Die Fähigkeiten der afrikanischen Riesenratte
Die afrikanische Riesenratte erwies sich als überraschend fähig. Trotz ihres einschüchternden Namens erreichen diese Tiere lediglich eine Länge von etwa 750 mm. Dabei macht die Schwanzlänge circa die Hälfte ihrer Gesamtgröße aus. Auch wenn diese Ratten groß erscheinen, sind sie dennoch klein genug, um sich durch eng bepackte Frachtcontainer zu schlängeln – eine entscheidende Eigenschaft im Kampf gegen den Schmuggel.
Training für den guten Zweck
Eine neue Studie beleuchtet das Training dieser Ratten. Elf Tiere – mit den klangvollen Namen wie Attenborough, Fossey oder Thoreau – absolvieren ein Training, das für diese Tiere herausfordernd, aber auch essenziell ist. Zu Beginn wurden sietrainiert, ihre Nasen durch ein Loch zu stecken, um Leckerlis zu erhalten. Nach dieser initialen Phase wurden die Ratten verschiedenen Gerüchen ausgesetzt. Dabei unterschieden sich die Einflüsse erheblich.
Mündliche Aufgaben bescheiden die Ratten mit Gerüchen, die nicht auslösend sind, sowie denjenigen, die es sind. Zu den neutralen Gerüchen gehören elektrische Kabel und Reinigungsmittel, auch Kaffeebohnen verwenden Schmuggler, um den Geruch illegaler Tierprodukte zu maskieren. Die auslösenden Gerüche hingegen beinhalten die Schuppen von Pangolinen, Elefant-Ellbogen, Rhinozeros-Horn sowie afrikanisches Schwarzholz. Besorgniserregend ist die Tatsache, dass all diese Produkte in Gefahr sind, bald vom Erdboden zu verschwinden.
Langfristige Gedächtnisleistung der Ratten
Ein bemerkenswerter Aspekt des Trainings war die langanhaltende Gedächtnisleistung. Auch nach einer Pause von acht Monaten waren die Ratten noch in der Lage, diese illegalen Wildtierprodukte korrekt zu identifizieren. Hierbei zeigen sie ähnliche Fähigkeiten wie Hunde. Diese Erkenntnisse stammen von der APOPO, einer gemeinnützigen Organisation aus Tansania, die sich zuvor schon mit der Ausbildung dieser Ratten für die Identifizierung von Tuberkulose und Landminen beschäftigt hat.
Kosteneffizienz und der Drang nach Innovation
Isabelle Szott, eine Forscherin der Okeanos-Stiftung, betont die Kosteneffizienz der Ratten als Werkzeuge zur Geruchserkennung. "Aktuelle Screening-Methoden sind teuer und zeitaufwendig – es besteht ein dringender Bedarf an einer Erhöhung der Zollkontrollen," fügt sie hinzu. Ratten können womöglich schon bald in enge Räume vordringen, um Fracht in überfüllten Containern zu überprüfen.
Zukunftsvision: Speziell ausgestattete „Ratten-Squads“
In der Zukunft planen die Forscher, den Ratten spezielle Westen anzulegen. Diese Westen sind mit einem ballkopfbasierten Kabel ausgestattet, das die Ratten ziehen können, um einen Piepton auszulösen, sobald sie auf eines der illegalen Wildtierprodukte stoßen. Diese Herangehensweise könnte nicht nur einen Schlag gegen Wildlife-Schmuggler darstellen, sondern auch gegen andere Formen des Schmuggels helfen.
Verbindungen zu anderen Kriminellen Netzwerken
"Wildtier-Schmuggel wird oft von Personen verübt, die auch in andere illegale Aktivitäten involviert sind, wie Menschen-, Drogen- und Waffe-Schmuggel," so Kate Webb, Assistenzprofessorin an der Duke Universität. Verbindendes Denken ist unerlässlich. Der Einsatz von Ratten zur Bekämpfung des Wildtierhandels könnte vielversprechend sein.
Wildtierschutz wird nicht nur als Umweltthema erachtet – es ist ein weitreichendes Anliegen, das die Ausbeutung der Natur sowie der Mitmenschen unterbindet. Das könnte, so die Forscher, die globalen Abläufe derart ändern, dass Mensch und Natur eine immer wichtigere Rolle bei der Bekämpfung krimineller Netzwerke spielen.
Quelle: DOI: https://doi.org/10.3389/fcosc.2024.1444126