Das orale Mikrobiom und seine Bedeutung
Das orale Mikrobiom besteht aus über 700 Bakterienarten. Viele davon sind entweder harmlos oder sogar vorteilhaft. Nur einige wenige können Parodontitis hervorrufen. Diese Erkrankung, auch als Zahnfleischerkrankung bekannt, hat schwerwiegende Folgen. Gerötetes und zurückgehendes Zahnfleisch ist nur der Anfang. Langfristig kann sie zu Zahnverlust führen und sogar Volkskrankheiten wie Diabetes, Arthritis, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Alzheimer nach sich ziehen.
Herkömmliche Produkte und deren Einschränkungen
In der Vergangenheit nutzten viele betroffene Personen Mundspülungen. Diese enthielten oft Alkohol oder das Antiseptikum Chlorhexidin. Effektiv sind diese Produkte – sie töten die Bakterien, die Parodontitis verursachen. Eine Kehrseite hat das Ganze jedoch. Oftmals werden auch die nützlichen Bakterien im Mikrobiom angegriffen. Diese müssen sich anschließend mühsam wieder ansiedeln.
Das Problem der rasch proliferierenden Bakterien
Ein großes Problem dabei ist, dass Bakterien wie Porphyromonas gingivalis sich schneller vermehren als ihre „günstigen“ Mitbewohner. Sie bekommen quasi einen Vorsprung. Probleme treten auf, wenn das Zahnfleisch aufgrund einer vorherigen Infektion mit P. gingivalis bereits geschwollen ist. In dieser geschädigten Umgebung können neue Bakterien rasch eindringen und sich vermehren – das Risiko einer neuen Infektion steigt.
Die innovative Lösung: PerioTrap
Hier setzt die neuartige Zahnpasta, die unter dem Namen PerioTrap entwickelt wird, an. Diese innovative Zahnpasta stammt aus der Zusammenarbeit des Fraunhofer-Instituts für Zelltherapie und Immunologie mit weiteren internationalen Partnern. Sie enthält eine Verbindung mit dem Namen Guanidinoethylbenzylaminoimidazopyridinacetat. Diese chemische Substanz hat es in sich.
Wirkmechanismus der neuen Zahnpasta
Statt die schädlichen Bakterien einfach zu töten, hindert sie deren Wachstum. Stephan Schilling, der Leiter der Fraunhofer IZI Zweigstelle für Molekulare Medikamentenbiochemie und Therapieforschung, erklärt: "Die Bakterien können ihre toxischen Wirkungen nicht entfalten. So können günstige Bakterien Nischen besetzen, die ihnen normalerweise nicht zugänglich wären." Dies bedeutet, dass die Zahnpasta in Harmonie mit den gesunden Bakterien wirkt. Sanft wird das mikrobiologische Gleichgewicht im Mund wiederhergestellt und stabilisiert.
Zusätzliche Vorteile und Perspektiven
PerioTrap bietet nicht nur eine fortschrittliche Bekämpfung von Parodontitis, sondern enthält auch die üblichen Schleifmittel sowie Fluorid, um Karies vorzubeugen. Zudem ist ein Gel zur Anwendung nach zahnmedizinischen Behandlungen in der Entwicklung.
Fazit und Ausblick
Die Entwicklungen in der Zahnmedizin geben Anlass zur Hoffnung. Mit zielgerichteten Strategien gegen schädliche Bakterien könnte die Zahngesundheit vieler Personen verbessert werden. Künftig sollten solche Produkte an Bedeutung gewinnen, insbesondere für Menschen, die an chronischen Zahnfleischerkrankungen leiden.
Quelle: Fraunhofer