Hintergründe zu iPod, iTunes

Dieses Thema im Forum "Musik & Musiker" wurde erstellt von graci, 21. September 2005 .

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  1. #1 21. September 2005
    URL: http://www.spiegel.de/netzwelt/politik/0,1518,375662,00.html

    Die Antwort ließ auf sich warten, dafür fiel sie deutlich aus: Drei Wochen, nachdem zwei der vier großen Musikunternehmen mit Forderungen nach höheren Preisen bei iTunes vorpreschten, ließ Apple-Chef Steve Jobs sie wissen, was er davon hält. In der P2P-Szene wehen derweil die weißen Fahnen.

    Ende August wurde öffentlich, dass Sony BMG und die Warner Music Group auf eine Erhöhung der Preise im noch immer den Preis-Standard setzenden iTunes Music Store drängen.

    Drei Wochen ließ sich Apple-Boss Steve Jobs mit einer Antwort Zeit. Dafür gab er sie nun öffentlich: "Wir konkurrieren noch immer vor allem mit illegalen Tauschbörsen", sagte Jobs heute am Rande der Fachmesse "Apple Expo" in Paris. "Wenn wir die Preise über 99 Cent anheben, besteht die Gefahr, dass die Anwender sich die Musil wieder illegal aus dem Netz herunterladen. Dann verlieren wir alle."

    Jobs sagte weiter: "Ein Musiclabel hat von uns Preiserhöhungen verlangt, andere wollen mit Preisen experimentieren." Faktisch aber kann man in beiden Fällen von einem Preisdruck nach oben sprechen: Die Vorstellungen der meisten Musikfirmen gehen dahin, aktuelle und populäre Musik deutlich zu verteuern und zugleich das weniger nachgefragte "Back-Programm" aus älteren Alben billiger anzubieten.

    Jobs forderte die Firmen auf, den Preis pro Song nicht über einen Dollar beziehungsweise einen Euro zu treiben. Dann schickte er den Labels noch eine deutliche Watsche hinterher: "Die Labels verdienen mehr daran, einzelne Tracks über iTunes zu verkaufen, als wenn sie gesamte CDs verkaufen. Vermarktungskosten gibt es für sie auch nicht. Wenn die jetzt die Preise erhöhen wollen, bedeutet das nur, dass sie ein wenig gierig werden."

    Der Apple-Deal

    Selbstbewusste Töne, die nicht von Ungefähr kommen: Apple kontrolliert rund 80 Prozent des weltweiten Marktes für Musik-Downloads - was die großen Musikfirmen mit gemischten Gefühlen sehen. Mit ihren eigenen Versuchen, entsprechende Angebote zu schaffen, sind sie entweder grandios gescheitert oder eiern Apple mühsam hinterher.

    Dass Apples iTunes Music Store so groß wurde, war hingegen auch von ihnen gewollt. Der Apple Music Store ist ein Unternehmen, das unter seltsamen Bedingungen aus der Taufe gehoben wurde. Über Jahre hatte die Entertainmentindustrie weitgehend vergeblich versucht, dafür aber verbissen, sich nur mit juristischen Mitteln gegen den P2P-Boom zu stemmen.

    Zugleich sabotierte sie selbst auch alle Versuche, eine legale Alternative zu schaffen. Frühe Online-Download-Shops krankten allesamt an abstrusen Lizenzauflagen, magersüchtigen Repertoires und überzogenen Preisen. Die Kunden sahen sich diese Selbstveräppelung kopfschüttelnd an und saugten ihre Musik weiter aus P2P-Börsen.

    Und dann kam im April 2003 der Apple-Deal.

    Steve Jobs größtes Verdienst an seiner von ihm mitbegründeten Firma dürfte der Schritt gewesen sein, das einst allein als Computerkonzern aufgestellte Unternehmen Richtung Unterhaltungselektronik geführt zu haben: Mit der Veröffentlichung des iPods begann der Boom, auf den Apple lange hatte warten müssen. Perfekt auf das Abspielgerät zugeschnitten sorgte die iTunes-Software für Apple-typisches "easy handling", und der Shop schloss die letzte Lücke: Für iTunes-Nutzer gibt es keine gefühlte Grenze zwischen Web-Shop, Computerhard- und -software sowie Abspielgerät mehr.

    Möglich machte das ein bis dahin nicht erreichter Deal zwischen Jobs und der Musikindustrie. Endlich hatten die Musikfirmen begriffen, dass sie den erhofften Markt für Musik-Downloads erst einmal wachsen lassen müssten, bevor sie daran gehen könnten, ihren Profit daraus zu ziehen. Der Kandidat mit der Lizenz zum Download-Verkauf wurde Apple - zu bis dahin nicht erreichten günstigen Konditionen.

    Indirekte Refinanzierung

    Die gab Apple an seine Kunden weiter. Relativ liberale Nutzungsbedingungen mit Brenn- und Speicherrechten in Kombination mit einem vergleichsweise günstigen Preis (pauschal 99 Cent pro Song) machten den iTunes Music Store binnen Monaten zur Nummer Eins in der Welt. Trotz zahlreicher Konkurrenten hält Apple noch immer rund 80 Prozent des gesamten Marktes.

    Was der Musikindustrie nicht schmeckt, ist die Tatsache, dass Apple seine maßgeblichen Profite aus dem iTunes-Modell nicht durch den Onlineverkauf von Musik zieht, sondern aus dem dadurch beförderten Absatz von iPods. Apple, rumort es darum seit längerem, könne komfortabel mit Profitmargen leben, die für seine Konkurrenten nicht hoch genug seien. Jobs hingegen sieht hinter diesen Argumenten vor allem "Gier".

    Immerhin ist die Musikindustrie nicht zuletzt durch den iTunes Music Store in ihrem Kampf gegen P2P heute weit besser aufgestellt als noch vor zwei Jahren.

    Den Kampf gegen P2P verschärfte die Industrie parallel zur Pflege der legalen Angebote. KaZaA erstickte an von der Industrie auf den Weg geschickten Spam-Dateien, an Viren und Klagen. Die lebendige BitTorrent-Szene kann gar nicht so viele Web- und Tracker-Angebote eröffnen, wie die Industrie gerichtlich schließen lässt. Immer mehr P2P-Nutzer bekommen Post vom Gericht. Und nun, im Jahre 2 der iTunes-Zeitrechnung, scheint sich nicht nur ein veritabler legaler Online-Markt etabliert zu haben, sondern P2P an allen Fronten auf dem Rückzug zu sein.

    Wenige Tage, nachdem die US-Musiklobby RIAA einstweilige Verfügungen an sieben führende P2P-Firmen verschickte, schwenken nun erste Unternehmen die weiße Fahne. Grokster, einst Partner von KaZaA, versucht in Verhandlungen zu retten, was von der Börse noch übrig ist: Als potenzieller Käufer steht die Sony-Tochter Mashboxx am Start, berichtet die "New York Times". Parallel dazu bemühe sich die Ex-P2p-Börse iMesh, Services wie LimeWire auf die legale Seite zu ziehen.

    Jobs: Handy-Downloads sind kein Geschäft

    Kein Zweifel: An dieser Front spürt die Musikindustrie Morgenluft. Schon bereitet sie den nächsten Schritt vor, der Welt der Online-Musik endgültig ihr Korsett anzuziehen. Nach Informationen der Electronic Frontier Foundation EFF lobbyiert die Musiklobby RIAA für eine Gesetzesvorlage, die das Aufnehmen von digitalen Radiosendungen verbieten soll. Ob sie mit dieser wieder deutlich aggressiveren Politik gut beraten ist, darf bezweifelt werden: P2P und gebrannte CDs waren immer nur ein Aspekt der Musikkrise - der andere war ein äußerst mieses Image beim Kunden. Der P2P-Nutzer - ohne Frage ein Musikliebhaber - bestahl die Industrie immer gern, weil er in ihr den Gegner sah.

    Für Steve Jobs macht sich die Akzeptanz von legalen Download-Shops jedenfalls grundsätzlich an einem günstigen Preis fest. Deshalb sieht der Apple-Chef auch kaum Chancen, dass das von der Musikindustrie erhoffte zusätzliche Geschäft mit Downloads per Handy in absehbarer Zeit abheben könnte: "Die Telekommunikationsunternehmen haben so viel in den Ausbau der dritten Mobilfunkgeneration investiert, dass sie mit einer hohen Wahrscheinlichkeit drei Dollar oder Euro für einen einzelnen Download verlangen müssten."

    Da aber die meisten Kunden die so gekaufte Musik so oder so auf einem Rechner speichern würden, könne man die Musik auch gleich dort für 99 Cent kaufen - was die fehlende Downloadfunktion des kürzlich vorgestellten, mit Motorola entwickelten "iTunes-Handy" kurzerhand zur Tugend macht. Jobs: "Die Kunden sind eben schlau."
     

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