Öko-Handys: Hersteller funken auf der grünen Welle

Dieses Thema im Forum "Netzwelt" wurde erstellt von xxxkiller, 3. November 2009 .

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  1. #1 3. November 2009
    Handys aus Mais- und Kartoffelstärke, aus Holz oder aus recyceltem Plastik alter Getränkeflaschen - die Branche verpasst sich derzeit einen grünen Anstrich. Mit umweltfreundlichen Geräten wollen die Mobiltelefonanbieter verstärkt um Kunden werben. Doch nicht jede Idee überzeugt.

    BERLIN. Telefonieren in der Holzklasse - das könnte zum Trend werden für Menschen, die ihre ökologische Gesinnung gerne offensiv zur Schau tragen wollen. Was von weitem aussieht wie ein Stück Holz am Ohr, erweist sich auf den zweiten Blick als Handy - allein das Gehäuse besteht aus dem natürlichen Material. Nokia erprobte einen Prototyp, und nun hat der japanische Mobilfunkkonzern NTT Docomo mit Sharp und Olympus ein Holzhandy namens "Touch Wood" geformt. Zum Einsatz kommt nur Restholz von Zypressen aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Zwar ist der Serienstart unklar, doch das Gerät zeigt: Die Branche verpasst sich derzeit einen grünen Anstrich.

    Ein Zeichen setzte der Mobiltelefonanbieter NEC bereits vor vier Jahren: Die Japaner stellten damals ein biologisch abbaubares Handy vor, dessen Gehäuse aus Mais- und Kartoffelstärke bestand. Durchsetzen konnte sich das exotische Gerät jedoch nicht.

    Solarzellen liefern Strom

    In der Wirklichkeit angekommen ist hingegen das Öko-Handy "Blue Earth" von Samsung, das voraussichtlich Ende November zum Preis von knapp 400 Euro auf den deutschen Markt kommt. Die Technik des Multimediageräts mit Touchscreen ist in recyceltes Plastik alter Getränkeflaschen eingebettet.

    Samsung verarbeitet keine umweltschädlichen Chemikalien, dafür gibt es ein Solarpanel - wie beim Konkurrenten LG Electronics auch. Das soll - unter günstigen Bedingungen - das Aufladen an einer Steckdose ersetzen. "Eine Stunde Ladezeit an der Sonne liefert Strom für ein bis zu zehnminütiges Gespräch oder gut zwei Stunden Stand-by-Betrieb", sagt Mario Winter, Mobile-Marketingleiter von Samsung.

    Das Gerät verfügt über einen Stromsparmodus sowie ein Ladegerät, das um 75 Prozent effizienter arbeiten soll. Nicht mehr als ein Gimmick ist die Funktion "Eco Walk": Dabei berechnet ein integrierter Schrittzähler, wie viel Kohlendioxid der Nutzer weniger ausstößt, wenn er zu Fuß unterwegs ist, statt mit dem Auto zu fahren. "Für den Markterfolg wichtig ist, dass solche Geräte trotzdem schick sind. Allerdings dürfen sie nicht deutlich teurer sein", sagt Winter. Weitere Modelle werden folgen. "Langfristig sollen umweltfreundliche Geräte selbstverständlich werden."

    Gerade bei den Materialien gibt es aber noch Nachholbedarf. Seit drei Jahren verarbeiten die Hersteller immerhin kein Blei, Cadmium und Quecksilber mehr. Das ist jedoch weniger auf größeres Umweltbewusstsein zurückzuführen, sondern auf neue Gesetze.

    Vor allem aber wird es höchste Zeit, den Stromverbrauch zu drosseln. Nach Berechnungen des Instituts für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) braucht es allein in Deutschland zehn Großkraftwerke, um den Strom für Computer und Mobiltelefone zu produzieren. Dabei fallen 33 Mio. Tonnen Kohlendioxid an - so viel, wie der innerdeutschen Flugverkehr verursacht. Auch wenn Computer und Rechenzentren für den Löwenanteil verantwortlich sind, sei der nicht extra ausgewiesene Anteil von Mobiltelefonen erheblich, sagt Siegfried Behrendt, Experte für ökologisches Wirtschaften vom IZT.

    Trend zum Ökohandy

    Als zunehmendes Problem erweist sich auch der wachsende Energiehunger: "Unbemerkt wächst der Stromverbrauch bei Handys stetig, da sie meist internetfähig sind und Datentransfers sowie Downloads viel Energie kosten", sagt Siegfried Behrendt. Er rechnet mit einem Anstieg des Stromverbrauchs um 20 Prozent bis zum Jahr 2020.

    Dass die Geräte einen hohen Verbrauch haben, dämmert langsam auch den Nutzern. Nach einer Studie des Marktforschungsinstituts Aris im Auftrag des Branchenverbands Bitkom ist inzwischen jeder fünfte von 1 000 befragten Handykäufern bereit, zehn Prozent mehr für ein umweltfreundliches Gerät zu zahlen. "Die hohen Strompreise und die Diskussion über den Klimawandel haben bei vielen Verbrauchern zu einer verstärkten Nachfrage nach umweltfreundlichen High-Tech-Produkten geführt - auch in wirtschaftlich schweren Zeiten", sagt Martin Jetter, Mitglied des Bitkom-Präsidiums.

    Von diesem Trend wollen die Hersteller profitieren. So bringt Sony Ericsson die Reihe "Green Heart" auf den Markt. Die Modelle bestehen zur Hälfte aus recyceltem Kunststoff und sind mit wasserbasierten Lacken versehen. Ein Lichtsensor sorgt zudem dafür, dass das Display nur so hell leuchtet wie nötig. Die Gebrauchsanweisung gibt es nur noch elektronisch; das spart angeblich 90 Prozent des bislang benötigten Papiers ein-immer vorausgesetzt, der Nutzer druckt sich das Werk schließlich nicht aus. Die Verpackung verzichtet auf Pomp und ist so kompakt wie möglich gehalten.

    Nokias Umweltbeauftragte Johanna Jokinen sagt, das Unternehmen wolle entlang der gesamten Wertschöpfungskette die Telefone umweltverträglicher gestalten, statt einzelne grüne Modelle auf den Markt zu bringen. Die sparsamen Verpackungen haben dafür gesorgt, dass binnen zwei Jahren 12000 Lkw-Fahrten und Kosten in dreistelliger Millionenhöhe bei Nokia eingespart wurden.

    Vieles ist letztlich PR

    Ob hingegen ein paar Solarzellen an einigen Geräten der große Wurf sind, wagt Christian Noll, Energieexperte beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), zu bezweifeln. Er spricht allenfalls von einem "netten Feature". "Ansonsten sind bei den Herstellern noch keine übermäßigen Anstrengungen für wirklich umweltschonende Handys zu erkennen. Vieles ist PR", sagt er. Letztlich könne jeder seine Geräte mit einem Ökolabel versehen: So fehlten einheitliche Standards zur Energieeffizienz, mit denen etwa der tatsächliche Stromverbrauch gekennzeichnet werden könnte. "Solange es keine Normen gibt, die für Vergleichbarkeit sorgen, kann die Industrie viel erzählen", sagt Noll.

    Indes reklamiert Motorola für sich, mit dem komplett wiederverwertbaren Modell "W233 Renew" das "weltweit erste CO2-neutrale Telefon" im Angebot zu haben. Formal CO2-neutral wird das Modell durch die Investition Motorolas in Anlagen für erneuerbare Energien und in Aufforstungsprojekte - diesen Ablasshandel wickelt die Organisation Carbonfund ab. Der Hersteller legt zudem ein frankiertes Päckchen bei, mit dem Kunden abgehalfterte Geräte direkt zur Recyclinganlage schicken können.

    Sonnenstrom

    Die Energiebilanz eines Handys lässt sich mit einem Solarladegerät aufpolieren. Die Angebote von Solio, Powermonkey Explorer und Freeloader Pro sind mit gängigen Mobiltelefonen kompatibel. Neu ist das 90 Euro teure Ladegerät ET-3000 von Tricad. Liegt es unter Idealbedingungen neun Stunden in der Sonne, sammelt es genug Energie, um ein iPhone dreimal aufzuladen. Den Nutzern ginge es weniger darum, Geld zu sparen, sagt Tricad-Geschäftsführer Gunnar Mursch. "Die meisten wollen mobil sein und das Gefühl haben, umweltschonend Strom zu gewinnen."

    Quelle: handelsblatt.com
     

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