Warum das Bargeld abgeschafft werden soll

Artikel von Tommy Weber am 19. Januar 2023 um 10:16 Uhr im Forum Finanzen & Versicherung - Kategorie: Wirtschaft

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Warum das Bargeld abgeschafft werden soll

19. Januar 2023     Kategorie: Wirtschaft
Eine Welt ohne Scheine und Münzen, um zu bezahlen, ist für viele Menschen heute immer noch nicht vorstellbar. Trotzdem wird Stück für Stück, praktisch in einer Art Salamitaktik, das Bargeld aus dem Verkehr gezogen. Das Bezahlen mit barem Geld wird schlecht gemacht, wo es geht und die überwiegende Zahl der Menschen merkt noch nicht einmal etwas davon. Viele wird es vielleicht überraschen, dass die Bundesregierung seit vielen Jahren Millionen an Steuergeldern in die Abschaffung des Bargelds investiert.

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Weg mit den Scheinen
Bereits 2019 begann die Regierung mit der Umstellung und nahm den 500-Euro-Schein vom Markt. Damit sollte die Geldwäsche gestoppt werden, ebenso wie die Steuerhinterziehung. Leider blieb der erhoffte Erfolg aus und bis zum heutigen Tag gibt es keinen Beweis über die Eindämmung von Steuerhinterziehung und Geldwäsche. Die Bundesbank musste schließlich kleinlaut zugeben, dass diese Aktion ihr Ziel vollkommen verfehlt hat. Nur 20 Prozent der Scheine, die sich im Umlauf befinden, wurden auch zurückgegeben.

Parallel zu der misslungenen Idee, die 500-Euro-Scheine aus dem Verkehr zu ziehen, wurde in nur zwei Jahren das sogenannte anonyme Tafelgeschäft, also der Kauf von Edelsteinen oder Edelmetallen ohne eine Registrierung, von vormals 15.000 auf nur noch 2000 Euro reduziert. Nach Meinung von Experten ist es lediglich eine Frage der Zeit, bis sich auch dieses Fenster komplett schließt.

Die Corona-Krise
Um das Bargeld abschaffen zu können, kam die Corona-Pandemie wie gerufen. Bares Geld galt plötzlich als gefährlich, es könnten sich ja Viren auf den Münzen und Scheinen befinden. Diese Vermutung erwies sich sehr schnell als haltlos, trotzdem sind heute immer noch Aufkleber zu sehen, die für das vermeintlich sichere bargeldlose Bezahlen werben. Da Corona ebenfalls nicht sonderlich gut geeignet war, den Menschen das Bargeld zu verleiden, musste sich die EU in Brüssel etwas anderes einfallen lassen. So verständigte man sich Ende des vergangenen Jahres auf eine Obergrenze für Bargeld bei Transaktionen von nicht mehr als 10.000 Euro. Die deutsche Innenministerin Nancy Faeser hätte es gerne gesehen, wenn die Grenze sehr deutlich unter 1000 Euro gefallen wäre.

Die Deutsche Bundesbank widerspricht der EU und auch der Bundesregierung mit sehr deutlichen Worten. Nach ihrer Ansicht gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg, der beweist, dass die Geldwäsche mit einer Bargeldobergrenze erfolgreich bekämpft werden kann. Dies zeigen die Erfahrungen, die andere Länder gemacht haben, so die Bundesbank. Die Obergrenze für Bargeld hat also ihr Ziel verfehlt.

So wird das Bargeld attackiert
Neu ist das sogenannte Sanktionsdurchsetzungsgesetz. Es soll den russischen Superreichen, den Oligarchen, das Leben so richtig erschweren. Des Weiteren soll mit diesem Gesetz die Geldwäsche bekämpft werden, allerdings nimmt der Staat die Bürger dabei gleich mit in Kollektivhaftung. Nach dem neu geschaffenen Paragrafen 16a des Geldwäschegesetzes ist es verboten, Häuser sowie Grundstücke und Wohnungen in bar, in Form von Gold oder in Kryptowährungen zu bezahlen. Das Bargeld wird an allen erdenklichen Fronten attackiert und wenn es komplett abgeschafft wird, muss der Bürger mit den Nachteilen leben.

Kaum noch Bargeld
Nur rund zwei Prozent der Geldmenge ist tatsächlich in Münzen und Scheinen vorhanden, was bedeutet, dass nur noch jeder fünfzigste Euro Bargeld ist. Würden jetzt fünf oder zehn Prozent aller Europäer gleichzeitig ihr Geld von der Bank abheben, würde das komplette Kartenhaus zusammenbrechen. Viele Menschen hätten dann gar kein Geld mehr. Das Bezahlen ohne Bargeld wird in den Zeiten der vielen unterschiedlichen Kreditkarten und Bezahldiensten wie PayPal immer beliebter. Mittlerweile werden mehr als 90 Prozent aller Zahlungen entweder per Lastschrift oder Überweisung und mit EC- oder Kreditkarte getätigt. Streng genommen hat Deutschland schon den digitalen Euro. Warum muss die Europäische Zentralbank die Einführung des digitalen Euros auch noch pushen?

Mehr Kontrolle
Ganz gleich, ob es sich um gewerbliche oder private Transaktionen und Überweisungen handelt, sie werden alle von den Banken gesammelt und einmal am Tag im Bankensystem zwischen den einzelnen Instituten ausgeführt. Nur die Banken wissen genau, wofür die Menschen ihr Geld ausgeben . Die nationalen Banken dürfen die Transaktionen allerdings nicht an die EZB oder an andere Parteien weitergehen, dies ist sogar verboten. Mit einem digitalen Euro in Form eines sogenannten CBDC, Central Bank Digital Currency, ließe sich dieses Problem aber auf Dauer lösen. Jeder Bürger hätte dann ein digitales Konto oder Wallet, und zwar direkt bei der EZB. Die Europäische Zentralbank könnte dann alles überblicken und das auch noch in Echtzeit.

Die Notenbanken versuchen jetzt schon, den Bürgern diese schöne neue Welt so schmackhaft wie möglich zu machen. Diese Zahlungen, so die Banken, sind sicher, sie sind sehr praktisch, hygienisch (in Bezug auf die nächste Pandemie), effizienter, schneller und vor allem viel günstiger. Allerdings wäre der Preis dafür sehr hoch, denn jede Transaktion wird damit vollständig nachvollziehbar und transparent.

Der gläserne Bürger
Kommt es so weit, dann wäre der Preis für die Bürger sehr hoch, denn alles, was mit ihrem Geld passiert, wird dann komplett transparent und jederzeit nachvollziehbar. Die digitale Währung kann unendlich viele Daten über alle Zahlungen sowie das Nutzungsverhalten der Bürger liefern. Die Wallets ließen sich ganz praktisch miteinander verknüpfen, beispielsweise mit einem Impfzertifikat, aber auch mit beliebigen anderen Daten. Falls so etwas passiert, dann ist jeder Bürger so durchsichtig wie Glas.

Mit der Abschaffung des Bargelds lässt sich so einiges in die Wege leiten. Um den Menschen die richtige Erziehung angedeihen zu lassen und natürlich auch, um die Umwelt zu retten, wäre es beispielsweise möglich, ein Guthabenkonto für CO2 zu installieren. Alle, die dann ihr CO2-Guthaben aufgebraucht haben, vielleicht weil sie zu viel reisen und zu viel Fleisch statt Gemüse essen, haben dann die Wahl zwischen zahlen oder darben. Dieser Albtraum wäre selbst Orwell nicht eingefallen.

Das Spiel mit den Zinsen
Neben der Überwachung à la Orwell gibt es noch eine weitere Gefahr: Die Zinsen könnten ohne Probleme einfach ins Minus abrutschen, und zwar ohne, dass der Bürger das Geld von seiner Bank abheben muss, um es so dem negativen Zins zu entziehen. Ein Run auf die Banken wäre damit ein für alle Mal vom Tisch. Außerdem könnten Dinge wie eine Vermögensabgabe oder auch Strafzinsen jederzeit schnell und effizient eingesetzt und von jedem beliebigen Konto abgezogen werden. Dagegen wehren könnte sich keiner. Funktionieren würde das beim Strafzettel für das Falschparken ebenso wie beim ungeliebten Rundfunkbeitrag. Sogar das Konto einfach einzufrieren, wäre dann für die große und mächtige EZB kein Problem mehr. China lässt grüßen!

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Kommentare

#2
Denke schon, dass es Pläne gibt das Bargeld abzuschaffen. Da man aber mit massiven Protesten zu rechnen hat, lässt man die Pläne noch in der Schublade. Da wird man nur darauf warten, dass mal die Stimmung ein wenig in die andere Richtung geht. Glaube nicht, dass man sich so einfach vom Bargeld verabschiedet.