Energieexperte: Kernfusion hat Zukunftspotenzial

Dieses Thema im Forum "Netzwelt" wurde erstellt von z3Ro-sHu, 15. September 2006 .

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  1. #1 15. September 2006
    Der scheidende Vorsitzende des Forschungszentrums Jülich Joachim Treusch hat im Gespräch mit Technology Review vor überzogenen Hoffnungen beim Ausbau der Erneuerbaren Energien gewarnt. Zwar bestehe ein Konsens darüber, dass die Nutzung von Wind- oder Solarenergie ausgeweitet werden müsse, aber in den kommenden 20 bis 30 Jahren führe kein Weg an Kernenergie und fossilen Brennstoffen vorbei. "Kohle ist der einzige verlässlich lieferbare Brennstoff", sagte Treusch, der am zweiten Energiegipfel am 9. Oktober teilnehmen wird und bereits beim ersten als einziger Wissenschaftler im Kanzleramt dabei war.


    Die deutsche Kerntechnikforschung könne zudem mit Simulationsrechnungen dazu beitragen, dass Kernkraftwerke in aller Welt noch sicherer würden. Treusch setzt auch große Hoffnungen in die Weiterentwicklung der Kernfusion. Dass es auch 50 Jahre nach Beginn der Fusionsforschung keinen kommerziell betreibbaren Reaktor gibt, ließ er als Einwand nicht gelten. "Inzwischen ist der Prozess verstanden und man weiß, wie man mehr Energie rauskriegt, als man hineinstecken muss", betonte Treusch. "Nun braucht man 'nur noch' eine Stabilität des Prozesses und einen Reaktor, der den Belastungen lange genug standhält und nicht nach ein paar Jahren zu Sperrmüll wird."


    Quelle:heise.de
     

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  3. #2 15. September 2006
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 14. April 2017
    Interview mit Joachim Treusch - „Wir werden uns durchhangeln müssen“

    „Wir werden uns durchhangeln müssen“


    Joachim Treusch ist skeptisch, ob Biomassesprit und Offshore-Windkraft die richtigen Energiequellen der Zukunft sind. Der scheidende Chef des Forschungszentrums Jülich, der nach 16 Jahren im Amt an die International University in Bremen wechselt, ist am 9. Oktober wieder zum Energiegipfel geladen und setzt eher auf Kernkraft und Wasserstoffwirtschaft. So oder so werde der Übergang schwierig, urteilt Treusch im Gespräch mit Technology Review, bis die Welt in vielleicht fünfzig Jahren im großen Stil mit Kernfusion oder Solarenergie ihren Energiebedarf stillen könne.

    [​IMG]
    {img-src: http://www.heise.de/bilder/78074/0/0}
    Joachim Treusch​

    Technology Review: Sie waren der einzige Forscher, der zum ersten Energiegipfel geladen war. Fühlten Sie sich einsam?

    Joachim Treusch: Das wurde ganz gut dadurch kompensiert, dass Frau Merkel als gelernte Physikerin doch mit einem bemerkenswerten Sachverstand an die Sache geht. Sie hatte die Sitzung fachlich im Griff – und das fand ich sehr wohltuend.

    TR: Ging es auf dem ersten Gipfel schon zur Sache, oder hat man sich zunächst nur beschnuppert?

    Treusch: Es ging schnell zur Sache. Zum Beispiel wurde die Frage der Kerntechnik, anders als zunächst erwartet, nicht ausgespart, sondern sehr deutlich angesprochen.

    TR: Sie sind auch am 9. Oktober beim zweiten Gipfel wieder dabei. Was erwarten Sie von der Fortsetzung?

    Treusch: Die Energiegespräche sind ja nicht auf eine Blitzlösung angelegt, sondern es soll genau und gründlich gearbeitet werden. Der Prozess ist bis Ende nächsten Jahres angelegt. Es wird daher am 9. Oktober erst mal um die Fragen gehen, über die man sich schnell einigen kann. Etwa die Energieeffizienz. Aber man wird auch am Ende der Energiegespräche nicht für alles eine optimale Lösung haben. In der Übergangsphase, bis irgendwann einmal die Regenerativen oder die Kernfusion soweit sind, alle benötigte Energie liefern zu können, werden wir uns durchhangeln müssen.

    TR: Wenn Sie von Energieeffizienz reden: An was für Maßnahmen denken sie konkret?

    Treusch: Zum Beispiel an neue Regeln für Stand-by: Kein Stand-by-Modul sollte bei ausgeschaltetem Gerät mehr als ein Watt Strom verbraucht. Ich hoffe insgesamt auf mehr öffentliche Aufmerksamkeit für das Energiesparen. Das betrifft auch neuen Regeln der Politik, die man zunächst bei Energieeffizienz nicht im Sinn hat. Nehmen sie mal die geplante Vorschrift, dass man auch am Tage mit Abblendlicht Auto fahren soll: Das wird zwar den ein oder anderen Schaden vermeiden helfen. Allerdings zieht das auch riesige Folgekosten für Benzin und Birnchen nach sich. Wenn man solche Fälle komplett durchrechnet, stellt man am Ende oft fest, das man nicht mehr im Optimum ist.

    TR: Ist Energieeffizienz das einzige Konsensthema auf dem Energiegipfel?

    Treusch: Nein. Das zweite Thema, wo zumindest verbal Einigkeit besteht, ist, dass die Regenerativen ausgebaut werden müssen.

    TR: Wieso nur verbal?

    Treusch: Die Einigkeit hängt von den Details ab: Beim Repowering etwa, also dem Ersatz alter Windräder durch leistungsfähigere, werden sicher alle sagen: Das ist vernünftig. Über Offshore-Windkraft aus der Nordsee dagegen gibt es schon heftigere Diskussionen. Nicht über einen Testpark, aber darüber, ob das insgesamt eine Lösung ist. Wenn man nicht wie in Dänemark drei bis fünf Kilometer vor die Küste geht, sondern 50 oder mehr, wie bei uns geplant, gibt es viele Folgeprobleme. Außerdem ist noch nicht hinreichend bedacht, was es für Folgen hat, wenn wir wie geplant einen Windpark in die Nordsee setzen, der vier bis sechs Gigawatt Leistung auf wenig Fläche versammelt. Wenn die Windräder zu nahe beisammen stehen, dann kann es passieren, dass die bei zu starkem Wind alle gleichzeitig abschalten. Und dann gehen auf einen Schlag sechs Gigawatt vom Netz. Das ist so viel wie sechs Großkraftwerke produzieren: Dann gehen hier die Lichter aus – jedenfalls beim heutigen Netz.

    TR: Wo gibt es noch Konsens?

    Treusch: Alle sind der Meinung, dass Photovoltaik sicher eine gute Form der Energie ist. Umstrittener ist schon, in welchem Zeitraum man wie weit kommen kann. Bei Biomasse sind sich alle einig: Solange man Biomasse direkt verfeuert, ist es ja CO2-neutral. Wo man sich vielleicht derzeit zu heftige Hoffnungen macht, ist bei Biomasse-Treibstoffen und dem Btl-Verfahren. Da ist sicher noch Forschung nötig, um zu sehen, wie effektiv die wirklich sind. Außerdem muss man darauf achten, dass die wachsende Weltbevölkerung nicht nur Energie, sondern auch Nahrung braucht. Also kann man nicht mit Biomasse das CO2-Problem lösen, wenn dann die Leute auf der anderen Seite des Globus verhungern müssen.

    Wo es sicher keinen Konsens gibt, ist die Frage, wo man Wasserstoff herbekommt, wenn man ihn als Treibstoff verwenden will. Die beste Methode ist nicht die Photolyse, sondern die Herstellung über Kernkraft mit Hochtemperaturreaktoren. Da gab es vor zwanzig Jahren groß aufgelegte Forschungsprogramme. Über die müsste man politisch diskutieren. Und die erste Sitzung hat gezeigt: Der Energiegipfel wird sich keine ideologischen Scheuklappen anlegen lassen.

    TR: Aber Ideologen gibt’s ja auf allen Seiten - oder haben Sie nur eine Seite im Auge?

    Treusch: Ich kann nur sagen: Ideologie hin oder her – über dieses Thema muss diskutiert werden.

    TR: Warum?

    Treusch: Ganz sicher wird in den nächsten 30 Jahren weltweit Kernenergie genutzt. Das ist unbestreitbar. Wenn das so ist, muss diese so sicher sein wie irgend möglich. Und dann muss die Bundesrepublik was dazu beitragen, diese Sicherheit auf höchstem Stand zu halten. Das kann sie besser als jedes andere Land auf der Welt.

    TR: Eine Ihrer letzten Aufgaben am Forschungszentrum Jülich war der Streit mit dem NRW-Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart, ob man in Jülich weiter klassische Kerntechnikforschung betreibt: Pinkwart will sogar neue Reaktoren getestet wissen, ihr Forschungszentrum nicht.

    Treusch: Der Konflikt ist vielleicht etwas gewaltiger dargestellt worden, als er am Ende ist. Klassische Kerntechnik mit Hardware hier in Jülich zu betreiben, hieße wieder völlig neu aufbauen zu müssen. Denn unsere Kerntechnikanlagen sind durch die Politik der vergangenen 15 Jahre ausgeblutet. Was noch da ist, ist eher auf der theoretischen Seite: Simulationsprogramme, wie man einen Reaktor sicher fahren kann. Dass wir das weitermachen, kann ich mir vorstellen. Aber den Hochtemperaturreaktor neu aufzulegen, macht keinen Sinn.

    TR: Wie sehen Sie persönlich die Optionen für die kommenden 20, 30 Jahre?

    Treusch: Es gibt weltweit keine Prognose, die nicht davon ausgeht, dass dann noch etwa zu drei Viertel fossile Brennstoffe nötig sind. Dabei ist die Kohle der einzige verlässlich lieferbare Brennstoff. Wenn das so ist, kann man das CO2-Problem überhaupt nur in den Griff bekommen, indem man die Kraftwerke effizienter macht. Und da ist noch Luft: Also die alten Chinesischen mit 20 Prozent Wirkungsgrad, während die deutschen Kohlemeiler bereits knapp 50 Prozent erreichen. Und Gas können sie noch effizienter verbrennen: bis 60 Prozent. Allerdings: Wenn Gas aus der Pipeline leckt, dann ist es ein erheblich stärkeres Treibhausgas als CO2 selbst. Wenn sie zwei Prozent Leckage haben auf der Erdgasleitung von Russland hierher, dann ist der ganze Nutzen, Gas statt Kohle zu nehmen, schon wieder weg.

    TR: Wird das dazu führen, dass wir wieder anfangen, Kohle als Treibstoff zu verflüssigen oder zu vergasen?

    Treusch: Das wurde auf dem ersten Gipfel angesprochen. Frau Merkel hat daraufhin gleich gesagt: Ihr müsst mir das Fischer-Tropsch-Verfahren nicht erklären, das kenn ich. Kohleverflüssigung und -vergasung sind also Optionen, die nicht völlig abwegig sind. Ich denke, mit 70 bis 80 Dollar pro Barrel sind wir schon in der Gegend, wo sich das auszahlt.

    TR: Gab es da eine Reaktion der Energieversorger auf die Kohleverflüssigung?

    Treusch: Die brachten das auf, und erklärten das als einen weiteren Weg.

    TR: Könnte man die Kohle vielleicht gar noch kostengünstiger verflüssigen, wenn man daran forschen würde?

    Treusch: Daran ist lange nicht mehr ernsthaft geforscht worden. Da sind sicher noch Effizienzzuwächse möglich. Aber mir scheint die Wasserstoffproduktion in Hochtemperaturreaktoren aussichtsreicher zu sein.

    TR: Sie setzten also auf mehr Atomkraft?

    Treusch: Bei der Kohle haben sie ja immer noch das CO2-Problem. Die Frage ist: Will ich lieber ein Klimaproblem haben oder lieber ein Endlagerproblem – und was ist schlimmer. Meine naturwissenschaftliche Abschätzung ist: Im Augenblick ist das Klimaproblem das drängendere. Und ich würde durchaus ein paar sichere Endlager in Kauf nehmen, um sicher zu sein, dass der Golfstrom sich nicht umdreht. Aber auch das muss natürlich diskutiert werden.

    TR: Das heißt sie wollen auch, dass Deutschland wieder mehr an der Kerntechnik forscht?

    Treusch: In jedem Fall an Endlagern und Reaktorsicherheit. Ich glaube, um neue Reaktortypen zu entwickeln, ist die Welt im Moment auch ohne uns schlau genug.

    TR: Gibt es eine Energiequelle, die heute kaum im Gespräch ist und uns noch überraschen könnte?

    Treusch: Geothermie ist sicherlich im Potenzial weltweit noch nicht ganz ausgelotet. Und die Kernfusion ist natürlich die ewig währende Hoffnung. Immerhin hat sie in den vergangenen 20 Jahren enorme physikalische Fortschritte gemacht. Das Problem ist jetzt mehr der Werkstoff als der Prozess.

    TR: Was ja kein kleines Problem ist angesichts der nötigen Temperaturen von 100 Millionen Grad, um die es da geht.

    Treusch: Ja klar.

    TR: Die Prognose der Forscher, wie lange es noch dauert, bis Fusionsstrom aus der Steckdose kommt, lautet seit Jahrzehnten konstant: „Noch etwa 50 Jahre.“

    Treusch: Aber die Kernpunkte sind ganz andere. Vor 50 Jahren hat man gesagt, dass in 50 Jahren die Kernfusion funktioniert. Aber damals konnte man sich noch nicht vorstellen, was man für Probleme auf der Material- und Finanzierungsseite bekommt. Inzwischen ist der Prozess verstanden und man weiß, wie man mehr Energie rauskriegt, als man hineinstecken muss. Vor 20 Jahren musste man dagegen noch tausendmal mehr Energie in eine Fusionsreaktion hineinstecken, als man herausbekam. Nun braucht man „nur noch“ Stabilität des Prozesses und einen Reaktor, der den Belastungen lange genug standhält, und nicht nach ein paar Jahren zu Sperrmüll wird.

    TR: Warten wir also auf die nächsten 50 Jahre?

    Treusch: Man darf die lange Wartezeit jedenfalls nicht zum Anlass nehmen, mit der Kernfusion aufzuhören. Wenn sie gelingt, ist das der entscheidende Schritt, um unsere Energieprobleme zu lösen. Denn Ressourcenprobleme gibt es bei der Fusion keine. Man hat dann auch keine hochradioaktive Asche, sondern niederradioaktiven Sperrmüll. Den können sie getrost in den Baggerseen versenken, die die Braunkohle hinterlassen hat.

    Quelle: Technology Review
     
  4. #3 15. September 2006
    AW: Energieexperte: Kernfusion hat Zukunftspotenzial

    bin mal gespannt ob ich das noch erleben darf. und da das öl eh langsam knapp wird würde es auch demnächst zeit :D
     
  5. #4 15. September 2006
    Kernfusion hat Zukunftspotenzial

    Is klar, denn ohne Kernenergie geht bei dem heutigen Energiebedarf
    rein garnichts. Es sei denn die stellen ein riesen Solarkraftwerk in der Sahara auf!
     
  6. #5 15. September 2006
    AW: Interview mit Joachim Treusch - „Wir werden uns durchhangeln müssen“

    Intressantes Thema, habe mich selbst mit der Kernfusion auseinander gesetzt und ich muss sagen, dass ich immer wieder erstaunt war wenn man sich vorstellt wieviel Energie man daraus gewinnen kann. Das Prob mit dem Reaktor ist mir bereits bekannt. Da die Fusion bei 100 millionen grad vorsicht geht muss das plasma(ist das gas indem sich die Fusion Deuterium und Tritium vonstatten geht) schwebend gelagert werden, was nicht gerade einfach ist.

    noch zwei sehr intressante vergleiche:

    "Dabei setzt ein Gramm Wasserstoff etwa die selbe Menge Energie frei wie die Verbrennung von 8 Tonnen Erdöl oder 11 Tonnen Kohle."


    Die Atombombe, die auf Hiroshima abgeworfene wurde hatte eine Sprengkraft von ca. 13 Kilotonnen TNT.
    eine Fusionsbombe (wasserstoff bombe) hat eine sprengkraft von ca. 50–60 MEGAtonnen TNT!

    Ich finde das schon extrem.... und denke dass in der Kernfusions sehr viel potential steckt. Mal sehen vll nutzen wir Deutsche schon in ein paar Jahre die Kernfusion um Energie zu gewinnen.

    mfg ttrottell
     
  7. #6 15. September 2006
    AW: Energieexperte: Kernfusion hat Zukunftspotenzial

    so weit ich weiß wurden schon viele neue quellen entdekct sodass das öl wohl noch über 100 jahre halten wird ;) kann das jetz aber nich an nen artikel beweisen. hat n lehrer auf meiner schule ma gsagt. Aber trotzdem sind alternative energien wichtig und ich denk mal irgendwann auch preiswerter.

    mfg
     

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