Die Klimakosten des Internet-Booms

Dieses Thema im Forum "Netzwelt" wurde erstellt von BamSteve, 29. Oktober 2007 .

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  1. #1 29. Oktober 2007
    Der Energievverbrauch des Internets ist auf der globalen Stromrechnung bereits zu einem spürbaren Posten geworden. Manche sprechen bereits vom "Klimakiller Internet", andere halten das für völlig überzogen. tagesschau.de hat sich fünf häufig genannte Punkte in der Debatte näher angeschaut.

    Punkt 1: Nicht der C02-Ausstoß von Fabriken, Flugzeugen oder Autos, "Das Internet ist der wahre Klimakiller“ titelte "Die Welt“.

    Was ist dran? Eine Öko-Gesamt-Bilanz des Internets zu erstellen ist noch schwieriger, als zu berechnen, wie viel Energie einzelne Nutzungsvorgänge verbrauchen. Letztlich ist das kaum möglich. Welche Umweltkosten würden alternative Kommunikationsmittel verbrauchen? Wo und wie viel Energie wird gespart, wenn Manager nicht mit dem Flugzeug reisen, sondern eine Video-Konferenz über das Netz abhalten? Mit welchem Anteil würde ein eigentlich als Schreibgerät angeschaffter PC in die Bilanz einfließen, der gelegentlich für das Internet-Surfen genutzt wird? Je mehr solcher Faktoren in die Bilanz einfließen oder abgeschätzt werden müssen, desto unsicherer wird das Ergebnis. Die Behauptung ist also unseriös.

    Punkt 2: Allein für eine Suchanfrage bei Google sollen die Rechner des Unternehmens so viel Strom verbrauchen, wie benötigt wird, um ein Zimmer mit einer 11-Watt-Energiesparlampe eine Stunde lang zu beleuchten.

    Was ist dran? Google selbst macht dazu keine Angaben. Die Rechnung stammt vom Berliner Webhosting-Unternehmen Strato und beruht auf öffentlich zugänglichen, von 2005/2006 stammenden Daten zur Zahl der bei Google im Dauerbetrieb laufenden Server, deren vermutetem Stromverbrauch und der täglichen Suchanfragen. Inzwischen könne der Verbrauch durch den Einsatz neuerer, energieeffizienterer Server aber gesunken sein, heißt es von Strato. Rolf Kersten, Manager des Server-Herstellers Sun Microsystems, geht auf Basis der gleichen Zahlen wie Strato davon aus, dass der Energieverbrauch pro Google-Anfrage nur zwei bis acht Watt/Stunde beträgt.

    Wie viel Energie andere Internet-Nutzungen, also etwa das Ansehen anderer Websites, das Verschicken einer E-Mail oder das Anschauen eines Videos verbrauchen, verraten die Zahlen nicht.

    Punkt 3: Sämtliche Internet-Rechenzentren weltweit verursachen so viele CO2-Emissionen wie der internationale Flugverkehr.

    Was ist dran? "Das stimmt absolut nicht", sagt Claus Barthel vom Wuppertal Institut für Klimaforschung. Die oft zitierte Zahl bezieht sich nach seinen Angaben auf eine Rechnung der IT-Beratung Gartner aus den USA. Diese Schätzung umfasst aber nicht nur die Internet-Nutzung, sondern ein sehr viel umfassenderes Spektrum an Informations- und Kommunikationsgeräten, darunter Handys, PDAs, Drucker. Außerdem seien zum Teil die Kosten für Erzeugung und Entsorgung der Geräte einberechnet worden, sagt Barthel.

    Für realistischer hält Barthel Angaben des Bundesumweltministeriums: Danach war das Internet für mehr als zwei Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland verantwortlich, die Informations- und Kommunikationstechnik insgesamt für rund acht Prozent. Damit würde das Internet weltweit dann so viel CO2 verursachen wie ungefähr ein Viertel des Flugverkehrs, schätzt Barthel.

    Punkt 4: Der Stromverbrauch und die CO2-Belastung durch das Internet werden sich noch drastisch erhöhen. Laut Greenpeace und Forschungen des Wuppertal Instituts für Klimaforschung werden sich die CO2-Emissionen von 4 Millionen Tonnen im Jahr 2001 bis 2010 auf 20 Millionen Tonnen erhöhen. Dann wäre das Internet für rund drei Prozent des gesamten CO2-Ausstoßes verantwortlich.

    Was ist dran? "Die Zahlen stellen nur eines von drei von uns entwickelten Szenarien dar", erklärt Claus Barthel vom Wuppertal Institut. Beim verstärkten Einsatz von Energiesparmaßnahmen halten die Forscher einen weniger stark steigenden CO2-Ausstoß für denkbar. Sicher ist: Die Nutzungsdauer des Internets wird sich in Zukunft erhöhen, immer leistungsfähigere Rechner werden eingesetzt. Das spricht für einen weiter deutlich wachsenden Energiebedarf.

    Bisher spielt Energiesparen für die Hersteller von PCs, Servern oder Monitoren noch keine große Rolle: "Wenn Energiesparen für die Endkunden kein Auswahlkritierium ist, wie beispielsweise bei der Laufzeit eines Handy-Akkus, wird das auch nicht berücksichtigt", erklärt Clemens Cremer vom Fraunhofer-Insititut für Systemtechnik.

    Inzwischen wollen aber die ersten Anbieter von Internet-Infrastruktur reagieren – eine Reaktion auf gestiegene Stromkosten und die Schwierigkeiten, riesige Server-Parks in Rechenzentren gegen Überhitzen zu schützen. Für die Unternehmen ist das eine Gelegenheit, sich als Umweltvorreiter zu profilieren.

    "Energiesparmaßnahmen wären ohne Einbußen an Leistung möglich", meint Energieexperte Barthel. Damit die Industrie das auch umsetzt, plädiert er für verpflichtende Energiesiegel an Geräten wie Laptop oder DSL-Router.

    Punkt 5: Websites können umweltfreundlicher gestaltet werden – zum Beispiel Designs durch dunkle Farben, durch die Bildschirme bei der Darstellung weniger Energie verbrauchen. Allein durch eine schwarze Färbung der populären Google-Startseite lassen sich so jährlich 750 Megawattstunden Strom sparen, schreibt der Umwelt-Blogger Mark Ontkush aus Boston.

    Was ist dran? Einige Fans haben Ontkushs Vorschlag bereits in die Tat umgesetzt und ein schwarzes Google-Interface ("Blackle.com", "Darkoogle.com") programmiert. Allerdings hat die Sache einen Haken - ganz abgesehen davon, dass die dunklen Seiten unkomfortabel zu bedienen sind: Während alte Röhrenmonitore für die Darstellung schwarzer Farbe tatsächlich weniger Energie benötigen, macht das bei den modernen LCD-Monitoren keinen Unterschied.


    Quelle: http://www.tagesschau.de/inland/energieverbrauch2.html
     

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  3. #2 30. Oktober 2007
    AW: Die Klimakosten des Internet-Booms

    langweilig, zuerst waren es die Fabriken, dann die Autos und jetzt ist das internet schuld. Ich kanns einfach nicht mehr hören... Sollen wir nun das internet abschaffen oder uns Stromsparende geräte kaufen, die teurer sind und nicht so leistungsstark?

    Steigen wir doch um auf röhren. LCD Monitore sind doch so belastend...

    Also mir geht das thema CO2 richtig auf die nerven und "dank" immer neue informationen interessiert es mich nicht mehr, da irgendwie jede Woche ein neues elektronisches gerät schuld sein soll.

    Was kommt denn im Duden nach dem Wort Internet?
     

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