Eifersucht - ein Gefühl, das Beziehungen zerstört

Artikel von Tommy Weber am 12. Mai 2021 um 11:08 Uhr im Forum Allgemeines & Sonstiges - Kategorie: Ratgeber & Wissen

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Eifersucht - ein Gefühl, das Beziehungen zerstört

12. Mai 2021     Kategorie: Ratgeber & Wissen
Es gibt kaum jemanden, der sie mag und doch kennt jeder das Gefühl: Eifersucht. Sie kann ein ganz spezielles Frühwarnsystem sein, aber gleichzeitig ein gefährlicher Killer, der jede Beziehung tötet. Eifersucht ist eine sehr unangenehme Empfindung, die das Blut kochen lässt, die Fantasie anregt und die Sinne schärft. Eifersucht ist eine gefährliche Mischung aus Selbstzweifeln, aus totaler Hilflosigkeit, Scham, Angst, Wut und letztendlich noch aus Rachegedanken.

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Ob im Film, im Theaterstück oder in der Literatur – Eifersucht ist der Stoff, aus dem Dramen mit Mord und Totschlag bestehen. Im Alltag ist Eifersucht der Zündstoff für Streit, aber zugleich immer ein Gefühl, was Grenzen sprengen kann. Warum sind Menschen eigentlich eifersüchtig und warum ist es so schwer, gegen dieses Gefühl anzukommen?

Ist Eifersucht ein Warnsignal?
Für Evolutionsbiologen ist Eifersucht eine angeborene Empfindung. Sie sicherte schon in der grauen Vorzeit der Frau und ihren Kindern die Fürsorge und vor allem die materiellen Ressourcen des Mannes. Der Mann wiederum konnte seine Chancen erhöhen, sein Erbgut weiterzugeben, zudem verringerte er die Gefahr, ein sogenanntes „Kuckuckskind“ versorgen zu müssen. So lautet zumindest die Annahme der Forscher. Was steckt jedoch wirklich hinter dem Gefühl der Eifersucht? Für viele Psychotherapeuten ist Eifersucht ebenfalls ein Grundgefühl und gleichzeitig eine Art Warnsignal. Sie meldet sich immer, wenn eine für den Menschen wichtige Beziehung bedroht wird.

Eifersucht ist nicht nur in Partnerschaften präsent, sondern auch unter Geschwistern und Freunden, sogar unter Kollegen kommt es zuweilen zu Eifersüchteleien. Selbst Haustiere können eifersüchtig reagieren, wenn ihr Mensch sich zu sehr mit einem anderen Hund oder mit einer fremden Katze beschäftigt.

Die verschiedenen Stadien der Eifersucht
Was Eifersucht so unangenehm und zugleich so riskant macht, ist, dass sie die wichtigsten Dinge im Leben infrage stellt: Zuwendung, Anerkennung, Liebe und Aufmerksamkeit. Sie frisst sich wie ein Gift in die Seele, aber die eine Eifersucht gibt es nicht, es gibt vielmehr unterschiedliche Stadien und Ausprägungen. Eine milde Form tritt meistens auf, wenn der Ehemann oder die Ehefrau sich auf einer Party mit einer attraktiven Frau oder einem charmanten Mann unterhält. Dies gibt dem Partner oder der Partnerin das Gefühl, dass sie zugunsten eines oder einer Unbekannten vernachlässigt werden. Um handlungsfähig zu bleiben, hilft es, sich zu dem Duo zu gesellen, sich vorzustellen und in das Gespräch mit einzusteigen. Damit wird eine unsichtbare Linie gezogen und das Signal gesetzt: Er oder sie gehören zu mir.

Wird die Besorgnis zu einem dauerhaften Zustand, dann ist die Eifersucht schon deutlich weiter fortgeschritten. Es sind die kleinen vermeintlich belanglosen Situationen wie ein Telefonat oder plötzlicher Termin, der keinen Aufschub duldet. Immer wieder kommt es zu solchen Verdachtsmomenten, die für Zweifel an der Stabilität der Beziehung sorgen. Hinter dieser Form der Eifersucht stecken nicht selten starke Zweifel am eigenen Ich, die Betroffenen fühlen sich der potenziellen Konkurrenz stets unterlegen.

Wann wird Eifersucht ein quälendes Gefühl?
Sie ist eher selten, aber umso quälender: die massive und neurotische Form der Eifersucht. Sie ernährt sich von Angst und von Argwohn, sie ist ein Gefühl, was ständig da ist und immer wieder sagt: Da stimmt etwas nicht. Alles, was der Partner oder die Partnerin machen, wird kontrolliert, jede noch so unbedeutende Reaktion wird auf alle Anzeichen penibel untersucht, die für Untreue sprechen könnten. Diese starke Form der Eifersucht hat nach Meinung von Psychologen ihre Ursache in der Kindheit. Viele von denen, die als Erwachsene unter dieser extremen Form der Eifersucht leiden, haben als Kinder die Erfahrung machen müssen, dass Zuwendung und Liebe nicht zuverlässig sind. So etwas kann der Fall sein, wenn sich ein älteres Kind zurückgesetzt fühlt, falls sich die Mutter um das neugeborene Geschwisterkind kümmert.

Der Klassiker für die pathologische Eifersucht ist der Seitensprung. Die Erfahrung zu machen, betrogen worden zu sein, wirkt sehr lange nach. Selbst bei Paaren, die in einer einvernehmlich offenen Beziehung leben, wird das wilde Gefühl der Eifersucht wach, wenn es zu einer Affäre gekommen ist. Endet das Zusammenleben und es wird eine neue Beziehung eingegangen, dann besteht oftmals die Angst, dass sich diese Katastrophe wiederholen könnte. Menschen, die von dieser starken Eifersucht betroffen sind, sollten sich Hilfe holen.

Die unterschiedlichen Bedürfnisse
Wenn das Bedürfnis nach Bindung in einer Beziehung unterschiedlich stark ausgeprägt ist, hat Eifersucht immer leichtes Spiel. In der Regel sind es Männer, die nicht willig sind, sich fest zu binden. Für viele Frauen stellen sie immer ein Rätsel dar. Diese Männer reden nur ungern oder gar nicht über ihre Schwächen und sie weihen ihre Partnerin auch nicht in die Geheimnisse ihres Lebens ein. Es ist daher nur logisch, dass sich die Partnerin irgendwann fragt: Wo wird unsere Beziehung im nächsten Jahr sein? Eifersucht wird ebenfalls fördert, wenn es zwischen den Partnern nicht genug Nähe gibt. Dies ist beispielsweise der Fall, falls es im Alltag keine Umarmungen oder kleine Zeichen der Wertschätzung gibt. Diese Paare haben das Gefühl verloren, dass der andere etwas ganz Besonderes, etwas Einzigartiges ist. Hier hat die Eifersucht leichtes Spiel und der Stachel des Misstrauens bohrt sich tief in die Seele.

Was schützt vor Eifersucht?
Vor allem ist es das Selbstbewusstsein, ein liebenswerter Mensch zu sein, was vor Eifersucht schützen kann. Dazu kommt eine bestimmte Dosis Unabhängigkeit, die sich jeder Partner in einer Beziehung erhalten sollte. Die Schaffung von Momenten großer Nähe ist ebenfalls ein Schutzschild, was vor Eifersucht bewahren kann. Eifersucht kann, wenn sie gut dosiert wird, zugleich eine Liebeserklärung sein und eine Beziehung neu beleben.

Wichtig ist es außerdem, den Zweifeln keinen Raum mehr zu geben. Anstatt den Partner oder die Partnerin ständig zu beschuldigen, ist es besser, das Gespräch zu suchen. Wenn sich das Gefühl der Eifersucht regt, kann es helfen, um mehr Transparenz zu bitten. So etwas funktioniert ebenfalls nur über die Kommunikation. Es sollte aber nie so weit führen, dass der Partner oder die Partnerin ständig Rechenschaft ablegen oder sich an- und abmelden müssen. Wer das Gefühl hat, in das Leben des anderen mit einbezogen zu werden, hat nur noch sehr wenig Raum für Spekulationen, Unsicherheit und letztendlich für Eifersucht.

Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft – so lautet ein Zitat des Dichters und Schriftstellers Franz Grillparzer. Ob Grillparzer hier aus eigener Erfahrung gesprochen hat, ist leider nicht bekannt.

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