Datenschutz: Drei Viertel der Europäer besorgt, aus völlig falschen Gründen

Dieses Thema im Forum "Netzwelt" wurde erstellt von zwa3hnn, 30. Januar 2008 .

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  1. #1 30. Januar 2008
    Dass ihre persönliche Daten im Internet zu finden sind, besorgt nach einer EU-Umfrage drei von vier Europäern. Die EU-Kommission will sich mit den Bedenken der Bürger beschäftigen, kündigte EU-Kommissar Franco Frattini an - nur sollte davon nicht allzu viel zu erwarten sein. Die Bürger sorgen sich nämlich um die falschen Dinge. Was dem Netzzensur-Hardliner und Terror-Paniktreiber Frattini mehr als entgegenkommen dürfte.

    Fast 75 Prozent der Befragten einer EU-Erhebung seien um die Sicherheit ihrer Daten online besorgt, verkündete Frattini im Vorfeld der Präsentation der Untersuchung. Unter anderem die Datenschutzbestimmungen von Google, Yahoo, Microsoft und anderer Suchmaschinenbetreiber waren Thema der Umfrage.

    Und auch Daten, die durch Behörden, Regierungen, Finanzinstitute, Polizei, Steuerbehörden und so weiter erfasst wurden. Seltsamerweise sorgten sich hier nur noch die Hälfte der Befragten um die Sicherheit ihrer Daten - selbst nach den peinlichen Zwischenfällen in Großbritannien, wo aktuell der Eindruck entsteht, dass kaum ein Amt in der Lage ist, elementarste Sicherheitsrichtlinien zu gewährleisten.

    Ganz im Gegensatz zu den angesprochenen Suchmaschinenanbietern - hier gab es nur mit der Anonymisierungspanne der AOL-Suchlogs einen vergleichbaren Zwischenfall. Womit die Wirklichkeit und die öffentliche Wahrnehmung derselben extrem auseinandergehen - mit dem Missbrauch und schlampigen Umgang mit personenbezogenen Daten glänzen bislang vor allem staatliche Organisationen.

    Damit ist die Desinformation bei den Bürgern immer noch auf einem erschreckend hohen Niveau: so wird zwar von "wachsender Besorgnis" anläßlich der "Big Brother"-Tendenzen einiger EU-Regierungen, beispielsweise in Bezug auf Adress- und Bankdaten, die von Bürgern oder Privatunternehmen an staatliche Stellen weitergegeben werden (müssen), dennoch verfängt die Terrorkeule nach wie vor hervorragend. Frattini kann sich über eine Bevölkerung freuen, die zu großen Teilen auf die Propaganda von der terroristischen Bedrohung hereingefallen ist, die nur mit dem Generalverdacht gegen alle bekämpft werden kann.

    So hätten die Bürger laut Frattini "Verständnis" dafür, dass private Daten ausgespäht werden müssen, um Terrorverdächtige zu fangen und Kriminalität zu bekämpfen. Erschreckende 75% der Bürger halten es unter "bestimmten Umständen" für gerechtfertigt, dass ihre Telefongespräche überwacht werden, 70% sind damit einverstanden, dass die Nutzung ihrer Kreditkarten überwacht wird. Und gar 85% der Befragten lehnen eine Überwachung der Daten aller Flugreisenden nicht ab.

    Demnach müssen vermutlich noch einige "Daten-GAUs" passieren, müssen noch einige Bürger zu Unrecht in Untersuchungshaft gesteckt oder umfassender Beschnüffelung ausgesetzt werden, bis die Richtung klar wird, aus der die Bedrohung der Bürgerrechte kommt. Spätestens dann kann man gespannt sein, ob ein EU-Kommissar weiter so selbstbewusst aus Meinungsumfragen berichtet, die unter seinen Verdächtigen - Bürger wäre ja etwas zu beschönigend formuliert - durchgeführt wurden.


    quelle: gulli untergrund news
     

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