu fahren, obwohl das nicht der Realität entspricht. Interessanterweise gibt es Menschen, die mit einem Schlafmangel besser umgehen können als andere. Das hat vielfältige Ursachen. Eine davon ist der innere Rhythmus, an dem die sogenannten „Lerchen“ (Morgenmenschen) und „Eulen“ (Abendmenschen) eine entscheidende Rolle spielen.
Die Störung der inneren Uhr
Wer ständig gegen die eigene innere Uhr schläft, leidet oft an Schlafmangel. Beim Einsetzen der Nacht schüttet der Körper das wertvolle Hormon Melatonin aus. Dieses Hormon trägt eine Fülle von positiven Wirkungen in sich: Es fördert den Schlaf, stärkt das Immunsystem und könnte sogar cancerogene Prozesse bremsen.
Allerdings können bestimmte Faktoren, wie etwa das künstliche Licht, das häufig bei Nachtarbeit vorherrscht, die Ausschüttung von Melatonin beeinträchtigen. Dies erhöht das Risiko für verschiedene Krankheiten – eigene Schlafstudien belegen diese Tatsache eindrucksvoll.
Chronomedizin: Die Therapie im Einklang mit dem Körper
Ein besonders spannendes Segment der Chronobiologie ist die Chronomedizin. Dieser Therapieansatz berücksichtigt die zeitlichen Rhythmen des Körpers. Denn unsere biologischen Prozesse sind nicht konstant, sie unterliegen einem stetigen Wandel – von unserem Herz-Kreislaufsystem bis hin zu verschiedenen Organen.
Dieser 24-Stunden-Rhythmus, auch als zirkadianer Rhythmus bekannt, ist von entscheidender Bedeutung für die medikamentöse Behandlung. Forschung hat auch gezeigt, dass saisonale Schwankungen die Häufigkeit von Herzinfarkten in Wintermonaten beeinflussen – unabhängig von den klimatischen Bedingungen. Eine interne jahreszeitliche Uhr könnte hier wesentlich mitverantwortlich sein.
Der Einfluss von inneren Uhren auf die Anpassungsfähigkeit
Jede Zelle besitzt eine eigene innere Uhr. Diese Uhren agieren in einer Art Hierarchie – eine faszinierende Konstellation. Dadurch ist es möglich, dass wir uns relativ schnell an neue Hell-Dunkel-Rhythmen anpassen. Sei es nach der Zeitumstellung oder beim Reisen in andere Zeitzonen: Die Hauptuhr im Gehirn sorgt dafür, dass alle inneren Uhren neu synchronisiert werden. Diese Anpassung erfordert einige Tage, weshalb viele von uns an einem Jetlag leiden.
Die zukünftige Herausforderung der Chronomedizin
Vielversprechend ist die Forschung im Bereich der Chronomedizin. Eine der zentralen Herausforderungen könnte die Bestimmung des optimalen Zeitpunkts für eine Therapie sein. Chronobiologe Achim Kramer und sein Team an der Berliner Charité haben einen innovativen Bluttest entwickelt. Dieser Test hilft, den Chronotyp eines Patienten zu bestimmen. Denn die Wirksamkeit eines Medikaments wird nicht nur durch die Dosis, sondern auch durch den Zeitpunkt der Einnahme beeinflusst.
Wann ist die Zeitumstellung auf Sommerzeit 2025?
In der Nacht zum 30. März werden die Uhren von Normalzeit auf Sommerzeit vorgestellt. Das bedeutete eine Stunde weniger Schlaf. Leider ist die Uhrumstellung dieses Frühjahr immer noch nötig, da noch keine einheitliche Regelung für das die Beendigung dieser Zeitumstellungen in der EU getroffen wurde.
Dieser Artikel bietet einen umfassenden Blick auf die chronobiologischen Grundlagen unseres Lebens. Schlaf ist nicht nur eine Notwendigkeit für den menschlichen Körper – er spiegelt die Komplexität unseres Lebensstils wider.
Quelle und Bild: BR