Wie kommt es zum Blackout und wie kann sich jeder vorbereiten?

Artikel von Tommy Weber am 14. Januar 2022 um 15:55 Uhr im Forum Politik, Umwelt, Gesellschaft - Kategorie: Technik

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Wie kommt es zum Blackout und wie kann sich jeder vorbereiten?

14. Januar 2022 um 15:55 Uhr     Kategorie: Technik
Geht plötzlich das Licht aus und weder Telefon noch Heizung funktionieren, und das über einen längeren Zeitraum, dann ist von einem sogenannten Blackout die Rede. Auf den Straßen funktionieren die Ampeln nicht mehr, auch die Tankstellen müssen ihren Betrieb einstellen, ebenso wie Busse und Bahnen. Seit Jahren beschäftigen sich die Länder in Europa mit diesem Szenario. Sicherheits- und Energieexperten warnen schon ebenso lange davor, dass dieser Katastrophenfall tatsächlich eintreten kann.

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Im vergangenen Jahr rückte das Thema wieder in den Fokus, da es gleich zu zwei größeren Störungen in der Stromversorgung Europas kam. Am 8. Januar 2021 mussten mehrere Länder im Süden Europa vom Stromnetz getrennt werden, am 24. Juli kam es zu einer massiven Störung in Spanien, Frankreich und Portugal. Hier konnten die Sicherheitsmechanismen aber das Schlimmste verhindern.

Wie kommt es eigentlich zu einem Blackout?
Viele Experten schauen mit großer Sorge auf die Störungen im europäischen Stromnetz. Für sie steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es in absehbarer Zeit zu einem größeren Blackout kommen wird. Dies liegt neben anderem an der angespannten Situation im Netzbetrieb, die immer weiter zunimmt. Dass die Steuerung der Stromsysteme von Jahr zu Jahr komplexer wird, ist ein weiterer Grund, warum die Gefahr eines Blackouts droht. Als besonders große Gefahr sehen die Experten jedoch die Energiewende. So sollen nach dem Willen der Politik in Deutschland nach und nach die Kohlekraftwerke vom Netz genommen werden. Ersetzt werden soll der Kohlestrom durch erneuerbare Energien, von Wind und Sonne produziert.

Der Nachteil dabei ist, dass Wind und Sonne nicht immer nach Wunsch zur Verfügung stehen. Daher sollten Kohle- und Kernkraftwerke diese Lücken als sogenannte Momentanreserven wieder ausgleichen. Gaskraftwerke können die Lücken ebenfalls schließen, was jedoch besonders in kalten Wintern schnell zu einer sehr teuren Lösung wird. Zudem steht auch noch nicht fest, ob es überhaupt genug Gas gibt, um den Betrieb fortzuführen.

Die Infrastruktur ist veraltet
Die Infrastruktur vor allem bei den Transformatoren ist nicht nur in Deutschland veraltet. Dem gegenüber steht aber ein stetig steigender Stromverbrauch, beispielsweise durch die E-Autos und die Digitalisierung. Dazu kommen dann noch vereinzelte Ereignisse, wie extreme Wettersituationen, bis hin zu Cyber- oder Terrorangriffen. Diese Risiken steigern die Gefahr eines Blackouts sehr deutlich. Treten mehrere Ereignisse zusammen auf, dann kommt es nach Expertenmeinung zu einem Versagen des Systems durch eine „Komplexitätsüberlastung“. Grundsätzlich lassen sich solche Dinge beherrschen, falls jedoch der berühmte Tropfen das Fass zum Überlaufen bringt, dann löst dies eine katastrophale Kettenreaktion aus.

Energiefachleute sehen einen Blackout schon in den nächsten Jahren, wenn nicht schon in den nächsten Monaten auf viele Länder in Europa zukommen. Die Bundesnetzagentur hingegen sieht keine Gefahr, dass es in absehbarer Zeit einen Blackout geben könnte. Hier wird das Ganze als ein eher „unwahrscheinliches Szenario“ gesehen.

Wie ist Deutschland auf den Blackout vorbereitet?
Selbst wenn die Bundesnetzagentur einen Blackout für unwahrscheinlich hält, da sehr viele Sicherheitsmechanismen so etwas verhindern werden, sind viele Bundesbürger beunruhigt. Die Bundesnetzagentur hält dagegen und nennt mögliche Sicherheitsmaßnahmen. So können die Kraftwerke kurzzeitig wieder zugeschaltet werden, eine weitere Option ist das Abschalten von großen Stromverbrauchern. Die benötigten Mengen an Energie können aus dem Ausland kommen, um ein Ungleichgewicht bei der Energieversorgung effektiv zu verhindern. Außerdem sei das Stromnetz in Deutschland „redundant“, also gut aufgestellt, was eine Ausfallsicherheit garantiert.

Selbst wenn ein Teil des deutschen Stromnetzes ausfallen würde, gibt es immer noch die Möglichkeit, diesen Teil zu isolieren, um eine Kettenreaktion zu vermeiden.

Womit müssen die Bürger rechnen?
Die Bundesnetzagentur weiß natürlich auch, dass das Stromnetz in Deutschland nicht unverwundbar ist. Irgendwann kann es zu einem Blackout kommen und das Leben zum Stillstand bringen. In Europa, so die Experten der Bundesnetzagentur, wird der Strom in nur wenigen Tagen wieder fließen, trotzdem kann es nicht schaden, wenn die Bürger Vorsorge treffen. Diese Vorsorge betrifft einen Blackout von nur wenigen Tagen, bei einem langfristigen Stromausfall sieht das Szenario auch für die Bürger ganz anders aus. In dem Fall gibt es keine Telekommunikation mehr, elektrisch betriebene Verkehrsmittel fahren nicht mehr, auch die Wasser-/Abwasserversorger stellen ihren Dienst ein. Die Versorgung mit Lebensmittel ist gleichermaßen betroffen und was noch schlimmer ist, auch das Gesundheitswesen. Ein totaler Blackout wäre eine nationale Katastrophe. Viele Experten fordern deshalb, dass dieses Thema ganz weit oben auf der Agenda von Gesellschaft und Politik stehen muss.

Welche Vorsorge sollten die Bürger treffen?
Kommt es zu einem nationalen Blackout, dann wird schnell klar, wie groß die Abhängigkeit vom Strom ist. Jeder kann sich aber auf den Notfall vorbereiten und Wasser- sowie Lebensmittelvorräte für zwei Wochen lagern. Ein Radio, was mit Batterien funktioniert und ein Vorrat an Ersatzbatterien sollte ebenfalls in jedem Haushalt vorhanden sein. Taschenlampen, Kerzen, Gasfeuerzeuge und Streichhölzer sind wichtige Utensilien, die während eines Blackouts gute Dienste leisten. Wichtig ist ebenfalls eine Notfallapotheke mit Medikamenten, die Fieber senken oder Durchfall stoppen, auch Verbandsmaterial, Pflaster und Druckverbände sind notwendig.

Bereitliegen sollten zudem Wolldecken als Schutz gegen die Kälte. Leben im Haushalt kleine Kinder, dann ist es wichtig, ausreichend Windeln und Babynahrung zu haben. Eines der wichtigsten Geräte, wenn es zu einem längeren Blackout kommt, ist jedoch ein Gaskocher mit Ersatzkartuschen.

Warum Prepper immer mehr Zulauf bekommen
Einige sehen Prepper als Überlebenskünstler an, für andere sind sie einfach nur Spinner. Prepper bereiten sich ganz systematisch auf einen Blackout oder andere Katastrophenfälle in Deutschland vor. Das, was als kleine Gemeinschaft begann, ist heute eine Bewegung geworden, die immer mehr Zulauf hat. Die Prepper geben auf den entsprechenden Internetseiten und vor allem in den sozialen Netzwerken viele hilfreiche Tipps weiter, von denen alle profitieren können, die sich auf einen Blackout vorbereiten wollen.

Die Prepper machen der Politik zum Vorwurf, dass sich die Tipps für die Bevölkerung nur auf einen kleinen Zeitraum des Blackouts beschränken. Ein Ernstfall könnte jedoch mehrere Wochen dauern und die Menschen müssten auch darauf ausreichend vorbereitet sein. Gefährlich ist, dass wichtige Einrichtungen wie Altenheime, Klärwerke, Gefängnisse oder Krankenhäuser sehr schnell an ihre Grenzen kommen, da auch die Notstromaggregate nicht unendlich lange funktionieren. Ist der Vorrat an Diesel aufgebraucht, dann kann kein Notstrom mehr geliefert werden.

Die überwiegende Zahl von Institutionen in Deutschland ist auf einen Blackout vorbereitet, der mehrere Tage andauert. Wie gut die Bürger damit zurechtkommen, ist jedoch von mehreren Faktoren abhängig.

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Kommentare

#2 14. Januar 2022 um 19:13 Uhr
Gaskocher und Wasser sowie haltbare Lebensmittel für 10 Tage (minimal Ration) sollte man durchaus vorhalten - oder zumindest überhaupt etwas. Die Wahrscheinlichkeit ist zwar sehr gering, aber nicht ausgeschlossen - und die Risiken nehmen von Jahr zu Jahr zu.

Ein Szenario: Winter 2035 wird sehr kalt - alle Kohle und AKW sind bereits vollständig abgeschaltet, Länder wie Frankreich die überwiegend zum Heizen den eigenen AKW Strom verwenden können nichts liefern, Solarstrom bringt im tiefen Winter kaum Leistung, die Tage sind kurz. Es herrscht eine Flaute beim Wind oder die Erdgasvorräte für die Gaskraftwerke sind erschöpft und deren Leistung reicht nicht aus. Ein Blackout würde dann ggf auch großflächiger auftreten und könnte einige Tage anhalten sofern sich die Wetterlage nicht bessert. Die sehr unwahrscheinliche Maximaldauer für einen Blackout dieses Szenarios würde ich auf 5 Tage schätzen. Eher Wahrscheinlich sind kleinere Blackouts die maximal 1-2 Tage dauern.
Denn die Haushalte könnten dazu aufgefordert werden ihre Strom intensiven Geräte abzuschalten, ebenso würde die Industrie stillgelegt damit Krankenhäuser schnell wieder Strom bekommen.

Auch die Wirtschaft geht wieder zur Lagerhaltung über, denn Just in Time hat einfach zu viele Risiken deren Einsparungen sich nur Mittelfristig lohnen.

Dennoch sollte man es nicht übertreiben mit dem Vorbereiten, da sonst der Kostenfaktor einfach größer ist als das Risiko. Aber das ist auch etwas typisch deutsches, man scheut das Risiko und verliert langfristig. Überversichert, viel Gold aber dafür keine Aktien.

Vorbereitet sein ist ein guter Schutz und etwas Vernünftiges - doch worauf man sich genau Vorbereitet sollte man nicht allzu stark mit düsterer Fantasien ausmalen. In den schlimmeren Szenarien kommt es eher auf das richtige Handeln an und die richtigen Entscheidungen, darauf kann man sich selten Vorbereiten.

Meine Lösung: Ich steck mein Kopf ins Vogelhäuschen und knabber dort das Vogelfutter, immerhin Piepts bei mir auch manchmal und als Horst bin ich gern wo es Zwitschert