Intelligent suchen: Quaero

Dieses Thema im Forum "Netzwelt" wurde erstellt von xxxkiller, 13. Oktober 2006 .

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  1. #1 13. Oktober 2006
    Bonn (ddp). Wer kennt dieses Problem nicht: Suchmaschinen im Internet liefern auf eine Anfrage zwar hunderte von Treffern. Doch ein wirklicher Volltreffer ist meist nicht dabei. Ein deutsch-französisches Entwicklerteam will das ändern. Mit dem Projekt Quaero entwickeln sie eine effektivere, intuitiv zu bedienende Suchtechnologie. Die neue Suchmaschine soll nicht nur Dokumente und Bücher, sondern auch Musik, Bilder und Videos automatisch erkennen, indexieren und finden können - und das in mehreren Sprachen. Und sie wird Antworten auf frei formulierte Fragen liefern.

    Im Krankenhaus werden Ärzte schneller auf medizinische Daten in Text-, Audio- und Bildform zugreifen können und auch bei der Digitalisierung der Bestände der Deutschen Bibliothek soll die neue Suchtechnik eine wichtige Rolle spielen.

    Für die Entwicklung der neuartigen Suche will Quaero von Nutzern vergebene Stichwörter mit Standardvokabular verbinden. Nutzer von erfolgreichen Internetdiensten wie der Fototauschplattform Flickr verwenden selbst gewählte Stichwörter, mit denen sie Bilder und Personen beschreiben. Damit entsteht ein individuelles Stichwortregister, das das Suchen, Finden und Navigieren in großen Informationsmengen vereinfacht.

    Weil Menschen ihre eigenen Stichwörter entwickeln und individuell zuordnen, entstehen aber auch viele unterschiedliche Informationsräume. Sie überlappen sich nur teilweise, mitunter kön-nen falsche Einordnungen für andere die Suche erschweren. Deshalb wollen die Forscher diese Vorgehensweise mit dem strengeren Ansatz des so genannten semantischen Web verknüpfen. Es beschreibt Dokumente mit einem standardisierten Vokabular und beschreibt Inhalte so, dass sie von Computern verstanden werden können. Hilfreich sind etwa Daten, die bereits bei ihrer Entstehung erzeugt werden - wie Datei- und Ordnernamen, Datum, Autor und Ort.

    Die Suche nach Bildern soll künftig nicht nur über Schlüsselwörter funktionieren, sondern auch Bildstrukturen automatisch erkennen und auswerten. Das Bild einer roten Rose etwa würde mit anderen Bildern mit ähnlichen Farb- und Formstrukturen verglichen werden. Auf diese Weise könnten weitere Bilder gefunden werden, die noch nicht beschrieben wurden. So soll die Bildsuche wesentlich schneller werden.

    Die Suche nach Tönen, Musik und gesprochener Sprache könnte ähnlich funktionieren. Anwendungen dafür gibt es bereits: Der vom Fraunhofer-Institut Intelligente Analyse- und Informationssysteme in St. Augustin entwickelte iFinder kann Medieninhalte durchsuchen. Schon jetzt wird er im Deutschen Bundestag für die Analyse von Parlamentsdebatten eingesetzt. Das Programm erkennt Wörter und Sätze in den auf Video aufgezeichneten Debatten und kombiniert sie über einen Zeitstempel mit den schriftlichen Aufzeichnungen der Debatten. So lässt sich nicht nur das Protokoll, sondern auch die Videoaufzeichnung nach bestimmten Wörtern und Phrasen durchsuchen. Quaero will aber Audioaufnahmen nicht nur in Text verwandeln, sondern auch in andere Sprachen übersetzen - ideal wäre das etwa für Parlamentsdebatten in Strassburg.

    Eine europäische Alternative zu Google soll Quaero nicht werden, obgleich der französische Präsident Jacques Chirac das Projekt so angekündigt hatte. «Quaero ist keine Allianz gegen Google und andere», betont Wolfgang Wahlster, der als Direktor des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz den deutschen Projektantrag verantwortet. Das Gegenteil sei der Fall: «Viele Quaero-Partner arbeiten mit Google und anderen Betreibern von Suchmaschinen zusammen.» So werden die beteiligten Unternehmen die von ihnen entwickelten Quaero-Produkte wohl an andere Unternehmen lizenzieren - nicht aber eine Google-ähnliche Suchplattform erschaffen.

    Quelle: yahoo.de
     

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  3. #2 14. Oktober 2006
    AW: Intelligent suchen

    Das klingt doch gar nicht mal so schlecht, wenn ich grad an die Bildersuche nach Strukturen denke. Das könnte quasi eine Revolution des Internets sein, um es mal übertrieben auszudrucken. Auf die Weise kann man fast hunderprozentig das finden, was man braucht. Insbesondere die Audio und Video suche sieht gut aus, wobei man an die ganzen Nachteile von verbotenen Inhalten im Internet denkt...

    Ich bin mal gespannt, wie sich das entwickelt. Ich glaub trotzdem, dass daraus nicht viel wird. ;)
     
  4. #3 14. Oktober 2006
    AW: Intelligent suchen

    Das ist doch einfach nur der nächste logische Schritt im Netz.
    War doch klar, das wir mit vielen primitiven Techniken nicht wirklich alt werden.

    Das Sammeln und Verarbeiten von Daten, sowie das 'stupide' Ausgeben ohne jeglichen Zusammenhang (wie Google, Yahoo etc. gegenwärtig) ist heute keine Leistung mehr.
     
  5. #4 14. Oktober 2006
    AW: Intelligent suchen

    Google arbeitet sicher auch schon daran oder? Weiß man darüber nichts?

    Wie theQuest schon sagte muss das ja als nächstes kommen. Das sagt einfach die Technologie.

    Aber bin auch der Meinung, das Leute, die mal etwas bei Google suchen können nicht umbedingt an einen PC sollten. Wer mit dem PC arbeiten und ihn öfters braucht, der kann auch damit umgehen.
     
  6. #5 17. Oktober 2006
    AW: Intelligent suchen

    Vielleicht kauft Google, dann soetwas auf. Jedoch kann so eine Entwicklung viel vielseitiger eingesetzt werden als in Suchmaschinen!
     
  7. #6 19. Dezember 2006
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 14. April 2017
    Deutsch-Französische Suchmaschine: Quaero ist geplatzt

    Deutsch-Französische Suchmaschine: Quaero ist geplatzt
    Die europäische Antwort auf Google sollte Quaero sein - doch aus dem deutsch-französischen Suchmaschinenprojekt wird wohl nichts. Inzwischen basteln die Deutschen quasi allein an etwas Neuem: Theseus. Und Europa droht im Wettlauf mit Google und Yahoo ein Hightech-Fiasko.


    In Frankreich ist man auf Google nicht gut zu sprechen. Die Grande Nation lässt auf verschiedenen Ebenen immer wieder Vertreter vor der kulturellen Dominanz der Suchmaschinisten aus Kalifornien warnen: Die Buch-Digitalisierung werde zu einer Anglizierung des Weltwissens führen, wenn man sie Google überlässt. Auch der Google-Plan, "die Information der Welt zu organisieren", wurde von Frankreichs Präsident Chirac schon einmal heftig kritisiert. Quaero nannte er Anfang 2006 die "deutsch-französische Antwort auf die globale Herausforderung von Google und Yahoo". Er fügte hinzu: "Morgen droht das, was nicht online verfügbar ist, für die Welt unsichtbar zu werden."

    [​IMG]
    {img-src: http://www.spiegel.de/img/0,1020,762572,00.jpg}

    Präsident Jacques Chirac: Herausforderer von Google und Yahoo​

    Nun ist es mit dem Konzert der Suchenden dies- und jenseits des Rheins vorbei. Quaero wird es weiterhin geben - aber nur noch die französische Hälfte des Projekts heißt so. Die deutsche dagegen hat einen neuen Namen - "Theseus". Das ist der griechische Held, der der Sage nach den Weg aus dem Labyrinth des Minotaurus fand.

    "Theseus" soll also einen Weg durchs Wissenslabyrinth des Netzes finden helfen. Dabei soll die deutsche Maschine etwas anderes tun als Google: nämlich semantisch operieren. Irgendwann und irgendwie soll die deutsche Suchmaschine lernen können, den Begriff "Golf" etwa so mit Inhalt zu füllen, dass sie versteht, wann der Sport, wann das Auto und wann ein Meerbusen gemeint ist.

    Semantisch suchen oder Google attackieren?

    Die Franzosen dagegen wollen Google angreifen, das Internet nach Häufigkeitskriterien durchsuchen und sortieren - und genau dieses Unterfangen ist von der Netzgemeinde schon belächelt bis verlacht worden. Googles Entwicklungsetats umfassen Summen und Ressourcen, von denen die europäischen Nachzügler nur träumen können. Wie, fragt sich mancher Experte, will man hierzulande bitteschön mit einem Start bei null am sich ständig entwickelnden Branchengiganten vorbeiziehen?

    Jean-Luc Gauvain, Chef des französischen Laboratoire d'informatique pour la mécanique (Limsi), sagt allerdings: "Das Ziel von Quaero ist weniger, Google zu ersetzen, als neue Recherchemöglichkeiten für Multimedia anzubieten, speziell für Audio und Video." Das sind Aufgaben, die man bei Google durchaus zu Kernbereichen der eigenen Kompetenz zählen würde.

    Eben diese Differenz - etwas Neues zu probieren oder den Markführer zu attackieren - könnte den Keil zwischen die Deutschen und die Franzosen getrieben, das gemeinsame Quaero-Konsortium zum Platzen gebracht haben. Die Zusammenarbeit sei aber nicht am Ende, teilt das Wirtschaftsministerium auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE mit, es werde weiterhin regelmäßige gemeinsame Symposien geben, man werde nach Synergie-Möglichkeiten suchen.

    Transrheinische Farce

    Fakt ist: Die technologische Zusammenarbeit ist erstmal auf Komitee-Niveau heruntergekocht. In Frankreich spekuliert man über Differenzen zwischen den Giganten in der Gruppe der beteiligten Unternehmen. In Deutschland sollten die Teilprojekte von der Bertelsmann-Tocher empolis, in Frankreich vom Elektronikkonzern Thomson koordiniert werden. Die beiden hätten sich nicht verstanden, schrieb "Le Monde" schon Ende November.

    Ein Problem bei der Projektplanung dürfte auch die Finanzierung gewesen sein: Industrie und Regierungen in Deutschland und Frankreich sollten insgesamt 400 Millionen Euro in Quaero stecken. Bei direkten Subventionen an Unternehmen schaut die EU-Kommission genau hin. Einfacher wäre es, die Investitionen als Förderung von Grundlagenforschung zu deklarieren - und so sieht man in Berlin die eigenen Pläne für die semantische Suche. Auch Jean-Luc Gauvain sagte kürzlich: "Vor dem Start braucht Quaero grünes Licht von der EU-Kommission." Sollte die Kommission das Projekt kippen, weil die Fördergelder gegen EU-Recht verstoßen, würde das transrheinische Projekt vollends zur Farce.

    Im Rückblick betrachtet, und im Lichte der aktuellen Lage bei der deutsch-französischen Flugzeug-Kooperation, gewinnt ein Wort von Jaques Chirac vom Anfang des Jahres ganz neue Bedeutung. Quaero und andere Technologieprojekte, sagte der französische Präsident, seien der "Airbus von morgen".


    quelle: Spiegel Online
     

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