Click & Meet - wie klappt das Shoppen nach Termin?

Artikel von Tommy Weber am 19. März 2021 um 08:22 Uhr im Forum Politik, Umwelt, Gesellschaft - Kategorie: Trend & Lifestyle

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Click & Meet - wie klappt das Shoppen nach Termin?

19. März 2021     Kategorie: Trend & Lifestyle
In der Corona-Pandemie ist Ideenreichtum gefragt, vor allem die Einzelhändler sind diejenigen, die sich etwas einfallen lassen müssen. Der Lockdown dauert zwar an, aber es gibt mittlerweile Möglichkeiten, die Ware doch an den Kunden oder die Kundin zu bringen. Click & Meet heißt es jetzt für alle, die einkaufen wollen. Klicken und treffen ist in etwa so wie ein Privatshopping für besonders betuchte Kunden, einige wenige Kunden haben einen Laden praktisch für sich allein. Aber wie sieht Click & Meet in der Wirklichkeit aus? Ist es wirklich so einfach, einen Termin im Lieblingsgeschäft zu vereinbaren und dann nach Herzenslust einzukaufen?

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Wann ist Click & Meet erlaubt?
Die Politik hat einen neuen Plan vorgelegt, nach dem es möglich ist, in bestimmten Gegenden nach einer vorherigen Terminvereinbarung einkaufen zu gehen. Die Geschäfte müssen in einer Stadt oder in einem Landkreis liegen, in denen der sogenannte 7-Tage-Inzidenzwert zwischen 50 und 100 beträgt. Ist dem Fall können die Kunden das Geschäft kontaktieren und nach einem Termin fragen. Click & Meet ist seit dem 8. März möglich und offenbar kommt diese Idee der Öffnungsstrategie gut an. Wer einkaufen möchte, ruft im Geschäft an oder meldet sich auf dem Onlineweg und hinterlässt seine Kontaktdaten für die mögliche Nachverfolgung der Infektionskette. Die Mitarbeiter im Laden vergeben dann die Termine, wann es möglich ist, vorbeizuschauen und einzukaufen.

Nicht ganz so einfach
Wer schon einmal versucht hat, einen Termin bei einem bestimmten Facharzt zu bekommen, kennt das Problem: Die Leitungen sind nicht selten ständig belegt oder es geht niemand ans Telefon. Alle, die Glück haben, bekommen zwar einen Termin, aber meistens erst Wochen oder Monate später. Click & Meet müssen sich Einkaufswillige ganz ähnlich vorstellen. Die großen Bekleidungsgeschäfte haben auf ihrer Internetseite einen Link, der die Kunden zur Buchung weiterleitet. Der Link funktioniert jedoch nicht immer wie gewünscht, zeitweise sind die Server einfach überlastet. Bleiben weitere Versuche erfolglos oder verschwindet zwischenzeitlich sogar der entsprechende Button, dann bleibt immer noch die Möglichkeit, den Laden telefonisch zu erreichen. Funktioniert das ebenfalls nicht, ist es sinnvoll, einfach sein Glück im Shop selbst zu versuchen, mit etwas Glück kann der Kunde dann kurze Zeit später einkaufen.

Einkaufen mal anders
Alle, die ihre Kontaktdaten nicht schon online hinterlassen haben, müssen sich am Eingang des Shops registrieren und ihre Daten in eine Liste eintragen. Einige Shops möchten von ihren Kunden und Kundinnen dazu noch einen Corona-Schnelltest. Danach heißt es warten, bis die Durchsage kommt, dass von nun an die 30 Minuten laufen, in denen die Kunden einkaufen dürfen. Je nach Größe des Geschäfts gehen in dieser halben Stunde bis zu fünf Kunden und Kundinnen durch den Laden, was zur Folge hat, dass in vielen großen Geschäften es mehr Verkäuferinnen als Kundschaft gibt . So etwas lässt ein Gefühl von VIP-Shopping aufkommen, denn die Verkäuferinnen beraten persönlich und die Kunden können in aller Ruhe stöbern.

Für die einen ist die halbe Stunde zum Einkaufen viel zu kurz, für andere sind die 30 Minuten definitiv zu lang. Sie finden einfach nicht das Gesuchte und fühlen sich offensichtlich in dem fast menschenleeren Laden auch nicht so richtig wohl.

Vorteile und Nachteile bei Click & Meet
Es gibt kein Gedrängel, keine langen Schlangen an der Kasse, keine überforderten und gestressten Verkäuferinnen und vor allem ist das Einkaufen in der Corona-Krise herrlich ruhig. Keine schreienden Kinder, keine genervten Kunden und auch keine Unordnung. Das Einkaufen verläuft völlig entspannt, natürlich tragen alle Maske und der Sicherheitsabstand wird ebenso eingehalten.

Ein Nachteil bei der Click & Meet Methode ist jedoch, dass die Umkleidekabinen geschlossen sind. Anprobieren ist nicht möglich, so etwas muss zu Hause passieren. Sollte ein Teil nicht passen oder nicht den Erwartungen entsprechen, dann muss es vor Ort, also wieder mit einer Buchung im Geschäft umgetauscht werden. Dieses Prozedere ist natürlich etwas nervig, da der ganze Prozess von vorne beginnt. Viele lassen sich davon jedoch nicht abschrecken, sie denken sich wahrscheinlich: Lieber auf diese Weise einkaufen gehen, als weiter gefrustet zu Hause sitzen.

Sieht so das Einkaufen in der Zukunft aus?
Im Moment ist das Click & Meet Konzept die einzige Möglichkeit, wieder etwas Normalität zurückzubekommen. Sicher ist das Einkaufen nach Termin ein entspanntes Einkaufen, sowohl für die Kundschaft als auch für die Mitarbeiter in den Geschäften. Ob sich das Ganze auf Dauer durchsetzen wird, ist allerdings zu bezweifeln. Selbst wenn die Hygienekonzepte in den großen Geschäften stimmen, ständig nur mit einem Termin einkaufen zu gehen, gefällt nicht allen Menschen. Diejenigen, die sich damit nicht anfreunden können, werden entweder ganz aufs Shoppen verzichten oder weiter im Internet einkaufen. Der Gedanke hinter Click & Meet, die heimische Wirtschaft zu unterstützen, wird auf diese Weise nicht aufgehen, gerade in einer einkaufsstarken Zeit wie dem Weihnachtsgeschäft lässt sich dieses Konzept auf keinen Fall aufrecht halten.

Wer bietet Click & Meet an?
Möglich ist Einkaufen nach Termin bei den großen Modehäusern wie H&M, C&A oder Zara, es gibt auch kleinere Läden, die so versuchen, im Geschäft zu bleiben. Aber je kleiner die Ladenfläche ist, umso weniger Kunden können sich im Geschäft aufhalten. Einige Unternehmen, wie beispielsweise der Store von Nike in Berlin, bietet die Buchung von Terminen über die Eventplattform „Eventbrite“. Für Click & Meet entschieden haben sich nicht nur viele Modegeschäfte, auch einige Baumärkte wie Hornbach oder das schwedische Möbelhaus Ikea ermöglichen den Einkaufsbummel mit Termin. Klicken und treffen ist zudem bei Technik-Fachgeschäften wie Saturn oder Media Markt möglich.

Leider haben die Unternehmen keine einheitliche Regelung für das Einkaufen mit festem Termin, unterschiedlich sind ebenfalls die Regeln in den einzelnen Bundesländern. Wer also ein neues Sofa bei Ikea oder einen Fernseher bei Saturn kaufen möchte, sollte sich vorher auf der Seite des Unternehmens informieren.

Kann der Einzelhandel durchhalten?
Maximal ein Kunde auf 40 Quadratmeter Ladenfläche – so sieht aktuell das Shoppingerlebnis in vielen deutschen Städten aus. Die erste Bilanz der kleinen Einzelhändler sieht eher bescheiden aus. Sie verlieren eine Menge Geld und müssen, wenn sie keine ausreichenden Reserven haben, mit dem Schlimmsten rechnen. Click & Meet ist eine nett gemeinte Idee, aber sie wird die kleinen Händler nicht vor der Pleite bewahren, sie zögert den Prozess nur noch etwas hinaus.

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Bildquelle: © Depositphotos.com / Bihlmayerfotografie
 

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