Tagträume helfen bei Problemlösungen

Gedankliche Aussetzer am Tage sind nicht zwangsläufig als Fehler im System zu werten. Vielfach entscheiden wir uns bewusst dazu, unseren Gedanken freien Lauf zu lassen und, wie Forscher nun herausfanden, profitieren mitunter davon.

Tagträume helfen bei Problemlösungen

15. Mai 2017 von   Kategorie: Wissenschaft
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Dass uns Konzentration im Alltag sehr wichtig ist wird uns seit der Kindheit als Ratschlag mit auf den Weg gegeben. Forscher belegen nun, dass auch das Abschweifen der Gedanken einen Nutzen hat. So hilft uns die Fähigkeit des Tagträumen bei der Vorbereitung auf zukünftige herausfordernde Situationen oder beim lösen aktueller Probleme. Voraussetzung hierfür ist ein bewusstes Lenken der Träume um die gedankliche Kreativität der möglichen oder aktuellen Probleme anzupassen.


Im Rahmen einer Studie am Leipziger Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften (MPI CBS) wurden Menschen untersucht, welche bewusst ihre Gedanken auf Reisen schicken. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass diese Menschen im Stirnbereich über stärker ausgeprägte Hirnregionen verfügen und sich bei ihnen zwei entscheidende Hirn-Bereiche stärker als normal überlappen. Die stärker ausgebildete Verknüpfung zwischen Default-Mode-Netzwerk und dem sogenannten fronto-parietalen Kontrollnetzwerk lässt die losen Gedanken in eine kontrollierte Richtung arbeiten.

Aus dem Umstand, dass beim Träumen auch Areale aktiv sind, welche die Gedanken lenken und kontrollieren und damit für die Konzentration zuständig sind, erschließt sich, dass unser Gehirn kaum unterscheidet, ob wir unsere Aufmerksamkeit auf äußere Dinge oder auf unsere Gedanken richten. Daher sollten Tagträume nicht nur als etwas Negatives betrachtet werden. Sie können sogar sinnvoll sein, neue Lösungen zu finden (sofern die Gedanken nicht zu abstrakt abschweifen). Tagträume ermöglichen das aufrufen und verknüpfen von Wissen, welches bei direkter Konzentration nicht in dieser Form auftreten würde. Sie fungieren zudem als Überbrückung langweiliger Situationen. Ebenso kann die Fähigkeit zur gedanklichen Innenschau und Kreativität führen.

Aber auch negative Seiten des Tagtraum-Phänomens stehen dem gegenüber. So treten beim Autofahren oder Radfahren häufig ungewollt Tagträume auf welche gefährlich werden können. Das Gehirn ist gelangweilt, da nur bestimmte Areale arbeiten. Allerdings benötigen diese auch Konzentration und da der Mensch nicht wirklich Multitaskingfähig ist, sondern nur sehr schnell hin und her schaltet zwischen mehreren Aufgaben und damit Gehirnbereichen, bleibt die Aufmerksamkeit nur immer bei einem Denkprozess aktiv. Bei monotoner Hirnnutzung ist das Gehirn also sehr verlockt, und eigentlich sinnvollerweise, die Kapazität auszudehnen und dem Gehirn durch Kreatives abschweifen eine Vorbereitung zu ermöglichen. Das verarbeiten und verknüpfen von Informationen findet sonst nur in der Schlafphase statt.
 
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Die positiven Aspekte des Tagträumens


Kreativität und Problemlösung: Tagträumen ist mehr als nur eine flüchtige Fantasie. Es spielt eine bedeutende Rolle im kreativen Denken. Gedanken, die frei umherwandern und später kontrolliert werden, können das kreative Potenzial wahrhaft ankurbeln — das haben zahlreiche Studien hervorgebracht. Forscher haben herausgefunden, dass solche Tagträume dabei helfen, außergewöhnliche Verbindungen herzustellen. Sie fördern somit den Prozess, kreative Lösungen zu entwickeln.

Zukunftsplanung im Gedächtnis


Der mentale Prozess, in dem wir zukünftige Szenarien durchspielen, hängt stark mit dem Default Mode Network (DMN) zusammen. Dieses Netzwerk im Gehirn unterstützt die Vorbereitung auf Herausforderungen. Antizipation ist somit kein Fremdwort. Es erinnert an das Simulieren verschiedener Probleme, die im Kopf stattfinden. Das sorgt für bessere Planungen und Entscheidungsprozesse.

Mentale Erholung und Wissensverknüpfung


Beim Tagträumen verarbeitet unser Gehirn interne Repräsentationen. Dabei wird das Wissen verknüpft und kreativer abgerufen. Dies geschieht während wir uns nicht direkt mit bestimmten Aufgaben befassen — ganz anders, als es im Alltag oft notwendig ist. Das Tagträumen fördert somit die kreative Nutzung des Gelernten in neuen Kontexten — eine Fähigkeit, die oft übersehen wird.

Grenzen und mögliche negative Folgen


Aufmerksamkeit ist entscheidend. Tagträumen kann gefährlich sein — besonders beim Autofahren oder Radfahren. Aufgaben, die volle Konzentration erfordern, verlangen Fokussierung. Menschen sind nicht in der Lage, echtes Multitasking zu betreiben — der schnelle Wechsel zwischen Gedanken führt zur Beeinträchtigung der Leistung. Das zeigt sich besonders stark, wenn innere Gedanken den Fokus überlagern.

Kognitive Kontrolle und Unterschiede zwischen Stilen


Nicht alle Tagträume sind von Vorteil. Es gibt Unterschiede in der Art und Weise, wie Tagträumen erlebt wird. Studien belegen, dass „positive konstruktive Tagträume“ eine höhere Kreativität und Anpassungsfähigkeit aufweisen. Im Gegensatz dazu stehen Tagträume, die durch eine mangelhafte Aufmerksamkeitskontrolle entstehen. Diese „poor attentional control“ ist oft mit niedrigeren kreativen Leistungen verbunden, was der Zielverwirklichung schaden kann.

Individuelle Variationen und Möglichkeiten


Forschung zur exekutiven Funktion legt nahe, dass Menschen, die ein starkes Arbeitsgedächtnis und eine hohe Aufmerksamkeitskontrolle besitzen, weniger Zeit mit unkontrolliertem Tagträumen verbringen — das ist eine interessante Beobachtung. Auf der anderen Seite neigen Menschen mit anderen kognitiven Mustern eher dazu, abzuschweifen. Dies kann sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich bringen — die Balance zu finden, ist entscheidend.

Quellen:
  1. (Forschungszentrum Jülich)
  2. (forschung-und-wissen.de)
  3. (PubMed)
  4. (ScienceDirect)
  5. (PubMed)
  6. (PubMed)
  7. (SpringerLink)