US-Forschung damals unter Bush -bitte nach Politik verschieben

Dieses Thema im Forum "Allgemeines & Sonstiges" wurde erstellt von graci, 11. Januar 2009 .

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  1. #1 11. Januar 2009
    "Wissenschaft ins Weiße Haus!"

    Amerikas Forscher hoffen auf die Zeit nach Bush, der ihre Gelder strich und die Forschungsfreiheit untergrub. Ein Interview mit dem Nobelpreisträger David Baltimore


    David Baltimore, Biologe, Nobelpreisträger und bis Februar 2008 Präsident der weltweit größten allgemeinen wissenschaftlichen Vereinigung AAAS (American Association for the Advancement of Science) ist einer der schärfsten Kritiker des US-Präsidenten innerhalb der Forschung.

    ZEIT online: Herr Baltimore, was macht Sie so wütend?

    David Baltimore: Das Weiße Haus und der US-Kongress haben der Wissenschaft in den letzten Jahren ausgenommen wenig Respekt entgegengebracht. Die Regierung versteht offenbar nicht, wie wichtig Unabhängigkeit für die Wissenschaft ist. Die muss ihr dringend wieder zugebilligt werden, denn unfrei funktioniert wissenschaftliches Denken einfach nicht. Ich denke, ich spreche damit für die meisten amerikanischen Wissenschaftler.

    ZEIT online: Ist die Freiheit der Wissenschaft denn in Gefahr?
    Baltimore: Die Politik nimmt viel zu viel Einfluss. Und das ärgert uns. Als zum Beispiel der Klimaforscher Jim Hansen seine Meinung zum menschengemachten Anteil am Klimawandel öffentlich äußern wollte, hat man versucht, ihn daran zu hindern. Hansens Ansichten passten nicht zur Regierungsagenda.

    ZEIT online: Was wäre denn ein gesundes Verhältnis von Wissenschaft und Politik? Was würden Sie sich vom Präsidenten wünschen?
    Baltimore: Oh, vieles. Vor allem würde ich ihm sagen: Bringen Sie die Wissenschaft zurück ins Weiße Haus, engagieren Sie einen eigenen Wissenschaftsberater. Bill Clinton hatte einen, George Bush nicht. Die Politik sollte Wissenschaftler in ihrem Tun ermutigen, ihnen die dafür nötige Unabhängigkeit lassen und ihnen das Geld geben, sich bewegen zu können. Die Politik müsste erkennen, dass Wissenschaft die Zukunft ausmacht. Sie müsste junge Wissenschaftler fördern, eigene Forschungswege zu finden, vielleicht auch einmal etwas auszuprobieren, was letztlich nicht zu einem Ergebnis führt. Wissenschaftlicher Erfolg fußt auf der Kreativität der Menschen, die Forschung machen. Dafür muss die Politik wieder Platz schaffen.

    ZEIT online: Bekommt die Forschung denn genug Geld, um sich so zu entwickeln?

    Baltimore: Unter Bush war die Gelderverteilung an die Forschung sehr unausgewogen, in manchen Bereichen gab es drastische Kürzungen. Einigen Forschungszweigen wurde der Geldhahn quasi komplett zugedreht, wie zum Beispiel der Gesundheitsforschung oder der Grundlagenphysik. Der Präsident, scheint mir, hat keinen Respekt vor deren Nutzen.

    ZEIT online: Warum diese Schieflage?

    Baltimore: Der Krieg verzehrt das Budget. Während in die militärische Forschung Hunderttausende investiert werden, bleibt kaum etwas übrig für den sonstigen Hausbedarf der Forschung.

    ZEIT online: Teilweise mussten sogar Forscher rausgeschmissen werden. Zum Beispiel in der Teilchenphysik.
    Baltimore: Es ist hart, vor allem für reine Forschungsjobs. Die meisten kleineren Labore immerhin werden von Wissenschaftlern geleitet, die auch lehren. Solche Positionen sind nicht bedroht.

    ZEIT online: Ein anderes Problem sind Einreisehürden für Gastwissenschaftler und Studierende: Visa-Antragsteller müssen sich dem sogenannten „Visa Mantis“ unterziehen, das davor schützen soll, dass Wissen über sicherheitsrelevante Technologien ausspioniert oder illegal weitergegeben wird.

    Baltimore: Zum Glück sind inzwischen die Wartezeiten bei der Prozedur nicht mehr so schlimm. Manchmal allerdings werden Wissenschaftler mit wiederholten Antragsgesprächen schikaniert, zum Teil sogar zeitweise inhaftiert.

    ZEIT online: Was bedeutet das alles für die Qualität der amerikanischen Wissenschaft?
    Baltimore: Die Forschergemeinde sorgt sich sehr, insbesondere auf lange Sicht. Ich glaube nicht, dass wir unsere internationale Führungsposition in der Wissenschaft schon verloren haben. Ich glaube, andere Länder nehmen uns auch immer noch so wahr. Ein Ruf ist jedoch rasch verloren.

    ZEIT online: Und dann ist mit der Qualität der Forschung auch die Wirtschaftskraft der USA betroffen?

    Baltimore: China, Europa und auch Indien sind wissenschaftlich im Kommen. Manchmal scheint es mir, als entwickelten sie besser geeignete Ansätze, Wissenschaft zukunftsweisend zu gestalten. Das macht sie zu starken Konkurrenten. Darum dürfen wir nicht verschlafen, wettbewerbsfähig zu bleiben. Das geht nur mit Forschung und Entwicklung. Es ist ja kein Geheimnis, welche Hürden es für das Innovationspotenzial Amerikas bedeutet, wenn die Situation für die Wissenschaft nicht verbessert wird. Manche sehen dann eine düstere Zukunft kommen. Wenn in den USA alles so weitergeht wie jetzt, haben wir es schwer, noch gute Wissenschaft zu machen.

    ZEIT online: In Amerika tobt ja gerade der Wahlkampf um das Präsidentenamt. Von den Problemen der Wissenschaft hört man in den öffentlichen Debatten aber gar nichts. Warum?
    Baltimore: Den Durchschnittswähler interessiert Wissenschaft nicht. Zwar betrifft sie unser aller Leben, viele aber wissen das nicht und denken auch nicht darüber nach. In den Debatten bleiben solche Themen daher gern außen vor.

    ZEIT online: Nun wollen die Forscher die Politiker zwingen, sich mit ihren Themen zu beschäftigen: Zum 18. April laden sie alle Kandidaten zu einer Fernsehdebatte über Wissenschaft vor. Was soll das bringen?

    Baltimore: Wir wollen den Wählern und der Politik die Augen öffnen: Es ist dringlich, etwa neue Energieressourcen zu finden, dem Klimawandel entgegenzuwirken oder neue Stammzelltherapien zu entwickeln. Es ist gesellschaftlich unbequem, aber es ist wichtig. Wir haben uns von Anfang an für die „Science Debate“ eingesetzt, weil wir unbedingt wollen, dass sie ein Erfolg wird. Auf der diesjährigen Jahreskonferenz der AAAS zum Beispiel hatten wir als Vorgeschmack bereits eine Mini-Debatte organisiert. Aber es kamen nur Vertreter von Barack Obama und Hillary Clinton.

    ZEIT online: Werden sich die Kandidaten selbst am 18. April trauen, sich der Wissenschaft zu stellen?
    Baltimore: Ich weiß es wirklich nicht. Nach der Wahl in Ohio und Texas könnten es womöglich nur noch zwei Kandidaten sein – einer für die Republikaner, einer für die Demokraten. Keiner hat eine ausformulierte wissenschaftspolitische Agenda. Beide müssten eine Menge nachdenken, um sich auf die Diskussion vorzubereiten und sich dort gut darzustellen. Wenn sie kommen, wäre das sagenhaft. Ich hege allerdings gewisse Zweifel.

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    Das Interview scheint etwas alt zu sein. Präsidentenwahl...
    Wie schön, dass Bush weg ist, denke unter Obama wird die Wissenschaft wieder höheren Einfluss bekommen und damit meine ich nicht Militärwissenschaft.
     

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