Ketamin – Eine facettenhafte Substanz zwischen Medizin und Freizeitdrogen

Eine Kontroverse umschließt Ketamin. Ursprünglich als Narkosemittel entwickelt, verschiebt sich die Wahrnehmung zunehmend zu einem drogenähnlichen Konsum. In Bayern ist dieser Konsum unter Jugendlichen, insbesondere 14- bis 18-Jährigen, auffällig gestiegen. Sorgenfalten zeichnen sich auf den Gesichtern von Experten ab. Es zeigt, dass der Gebrauch von Ketamin als Partydroge nicht zu unterschätzen ist. Moderne Drogenpolitik steht vor Herausforderungen – das Thema bleibt brisant.

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Ketamin – Eine facettenhafte Substanz zwischen Medizin und Freizeitdrogen

von   Kategorie: Wissenschaft
Ketamin als Medikament zugelassen zur Behandlung von schweren Depressionen in den sozialen Medi.jpeg

Was ist Ketamin? Eine Art von harmloser Partydroge?


Die Wahrnehmung von Ketamin als Partydroge ist irreführend. Ketamin ist über fünf Jahrzehnte als Narkosemittel in der Medizin etabliert. Besonders in München vermerken Experten ein wachsendes Konsumverhalten. Siegfried Gift von Condrops beschreibt, dass Jugendliche von 16 bis 18 Jahren in Partysettings häufiger in Kontakt mit dem Stoff treten. Auch 14-Jährige haben bereits Erfahrungen damit gemacht. Die Suchtberatungsstellen sind gefordert, da sie junge Abhängige bis etwa 21 Jahre zurücknehmen. Der mediale Diskurs wird angeheizt von einer ARD-Mediathek-Dokumentation mit dem Titel „Ketamin – Zwischen Partydroge, Medikament und großem Geschäft“.

Risiken von Ketamin: Wirkungen und mögliche Nebenwirkungen


Hochdosierte Zufuhren von Ketamin können gefährliche Nebenwirkungen hervorrufen. Ein Anstieg von Herzfrequenz und Blutdruck ist häufig. Schädigungen an den Gehirngefäßen sind nicht selten – das zeigt die Wissenschaft. Bei akutem Nasenschnupfen besteht die Gefahr irreparabler Blasenschäden. Langfristige Folgen werden oft bewusst ignoriert. Besondere Vorsicht ist erforderlich – die Suchtgefahr ist real und bedrohlich. Gift, ein erfahrener Suchtberater, legt nahe, dass das psychische Verlangen nach dieser Substanz stark ausgeprägt ist. Eine Warnung zieht die Aufmerksamkeit auf sich: Auch ohne medizinische Notwendigkeit kann die Anwendung riskant sein. Der Alltag, der auf diese Weise entflieht, kann schnell zur Gewohnheit werden.

Wann ist der Gebrauch von Ketamin sinnvoll?


In kontrollierten, geringen Dosen und unter ärztlicher Aufsicht kann Ketamin medizinisch von Nutzen sein. In der Schmerztherapie werden experimentell vielversprechende Anwendungen getestet. Esketamin, ein Derivat, ist als Nasenspray zugelassen und wird durch die Krankenkassen erstattet. Seit rund sechs Jahren erhalten Patienten mit schweren Depressionen Ketamin als Behandlung. Experten empfehlen dieses Vorgehen unter bestimmten Voraussetzungen. Voraussetzung ist, dass vor der Ketamineinnahme zwei Therapien gegen Depressionen nicht wirksam waren – eine Tatsache, die 50 Prozent aller depressiven Erkrankungen betreffen könnte.

Die antidepressiven Wirkmechanismen von Ketamin


Die genauen Wirkmechanismen, die den antidepressiven Effekt von Ketamin erklären, bleiben noch unklar. Eine weitverbreitete Theorie beschreibt die Enthemmung im Glutamatsystem. Es wird angenommen, dass Informationen dadurch effizienter verarbeitet werden – dies könnte den depressiven Zustand der Menschen mildern. Aktuell führt das Uniklinikum Jena eine Studie zur Wirksamkeit von Ketamin in Kombination mit Psychotherapie durch. Die Resultate sollen in etwa anderthalb Jahren veröffentlicht werden. Martin Walter, der Studienleiter, nährt die Hoffnung, dass er künftig Patienten mit therapieresistenten Depressionen besser unterstützen kann.