Interview mit einem Warez-Insider einer Release-Group

Dieses Thema im Forum "Szene News" wurde erstellt von xxxkiller, 2. Juni 2005 .

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  1. #1 2. Juni 2005
    Steffen G. (Name wurde geändert) lebt unauffällig in einer deutschen Großstadt. Eine kleine Wohnung mit einem Computer, der zumindest auf den ersten Blick nur dadurch auffällt, dass mehrere Festplatten eingebaut sind. Und doch ist der Mittzwanziger, den wir treffen, alles andere als ein Durchschnittstyp. Steffen G. gehört einer Release-Group an und betreibt einen Server mit Filmen, Spielen und Software. Der Insider der deutschen Warez- und Untergrundszene stand der PC-WELT Rede und Antwort. Außerdem durften wir einen Blick auf den Server werfen – mehrere hundert Gigabyte Warez, die teils noch nicht einmal offiziell in Deutschland erhältlich ist.

    Frage: Wo bekommen Sie das ganze Zeug her? Tauschbörsen?

    Antwort: Nein, wenn die Sachen bei Edonkey, Bit Torrent und Co. stehen, ist das für mich uninteressant. Dann kann sie jeder haben. Wir pflegen eine Vielzahl von Kontakten und bekommen die Sachen oft deutlich vor der Veröffentlichung.

    F: Warum machen Sie das? Ist das reiner Sportsgeist oder wird da auch Geld verdient?

    A: Also bei uns und der eigentlichen Szene geht es nicht ums Geld, sondern ausschließlich um den Ruhm zwischen den Gruppen. Es gibt jede Woche und jeden Monat Charts, welche Gruppe wie viele Releases, also Veröffentlichungen, herausgebracht hat und wie die qualitativ sind – aufgeteilt nach allen möglichen Sparten, Filme, Spiele, Tonspuren, Musikalben – bis hin zu E-Books und Gameboy-Spielen. Wer da ganz oben steht, ist stolz, das hat viel mit Ego zu tun. Und ganz oben steht man vor allem dann, wenn man oft die erste Gruppe ist, die etwas rausbringt. Das ist oft eine Sache von Stunden und Minuten.

    F: Aber Geld spielt doch durchaus auch eine Rolle?

    A: Es gab mal eine Zeit, da haben Gruppen eigene Presswerke betrieben und regen Handel mit DVDs und CDs gehabt. Aber gerade das hat ihnen letztlich auch das Genick gebrochen, weil man damit natürlich auch angreifbar wird.

    F: Und Sie sind nicht angreifbar?

    A: Wir haben einen großen FTP-Server, der nicht auf unseren Namen läuft. Der steht irgendwo im Ausland und arbeitet mit einer guten Verschlüsselung. Selbst wenn die Ermittlungsbehörden tatsächlich international zusammenarbeiten, werden sie sich an der Verschlüsselung die Zähne ausbeißen.

    F: Wer aber gibt dann seinen Namen für so etwas her? Und was sagt der Provider dazu, wenn er befürchten muss, die Polizei im Haus zu haben?

    A: Es ist recht einfach, Leute zu finden, die hierfür ihren Namen hergeben. Die erhalten teilweise Zugriff und sind damit zufrieden. Den Provider interessiert das auch nicht wirklich, denn der verdient daran auch recht gut.

    F: Aber wenn hunderte von Anwendern auf einen Server zugreifen, verursacht das doch einen immensen Traffic, also Kosten für den Provider?

    A: Nein, der Unterschied ist, dass wir nicht jeden auf den Server lassen. Zu diesem Server haben weniger als ein Dutzend Menschen überhaupt Zugriff und eigentlich ist das schon zu viel. Aber ganz billig ist das für den Provider – und damit auch für uns – sicher nicht. Eine dreistellige Summe im Monat kostet das Webhosting schon.

    F: Jetzt werden wir mal konkret. Eine Softwarefirma veröffentlicht ein Programm und sie haben das schon, bevor die Schachtel im Laden steht?

    A: Gerade bei teurer Software, die in Firmen eingesetzt wird, ist das eine Sache von Stunden. Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, undichte Stellen auszunutzen – teils in den Firmen, die das Produkt herstellen, teils bei Anwendern. So kommen Release-Groups an Vorabversionen, CD-Master, oft noch bevor die Handbücher gedruckt sind und das Produkt ausgeliefert wird.

    F: Aber das nutzt doch ohne eine Seriennummer oder einen Keygen nichts. Wo bekommen Sie die so schnell her?

    A: Damit habe ich weniger zu tun. Aber generell gilt: Die Firmen erfinden das Rad ja nicht jedes Mal neu. Wenn man die grundsätzliche Funktionsweise einer Seriennummernabfrage verstanden hat, kann man zu einer neuen Software recht schnell einen Keygen erstellen. Die Firmen verändern so etwas ja nur marginal, da für die Entwicklung eine Menge Arbeit investiert werden muss.

    F: Immer mehr Firmen arbeiten mit einer Pflichtregistrierung oder mit Dongles. Ist so etwas auch zu umgehen?

    A: Dongles, also Hardwarestecker, die man entweder an den Druckerport oder den USB-Port steckt, sind out. Die kann man relativ leicht emulieren, so dass die Software glaubt, der Dongle stecke im PC. Und auch die Pflichtregistrierung lässt sich austricksen. Meist dadurch, dass man die Software gar nicht erst aufs Netz zugreifen lässt. Man spielt von Hand einen Patch auf, der der Software dann vorgaukelt, die Registrierung sei korrekt abgelaufen. Selbst eine dreistufige Registrierung, die in einer der Stufen Prüfnummern des eigenen Rechners einbindet, bewirkt wenig. Schließlich installiere ich ja tatsächlich die Software auf diesem Rechner, so dass ich ja auch diese Informationen auslesen kann.

    F: Gibt es derzeit überhaupt einen sicheren Kopierschutz?

    A: Ja und nein. Es gibt ein paar Kopierschutzverfahren bei Spielen, die den Crackern zurzeit Kopfzerbrechen bereiten und die Veröffentlichung verzögern. Starforce in den verschiedenen Varianten ist so ein Beispiel, da ist schon einiges an Know-how und Rechenleistung nötig. Aber auch das wird nur eine Frage der Zeit sein, bis es eine Lösung gibt – das sehe ich als sportliche Herausforderung.

    F: Was würden Sie Firmen raten, die möglichst viel Software legal an den Mann bringen wollen?

    A: Die Anwender nicht für dumm zu verkaufen. Ein Produkt, das noch eine Vielzahl von Macken aufweist und erst nach Aufspielen von Updates einigermaßen zufrieden stellend läuft, gehört nicht in den Handel. Der Anwender fühlt sich betrogen und wird beim nächsten Mal vorsichtiger sein und erst einmal auf eine Version zurückgreifen, die im Netz kursiert. Die Sharewareszene profitiert davon. Es gibt vergleichsweise wenige Releases von Shareware, weil man da merkt, dass ein solches Produkt den Programmierern nicht egal ist und viele Anwender bereit sind, diese Arbeit zu honorieren.

    F: Vor einigen Wochen wurden die Betreiber der Site Ftpwelt.com verhaftet. Können Sie nachts noch ruhig schlafen? Immerhin ist das, was Sie tun, auch nicht legal.

    A: Der Unterschied ist, dass wir unsere Daten nicht mit jedem tauschen. In diesem Fall waren die Betreiber unvorsichtig, geradezu leichtsinnig. Anwenderdaten lässt man einfach nicht unverschlüsselt auf dem Server liegen. Und je weniger Leute von einem Server wissen, umso besser ist das. Deswegen ist es ja auch so schwierig, an die interessanten Gruppen heranzukommen.

    F: Hat sich da durch den Fall Ftpwelt oder durch das neue Urhebergesetz etwas geändert in der Szene? Ist man noch verschlossener geworden?

    A: Nicht speziell durch das neue Urheberrecht, denn erlaubt war so etwas ja auch schon vorher nicht. Aber die Ermittlungsbemühungen und das Know-how in dieser Hinsicht haben schon zugenommen – und damit auch die Vorsicht innerhalb der Szene. Es wird für Neulinge immer schwieriger, in einer Gruppe Fuß zu fassen. Und wer Fehler macht, etwa unvorsichtig ist im Umgang mit sensiblen Daten, IP-Adressen oder Verschlüsselung, ist schnell wieder raus. Da werden dann die Anwenderdaten in den einschlägigen Newsgroups veröffentlicht und derjenige hat seinen Ruf ruiniert.

    F: Einer der Punkte, die Tauschbörsen, FTP-Server und Newsgroups so interessant machen, sind aktuelle Kinofilme, die teilweise kurz nach der Premiere, teilweise sogar schon früher zu finden sind. Wie geht das?

    A: Bei Hollywood-Produktionen ist das in der Regel überhaupt kein Problem, da liegt das Bild schon Wochen vor dem Deutschlandstart vor. Die Bildspur stammt dann aus den USA oder dem europäischen Ausland. Da muss dann nur noch der Ton besorgt werden. Die beste Möglichkeit, eine deutsche Tonspur in guter Qualität zu bekommen, sind Autokinos. Da hängt man ein digitales Aufnahmegerät dran und schneidet einfach mit. Noch einfacher ist es, wenn der Ton per Funk übertragen wird. Dann reicht es aus, wenn man in einer Nebenstraße in der Nähe steht und mitschneidet. Daran kann einen niemand hindern, da es sich um öffentlichen Grund handelt. Mit Mikrophonen in herkömmlichen Kinos arbeiten dagegen nur noch wenige.

    F: Und bei deutschen Produktionen?

    A: Da dauert es etwas länger, weil man ja erst noch die Bildspur besorgen muss. Gerade bei erfolgreichen Filmen wie „(T)Raumschiff“ waren am Anfang einige Versionen mit schrägem Bild im Umlauf. Aber auch das ist keine unüberwindbare Hürde.

    Wir danken für das Gespräch.

    Quelle: pcwelt.de
     

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  3. #2 2. Juni 2005
    RE: Für diesen Beitrag bedanken sich folgende 1 User:

    nice aber da fehlt doch n teil in der mitte da wo des mit den filmen und den tonspuren anfängt. naja. kp.
     
  4. #3 2. Juni 2005
    ganz interessant aber nix neues würde ich sagen...
     
  5. #4 2. Juni 2005
    naja ich bin eigentlich nicht so scharf auf neuem stuff. Ich muss nicht jeden x-beliebig neuen Film haben, nur weil er im oder noch nicht im Kino läuft. Da lob ich mir die Klassiker unter den Moviez und Gamez. ^^ Aber was täten wir ohne Releasegroupes? Eben Respekt Leute. Danke für den neuesten Stuff!
     
  6. #5 2. Juni 2005
    Hallo Themenersteller,

    leider müssen wir dein Thema schließen.

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    [X]Sonstiges: Quellenangabe fehlt!

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