Datenschützer: Schüler erziehen, nicht verdaten

Dieses Thema im Forum "Netzwelt" wurde erstellt von Melcos, 10. Januar 2007 .

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  1. #1 10. Januar 2007
    Datenschützer: Schüler erziehen, nicht verdaten

    Am morgigen Donnerstag diskutiert der Bildungsausschuss des Landes Schleswig-Holstein den Entwurf eines neuen Landesschulgesetzes. Unter dem Stichpunkt "Umstellung der Schulstatistik auf Individualdaten mit bundeseinheitlichem Kerndatensatz" wird dabei eine gravierende Veränderung verabschiedet: Jeder Schüler soll dabei eine Schüler-ID erhalten, die ihn lebenslang auf seinem Bildungsweg begleiten soll und in einer Schülerdatenbank gespeichert wird. Nun protestiert das unabhängige Datenschutzzentrum Schleswig-Holstein (ULD) gegen diese Schüler-ID, die bereits auf der letzten Bundeskonferenz der Datenschützer in die Kritik geraten ist. Auch bei den Big Brother Awards 2006 wurde die neue Statistik der Bildungsforscher mit einem Negativpreis ausgezeichnet.

    Der Entwurf des neuen Schulgesetzes wird von den schleswig-holsteinischen Datenschützern kritisiert, weil die Datensammlung zur Erstellung von "Bildungsverlaufsanalysen" die gesamte schulische Karriere umfasst. Dabei ist die ID so gestaltet, dass die Karriere einzelner Schüler verfolgbar wird, trotz Pseudonymisierung und Verwendung einer "zweiten Datenbank", in der nur die pseudonymen Daten stehen sollen. So erklärt Thilo Weichert, Leiter des unabhängigen Datenschutzzentrums in einer Stellungnahme: "Der Informationsbedarf der Kultusverwaltung darf nicht dazu führen, dass landes- und bald bundesweit ein Register über sämtliche Schülerkarrieren vorliegt. Die Gefahren schon beim Gebrauch sind immens; die Missbrauchsrisiken unüberschaubar. Die Schülerdatei ist als Instrument geeignet, Ausbildungs- und Berufskarrieren zu zerstören."

    Neben der lebenslangen Schüler-ID soll der Datensatz eines Schülers Angaben zu den besuchten Schulen und dem besuchten Unterricht enthalten, dazu Geschlecht, Geburtsmonat und -jahr, Ersteinschulung, Staatsangehörigkeit, nichtdeutsche Verkehrssprache, Art der Wiederholungen, Schwerpunkte der Unterrichtseinheiten (Fremdsprachen, Förderschwerpunkt, Ganztagsbetreuung). Nachschulische Angaben betreffen den Ausbildungsberuf oder das Studium, die Fachrichtung sowie die "Stellung im Beruf und Wohnort" als Merkmal, ob ein angestrebter Berufsweg vollendet wurde. Daneben wollen die Bildungsforscher auf Kerndatensätze der Schulen zurückgreifen, die Angaben über Klassen und Kurse, Schülerzahlen, Zahl der Lehrkräfte inklusive Karriere oder "Lehrkraftsbewegungen" enthalten.

    Insgesamt entsteht nach Ansicht der Datenschützer ein Datenkonglomerat, mit dem die angedachte Pseudonymisierung wieder aufgehoben werden kann. Ein Hintergrundpapier zur neuen Schülerstatistik spricht von einem unverhältnismäßigen Eingriff in das Recht auf informationelle Selbstbestimmung, der wegen der fehlenden Zweckbeschreibung und -begrenzung der Individualstatistik auch ein Verstoß gegen die Normenbestimmtheit sei.

    Quelle: heise.de
     

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  3. #2 11. Januar 2007
    Schleswig-Holstein will den gläsernen Schüler

    Über Gesetzesentwurf wird heute im Landtag diskutiert
    Über den Entwurf des geplanten Schulgesetzes zur Einführung einer Individualstatistik jedes einzelnen Schülers wird heute im Landtag von Schleswig-Holstein diskutiert. Dieser Worst Case der Informationssammlung und -verarbeitung über alle personenbezogenen Daten der Karrieren von Schülerinnen und Schülern dieses Bundeslandes scheint in absehbarer Zeit zur schrecklichen Realität zu werden.


    Das Vorgehen solle der Erstellung von Bildungsverlaufsanalysen dienen. Jede Schülerin und jeder Schüler sollen bei der Einschulung eine Schüler-ID als Pseudonym erhalten, mit der Daten über die gesamte Laufbahn gesammelt werden. Gemeint sind damit z. B. besuchte Kurse, individuelle Besonderheiten wie Staatsangehörigkeit. Geschlecht, Muttersprache, Konfession, Förderschwerpunkte, wiederholte Klassen, Herkunft des Schülers etc. etc. Gemeint ist also eine Analyse der Schul- bzw. Abbrecherkarrieren, nicht der Rückschluss auf einzelne Schüler. Dieser aber ist durch die Verknüpfung mit der entsprechenden Schüler-ID nicht als übermäßig schwierig zu bezeichnen. Es stellt sich die Frage nach dem Sinn solcher kostspieligen Analysen, die Möglichkeiten zum Missbrauch erscheinen dem hingegen nahezu unbegrenzt. Nach Ansicht des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz (ULD) ist dieser Gesetzesentwurf in der geplanten Fassung sogar verfassungswidrig.

    {bild-down: http://www.gulli.com/fileadmin/news_teaser/Kind_mit_Schult_te.jpg}

    Der Jurist und Landesbeauftragte für den Datenschutz für Schleswig-Holstein Thilo Weichert dazu:

    "Der Informationsbedarf der Kultusverwaltung darf nicht dazu führen, dass landesweit und bald bundesweit ein Register über sämtliche Schülerkarrieren vorliegt. Die Gefahren schon beim Gebrauch sind immens; die Missbrauchsrisiken sind unüberschaubar. Die Schülerdatei ist als Instrument geeignet, Ausbildungs- und Berufskarrieren zu zerstören."

    Auf den BigBrother Awards wurde schon vor einem halben Jahr die Kultusministerkonferenz der Länder (KMK) für ihren Versuch, seit 2000 die lebenslangen Schüler-IDs einzuführen, mit der Preisverleihung eines Awards bedacht. Frau Karin Schuler am Ende ihres Vortrages über die Schüler-IDs anlässlich der BigBrother Awards: "Setzen: Sechs." Dem wollen wir nicht widersprechen.


    quelle: gulli untergrund news
     
  4. #3 11. Januar 2007
    AW: Schleswig-Holstein will den gläsernen Schüler

    Gut für die guten, schlecht für die schlechten.
    Is ne gefährliche seperation von Menschen.

    Die schlechten, da werden dinge wie prügelleien aufm schulhof viel schwerer ausfallen, wobei für gymnasasten zB die viele kurse besuchen alles positiver ausfällt.

    Das system is müll
    Lieber bei der guten alten akte bleiben.
     
  5. #4 11. Januar 2007
    AW: Datenschützer: Schüler erziehen, nicht verdaten

    das ist sowas von sinnlos und dumm :rolleyes:

    wir haben sowieso ein schulsystem das auf die kosten der leute geht die etwas nicht sofort verstehen.
    aus diesem grund sind wir auch so abgrundtief schlecht bei pisa :rolleyes:

    komischerweiße schneiden die länder die eigentlich die schwächeren fördern besser ab.
    aber das sieht man hier als politiker in deutschland nicht xD
     

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