Der schussfeste Schneider von Bogota

Dieses Thema im Forum "Politik, Umwelt, Gesellschaft" wurde erstellt von cHaK, 21. Juli 2007 .

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  1. #1 21. Juli 2007
    Hab was interessantes gefunden,also ich fands jedenfalls interessant ;)

    Miguel Caballero stellt in Bogotá schusssichere Kleidung her. Aber nicht irgendwelche: Der 39-Jährige gilt als der Armani der schussicheren Couture. Selbst Krawatten macht er kugelfest. Und wenn die Dinge fertig sind, probiert er sie mit einen gezieltem Schuss an seinen Mitarbeitern aus.

    Es geht ein wenig anders zu, wenn der Schneider von Bogota zur Arbeit schreitet - Miguel Caballero hat nicht Zwirn und Nadel in der Hand, sondern einen Revolver. Caballero stellt schusssichere Kleidung her, und am liebsten erprobt er sie am lebenden Objekt. Heute ist das Alex Vega aus der Finanzabteilung seiner Firma. "Ich werde aus fünf Zentimeter Entfernung mit scharfer Munition auf seine Lederjacke schießen", kündigt Caballero an. Der 39-Jährige genießt diese Vorführungen - er hat sie dutzendfach für Könige, Politiker oder Unternehmer gemacht. Die Näherinnen halten sich schon mal die Ohren zu.

    Ihr Chef zielt mit dem Revolver auf den Bauch seines Buchhalters - und drückt ab. Versuchsobjekt Alex atmet erleichtert auf, während Cabellero im aufgerissenen Innenfutter nach der Kugel zu suchen beginnt. "Ich habe nur einen leichten Druck verspürt", sagt Alex. "Es hat überhaupt nicht weh getan."

    Schick und Sicherheit

    Das Erfolgsgeheimnis des Schneiders: Seinen Jacken sieht man die Panzerung nicht an. Caballero ist der Armani der schusssicheren Couture. In einer gewalttätigen Gesellschaft wie der kolumbianischen blüht sein Geschäft: Hier lässt sich die Kombination von Schick und Sicherheit besonders gut zu barer Münze machen. Seit mehreren Jahrezehnten tobt im Land ein aberwitziger Bürgerkrieg zwischen linksgerichteten Rebellen und rechten Paramilitärs. Entführungen halten das Land in Atem, der Drogenhandel finanziert die blutigen Auseinandersetzungen.
    Schusssichere Krawatten

    Mit vier Angestellten hat Caballero angefangen, 130 Angestellte sind es heute. Die durchschnittlichen fünf Kilo einer herkömmlichen Schussweste hat er auf gut ein Kilo gedrückt, dank der ausgetüftelten Material-Mischung seiner speziellen Panzer-Einlagen. Die werden in das Kleidungsstück eingeschoben.

    Caballero produziert sogar Krawatten, die kugelfest gefüttert sind. Die Kunden sind beeindruckt. "In Kolumbien ist es wichtig, diskret zu sein", sagt der Architekt Jorge Solano vorn im Verkaufsraum, "man sollte seine Schutzbedürftigkeit nicht zeigen. Und deswegen gefallen mir diese unscheinbaren Schusswesten." Vor allem in Mexiko, Brasilien oder Russland hat der Schneider von Bogota feste Abnehmer. Insgesamt liefert er in 22 Länder.

    Ein heikles Thema ist für ihn die eigene Kundschaft, und deshalb hat er die "Clinton -Liste" stets zur Hand. Darin sind Tausende von Personen aufgeführt, die nach US-Einschätzung mit dem Drogenhandel zu tun haben. "Jeder, der hier vermerkt ist, hat bei uns Hausverbot", sagt Caballero. "Wir treiben Handel mit vielen Regierungen, und wir wollen keine Probleme mit dem Gesetz."
    Modenschau in Deutschland

    Gleich nebenan werden von seinen Mode-Designerinnen die letzten Modelle entworfen. Auch auf regionale Besonderheiten wird in diesem Atelier eingegangen. "In diesem Jahr werden wir uns auf einer Modenschau in Deutschland mit typischer Landeskleidung vorstellen", sagt Designerin Paola Riveros. Rechtzeitig zum Oktoberfest gibt es dann vielleicht das schusssichere Dirndl.
     

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