Darum ist Tempo 30 Innerorts ein muss

Artikel von raid-rush am 12. Mai 2021 um 14:43 Uhr im Forum Auto & Motorrad - Kategorie: Politik & Recht

Darum ist Tempo 30 Innerorts ein muss

12. Mai 2021     Kategorie: Politik & Recht
Spanien hat als erstes Land in der EU seine Verkehrsregeln geändert und Studien ernst genommen. So gilt nun in allen Städten 30Km/h anstelle von 50. Das hört sich für Fahrer erst mal an als würde man total ausgebremst, das subjektive Gefühl sagt, jetzt geht alles im Schneckentempo. Doch das täuscht, denn Messungen und Studien zeigen die deutlich überwiegenden Vorteile der niedrigeren Geschwindigkeit. In diesem Artikel erklären wir, warum diese Regelung unvermeidbar und wichtig ist.

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Spanien setzt es um, Tempo 30 für einen sicheren Verkehr. Die Verkehrsberuhigung entschleunigt auch den Fahrer und wirkt auf die Fahrpsychologie.


1. Durchschnittlich gleich schneller
Durch Städte zu fahren dauert meist länger, das liegt vor allem an Ampeln und Kreuzungen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt kaum über 30Km/h meist weit darunter. Der Verkehrsfluss kann durch eine optimierte Geschwindigkeit deutlich verbesser werden. Man spart beim vollen ausreizen der Maximalgeschwindigkeit auf den meist kurzen Distanzen durch Städte keine Zeit. Objektiv sind es nur wenige Sekunden oder weniger als 5% Prozent der Fahrzeit.


2. Verkehrsfluss wird nicht beeinträchtigt
Eine Senkung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit hat in den meisten Fällen keinen nennens-werten Einfluss auf die Leistungsfähigkeit einer Hauptverkehrsstraße für den Kfz-Verkehr. Andere Faktoren wie die Qualität der Lichtsignalprogramme, die Anzahl querender Fußgänger oder Bus-halte, Parkvorgänge oder Halten in zweiter Reihe haben in der Regel einen größeren Einfluss.Die Funktion einer innerstädtischen Hauptverkehrsstraße für den Kfz-Verkehr wird daher durch Tempo 30 nicht oder nicht nennenswert beeinträchtigt.


3. Weniger Feinstaub und weniger Abgase
Der Reifenabrieb und Bremsbelag-Abrieb verringert sich deutlich, diese machen einen Großteil des schädlichen Feinstaubs aus. Dazu kommt der verringerte Kraftstoffverbrauch und weniger Abgase, aufgrund das weniger Hochbeschleunigen und den verringerten Roll- und Luftwiderstand.


4. Weniger Lärm und weniger schwere Unfälle
Auch der Lärm durch den verringerten Rollwiderstand ist erheblich reduziert ebenso der Motorlärm, durch das leichtere und kürzere Beschleunigen bis zur maximal zulässigen Höchstgeschwindigkeit, nimmt ab.


5. Mehr Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer
Der Verkehrswandel solle mehr Radfahrer und Fußgänger in die Städte bringen und diese werden besser geschützt und weniger durch Autoabgase und Lärm belästigt. Die Unfälle werden weniger schwer und gehen allgemein zurück. Der Bremsweg inklusive Reaktionszeit reduziert sich von 15 auf 5 Meter.


Die Studien wurden an vielen Straßen durchgeführt und belegen die genannten Fakten:
umweltbundesamt.de/../publikationen/wirkungen_von_tempo_30_an_hauptstrassen.pdf



Fazit zur Qualität des Verkehrsflusses und zu den Reisezeiten im Kfz- und öffentlichen Verkehr:

In der Praxis wurden bei Messfahrten Reisezeitverluste an Tempo-30-Strecken von 0 bis 4 Sekunden je 100 Meter festgestellt. Dies ist auch bei längeren Abschnitten oder einer Aneinanderreihung von mehreren Regelungen volkswirtschaftlich kaum relevant.Wichtiger für die subjektive Wahrnehmung und damit die Akzeptanz von Tempo 30 ist die Homogenität des Verkehrsflusses. Der Verkehrsfluss kann Messungen zufolge bei Tempo 30 besser sein als bei Tempo 50. (Obwohl in der Studie keine Optimierung der Grünen-Welle an das neue Tempo vorgenommen wurde)

Fazit zur Lärmbelastung: Tempo 30 führt in der Mehrzahl der untersuchten Fälle zu wahrnehmbaren Lärmentlastungen. Dazu tragen vor allem nachts auch die geringeren Lärmspitzen bei.

Fazit zur Luftreinhaltung: Tempo 30 reduziert die Luftschadstoffbelastung, wenn es gelingt, die Qualität des Verkehrsflusses beizubehalten oder zu verbessern.

Die Umgewöhnung dauert natürlich einige Wochen, denn es kommt einen subjektiv sehr langsam vor. Im Selbstversuch mit Stoppuhr wird man feststellen, das man kaum Zeit verliert - wer logisch denkt und es ausrechnet kann sich das auch sparen. Auf kurzen Strecken lässt sich selbst mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit kaum Zeit gewinnen, das sollte Rasern zu denken geben. Zeit einsparen geht also nur auf langen Strecken wenn die Durchschnittsgeschwindigkeit gesteigert wird.


Wenn die Lobby Strohköpfe als Verkehrsminister abgewrackt werden, gibt es womöglich auch eine sinnvolle Weiterentwicklung im Straßenverkehr... anstelle von Milliarden Steuergeld Verschwendung.
 

Kommentare

#2 12. Mai 2021
Zuletzt bearbeitet: 12. Mai 2021
wär mal was. aber in D sowas? es wird schon seit generation für tempo 130 auf autobahnen populiert, aber das wird niemals kommen. nicht in diesem autoland. kauft den neuen porsche, er ist abgeriegelt auf 150. dann kann ja jeder mit nem golf 2 rumfahren
 
#3 20. Mai 2021
Als Berufskraftfahrer und geborener Berliner kann ich nur bemerken das Tempo 30 oder 50 auf kurzen Strecken keinen nennenswerten Unterschied macht aber bei der Fläche von Berlin, von Mahrzahn nach z.B. Spandau total unrealistisch! Wenn ich mit 40 Tonnen in der täglichen Versorgung 4 h brauche statt 45 Minuten wird nicht weniger Abgas produziert sonder über die Zeit viel mehr!!!
Diese Vorderung stammt merist von zugezogenen Dörflern ,Hipstern und Alternativen die doch bitte wieder in ihre Provinz zurück ziehen sollten wenn sie ihr Kleinstadtleben nach Berlin tragen wollen.
 
#4 20. Mai 2021
Zuletzt bearbeitet: 21. Mai 2021
In Spanien ist das so geregelt, dass lange und wichtige Hauptstraßen größeren Städten weiterhin 50 bleiben. Das kann für jede Straße ja sehr leicht untersucht werden. Lange Straßen ohne Ampel und ohne darauf befindliche Radwege oder sonstige Hindernissen haben sicher bei 50 mehr Effizienz.

Es gäbe sicher auch eine Optimierung für 40Kmh bei bestimmten Strecken, nur das will man halt nicht, vermutlich denkt man dann ist das Hirn überfordert... oder es hat irgend welche anderen Gründe warum man nicht auf 40KmH reduziert.

Im Autoland Deutschland fasst der Lobby Politiker besser nichts an, nach dem Motto, so schnell wie geht, nur nichts verändern am Bürokratiewahnsinn damit der Bund die Länder und Kommunen blockieren kann, bei Verkehrsmaßnahmen die zur Sicherheit dienen. Total Be-Scheuert.
So darf eine Stadt keine Begrenzung für Geschwindigkeit einführen, selbst wenn es sinnvoll ist... ist nicht legal - da Bundesgesetz vorgeht. Wenn die Stadt also an Risiko-Stellen 30 will, geht das nicht ohne weiteres.
Häufig liegt es aber auch an der Inkompetenz der Lokalpolitiker bzw Bürokraten - da es wohl zu kompliziert ist.
 
#5 23. Mai 2021
Ich kenne kaum Städte die mittlerweile nicht fast überall 40kmh oder 30kmh haben. Fast überall in meiner Heimatstadt. Ist offensichtlich nicht sonderlich schwer.
 
#6 23. Mai 2021
Gut möglich, wenn allerdings an Raser geblitzt wird und vor Gericht geht, könnte es gekippt werden... das ist dann der Fall, wenn die Begründung für des Limit nicht gültig ist oder zu ungenau. Gab einige Tempolimits die vom Gericht gekippt wurden. Auch wenn es jetzt deutlich leichter geworden ist Tempolimits durchzusetzen. Generell gilt, 50 und ohne gute rechtliche Grundlage bzw Begründung, ist es nicht wirksam, oder nur so lange bis sich einer beschwert oder geblizt wird.

Rechtlich einfacher wäre es also für Städte wenn 30 Normal ist und 50 Beschildert wird.
 
#8 23. Mai 2021
Zuletzt bearbeitet: 23. Mai 2021
lol also das geht dann schon sehr weit... das machen manche Länder weil sie kein Geld für Radarfallen haben, da bauen die solche "Bumper" auf, zB Italien.
Ich halte davon nichts, weil erstens teuer, zweitens gefährlich. Also wenn man Geld investieren will gegen Raser dann baut man eben feste Fallen auf mit empfindlichen Strafen.
Es gibt moderne kleine Radarfallen die müssen ja nur Kennzeichen Scannen mit Nachtsicht, Blitzer ist quasi veraltet. Wer dann der Fahrer ist spielt keine rolle, die sieht man meist eh schlecht und im zweifel war es dann jemand anders, also rechtlich eh fraglich. Das soll sich der Fahrzeughalter also dann selbst überlegen wer es war, letztendlich wird da also nicht mehr gerast weil man erwischt wird.
Die stellen wo gerast wird sind doch meist bekannt, durch mini Radarzähler also baut man an den stellen wo es viele gibt die Fallen auf und gut ist.

Die Fallgrube ist nur teuer und unnütz. Zweiradfahrer sind eh schon mit einem Fuß im Grab(en) wenn sie aufsteigen, also noch mehr Risiko braucht es nicht, die sollten eher Organspendepflicht verbindlich zum Zweirad machen das lohnt sich eher für die Gesellschaft.

Noch mal zu den Blizern, die einfachst Möglichkeit sind Kennzeichen-Scanner an bestimmten Schnittstellen im Verkehr. Damit lässt sich die Durchschnittsgeschwindigkeit für bestimmte Abschnitte erfassen und eindeutig feststellen ob jemand viel zu schnell unterwegs war. Das ist die günstigste Variante und deckt quasi das komplette Verkehrsnetz ab wenn es richtig gemacht ist. Algorithmen können exakt berechnen welche Möglichkeiten zum fahren es gibt und wie lange jemand dafür mindestens brauchen muss etc. weiterer Vorteil ist. Man kann den Verkehr optimieren weil man ein exakte Verkehrserfassung hat. "KI" kann dann den Verkehrsfluss verbessern.

Am 14.11.2020 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht die Rechtmäßigkeit des Streckenradars Section Control. Die Messung ist somit nun endgültig zulässig.

Zudem hat die Reduktion auch Vorteile für den schwierigen und anspruchsvollen Stadtverkehr für das Autonome Fahrzeug. Sobald deutsche Autokonzerne in den nächsten Jahren ihre Modelle mit Autopilot bereit haben, wird die Lobby hier auch grünes Licht geben und mit ziehen.

Es gibt quasi keine Vorteile welche die Nachteile überwiegen für 50 Innerorts - hinterher wird man sagen, wow warum haben wir dafür so lange gebraucht...