Energiekrise: Server statt Heizlüfter

Artikel von Carla Columna am 4. August 2022 um 16:31 Uhr im Forum Netzwelt - Kategorie: IT & Sicherheit

Energiekrise: Server statt Heizlüfter

4. August 2022     Kategorie: IT & Sicherheit
Der kommende Winter könnte viele Haushalte und Firmen auf die Probe stellen, wenn es um das heizen geht. Gas ist nicht nur knapp sondern auch zunehmend teuer, ebenso wie Strom. Die verkaufszahlen für Heizlüfter steigen stark an. Wertvollen Strom verheizen ist allerdings auch keine optimale Lösung. Wie wäre es denn den Strom zu nutzen und nur die Abwärme zu nutzen?

server.jpg

Die Angst vor einer kalten Wohnungen und explodierenden Heizkosten geht um, das sorgt für Rekordumsätze bei Heizgeräten. Das Stromnetz könnte dadurch überlasten und Blackouts wahrscheinlicher machen. Dabei sind Heizlüfter extrem unproduktiv: Sie schaffen nur Wärme, keine Werte.

Ganz anders sieht es bei Computern bzw. Servern aus, die rund um die Uhr Arbeit verrichten können. Einer aktuellen Studie des Branchenverbands Bitkom zufolge könnte die Abwärme großer Rechenzentren dazu ausreichen 350.000 Wohnungen in Deutschland mit Energie für Heizungen und Warmwasser zu versorgen.

Der Einsatz von Heizlüftern ist schlecht planbar und kann zur Überlastung des Stromnetzes führen, wenn vor dem Frühstück alle ihre Heizlüfter einschalten. Server und Miner hingegen laufen konstant, das vermeidet gefährliche Lastspitzen im Stromnetz. Zudem schafft ihre Leistung einen Mehrwert. Vor allem das Datenintensive Video Streaming und online Speicher (Clouds) lassen die Nachfrage nach Servern in Rechenzentren steil ansteigen.

Rechenzentren und Cloud-Dienste wie das IT Systemhaus Hamburg zeigen kontinuierliches Wachstum. Die IT-Branche erfährt auch in Krisen starke Nachfrage. Der Strombedarf wächst hier trotz immer effektiver werdender Hardware. So sind Prozessoren heute deutlich kleiner und sparsamer bei mehr Rechenleistung - doch Abwärme fällte dennoch an und diese wird bisher noch eher als "Problem" gesehen.

Abwärme von Servern für Warmwasser und Heizung
Die Rechenzentrumbranche wächst immer weiter. Für einen reibungslosen Betrieb gigantischer Anlagen, müssen diese entsprechend gekühlt beziehungsweise die als Nebenprodukt entstehende Abwärme abgeleitet werden. Bisher wird die anfallende Wärme größtenteils ungenutzt in die Umwelt abgegeben. In Zukunft könnte diese Wärmeenergie besser genutzt werden, wenn die entsprechende Infrastrukur gebaut würde.

Die hohen Energiekosten für Strom und Gas machen Alternativen realistisch
Der Aufwand Rechenzentren und andere Betriebe mit hoher Wärmeleistung an ein Fernwärmenetz anzuschließen sind groß. Doch langfristig können sich solche Investitionen lohnen, Umwelttechnisch sind wären sie ohnehin durchweg positiv zu betrachten. Die steigenden Energiepreise machen teure Alternativen interessanter und das auch ohne Subventionen. Wärmepumpen und Solaranalgen können bei den tendenziell steigenden Preisen schon heute in der Abschreibung auch ohne Subvention rentabel sein.

Nur große Abwärme rentabel: ab 5 Megawatt bei Rechenzentren
Vor allem in großen Städten wie Berlin, Hamburg und München existieren Rechenzentren, die diese Vorrausetzungen erfüllen. Die Temperatur der Abwärme ist häufig nicht hoch genug für die direkte Einspeisung in eine Fernwärme. Somit werden hocheffiziente Wärmepumpen benötigt, um das Temperatur-Niveau anzugleichen.

Auch wenn die Investition einmalig hoch ist, wird sich dies langfristig lohnen, gerade in Städten sind die Wege kurz um eine Anbindung an die Fernwärme zu ermöglichen. Dies könnte einen kleineren Beitrag dazu leisten, die Abhängigkeit von Gas zu reduzieren.


Privat ist der Effekt natürlich kleiner
Wer seinen Strom effektiver verheizen möchte, lässt diesen Winter seinen PC und die Grafikkarte arbeiten. Immerhin sind das dann je nach Hardware auch zwischen 400W und 800W Abwärme, die ein kleines Zimmer oder Büro nicht unerheblich auf "Grundwärme" halten können.
Es gibt sogar ein Startup das Heizkörper-Server entwickelt, diese werden dann dynamisch genutzt als Rechen-Cloud.
 

Kommentare