Israel legt Videobeweis-Dossier gegen Hisbollah vor

Dieses Thema im Forum "Politik, Umwelt, Gesellschaft" wurde erstellt von Famiosi, 5. Dezember 2006 .

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  1. #1 5. Dezember 2006
    LIBANON-KRIEG
    Israel legt Videobeweis-Dossier gegen Hisbollah vor

    Israel will mit einem ausführlichen Dossier beweisen, dass die Hisbollah im Libanon-Krieg Zivilisten als Schutzschilde nutzte. Das Dokument soll die eigene Armee vor Vorwürfen schützen - und den Angriff auf die radikal-islamische Organisation nachträglich rechtfertigen.

    Jerusalem - Die Szenerie wirkt zunächst harmlos. Aus der Vogelperspektive zoomt die Kamera auf zwei Häuser, ein paar Bäume sind zu sehen, es könnte eine Wohngegend sein. Plötzlich bildet sich Rauch zwischen den Häusern, die Qualmwolke wird immer größer, schließlich steigt ein Geschoss mit hoher Geschwindigkeit in den Himmel. Im Video wird ein Schriftzug eingeblendet: Abschuss von Raketen zwischen zwei Appartmenthäusern in Zidkin. Es ist auf den 28. Juli 2006 datiert.

    Raketenwerfer im Visier: Israels Beweisfoto-Dossier

    Die Bilder stammen vom israelischen Militär und sind Bestandteil eines umfangreichen Reports, der einem Ziel dient: Er soll Israel von dem von Menschenrechtsorganisationen erhobenen Vorwurf befreien, es habe im Libanon-Krieg in Dutzenden Fällen gegen Recht verstoßen. So hatte etwa Amnesty International beklagt, Israel habe "wahllose und unverhältnismäßige" Angriffe auf Zivilisten im Südlibanon ausgeführt.

    Auch die Vereinten Nationen hatten schwere Vorwürfe erhoben. Eine Expertenkommission der Uno brandmarkte die israelischen Angriffe auf den Libanon im vergangenen Sommer als eine "offenkundige Verletzung des internationalen Menschenrechts". Die Gewalt gegen Zivilisten sei unangemessen gewesen. Die Kommission wertete die israelischen Angriffe auf Zivilisten im Libanon ferner als "Kollektivbestrafung". In ihrem 125-seitigen Bericht stellte die Kommission ein "eindeutiges Muster von exzessiver, wahlloser und unangemessener Anwendung von Gewalt" durch die israelische Armee gegen libanesische Zivilisten fest. Ein Teil der Angriffe auf die Infrastruktur des Libanon sei lediglich um der "Zerstörung Willen" ausgeführt worden. Auch der massive Einsatz von Streubomben sei militärisch nicht begründet gewesen.

    "Waffen in Moscheen gelagert"

    Die Videoaufnahmen von Zidkin, einem Ort in Südlibanon, und weiteres Material sollen nun beweisen, dass die radikal-islamische Hisbollah während der Kämpfe im vergangenen Juli und August gezielt von zivilen Orten aus Angriffe gegen Israel unternahm und andere, ähnliche Strategien nutzte, um sich selbst zu schützen - Zivilisten als Schutzschilde. Die Hisbollah habe "Waffen in Moscheen gelagert und Israel von leeren Schulgebäuden aus angegriffen", berichtet die "New York Times" unter Berufung auf den ihr vorliegenden israelischen Bericht.

    Demnach wäre Israel de facto gezwungen gewesen, gegen zivile Ziele vorzugehen. Das Dossier wurde vom "Intelligence and Terrorism Information Center" erstellt, an seiner Spitze steht Reuven Erlich, ein Experte für militärische Aufklärung.

    Dass das von Israel freigegebene Material neue Erkenntnisse liefert, darf zumindest in Frage gestellt werden: Die Videoaufnahmen von Zidkin kursieren seit geraumer Zeit im Internet. Unter dem Namen "danihe" stellte sie ein YouTube-Nutzer am 7. August ins Netz.

    Das israelische Dossier erhebt schwere Vorwürfe gegen die Hisbollah: Die radikal-islamische Organisation habe militärische Infrastruktur in Wohngebieten positioniert, um die "eigene Verwundbarkeit zu minimieren". Um diese These zu belegen, werden Videos von Fahrzeugen mit Raketenwerfern gezeigt, wie sie zunächst Raketen abschießen und anschließend schnell in offenbar bewohntes Gebiet fahren und dort parken. Dem Bericht zufolge gibt es zahlreiche Beispiele dieser Art. Die Hisbollah habe sich jahrelang auf derartige Einsätze vorbereitet.

    "Dilemma für das israelische Militär"

    Israel sei wegen dieser Taktik der Hisbollah in einer schwierigen Situation gewesen, heißt es in dem Bericht: Entweder musste es auch gegen Hisbollah-Kämpfer vorgehen, die von zivilen Orten aus Israel angriffen, und damit zivile Opfer riskieren - oder auf entsprechende Militäroperationen verzichten. Es sei ein "Dilemma für das israelische Militär" gewesen, gegen einen Gegner zu kämpfen, der "absichtlich von zivilen Orten aus agiert", sagte Erlich vom "Intelligence and Terrorism Information Center".

    Libanesischen Angaben zufolge kamen im Libanon-Krieg mehr als 1000 Libanesen ums Leben, die meisten darunter Zivilisten - die Hisbollah teilte mit, lediglich 100 ihrer Kämpfer seien gefallen.

    Der American Jewish Congress hat auf seiner Internet- Seite Videos veröffentlicht, in denen Interviews mit vorgeblichen Hisbollah- Kämpfern zu sehen sind. Umstände und Zeitpunkt der Aufnahmen sind unklar, die Angaben nicht zu verifizieren.

    Um mögliche Zweifel an der israelischen Beweisführung zu entkräften, wurden für das Dossier des "Intelligence and Terrorism Information Center" auch vorgebliche Interviews des israelischen Militärs mit inhaftierten Hisbollah-Kämpfern herangezogen. Demnach sagte ein Kämpfer, Hussein Suleiman, dass er eine Raketenabschussbasis auf dem Dach eines Hauses installierte. Ein anderer erzählte, wie er auf seinem Motorrad Raketen transportierte und dabei eine weiße Flagge als Friedenszeichen mit sich führte, um nicht angegriffen zu werden. Die Hisbollah habe zahlreiche Wohnungen geflüchteter Libanesen für ihre Angriffe auf Israel genutzt, sagte der Hisbollah-Häftling. Die Bewohner hätten der Hisbollah für diesen Zweck die Schlüssel überlassen.

    "Die Hisbollah ist die Gesellschaft"

    Diese Videos sind inzwischen auf der Internetseite des American Jewish Congress zu sehen. Ob es sich um authentische Aufnahmen und tatsächliche Hisbollah-Kämpfer handelt, ist nicht zu überprüfen. Auch der Zeitpunkt der Aufnahmen lässt sich nicht feststellen.

    Ein Hisbollah-Vertreter wies laut "New York Times" die Vorwürfe zurück. Die Hisbollah-Kämpfer seien außerhalb von Städten und Dörfern stationiert gewesen und nur in Ausnahmefällen in bewohntes Gebiet gerückt: "Wir haben versucht, Kämpfe in der Nähe ziviler Gebiete zu verhindern, aber wenn israelische Soldaten in Dörfer eindrangen, waren wir gezwungen das Militär von dort aus zu bekämpfen, um die Dörfer zu verteidigen", sagte der nicht namentlich zitierte Hisbollah-Vertreter.

    Auf die Frage, ob die Hisbollah verantwortlich für den Tod libanesischer Zivilisten sei, sagte Elias Hanna, ein pensionierter libanesischer General, der "New York Times" zufolge: "Natürlich ist die Hisbollah verantwortlich." Aber die Menschen seien bereit, ihr Leben für die Hisbollah zu opfern. Wenn man ihnen sage, einer ihrer Verwandten sei gestorben, würden sie antworten: "Er war ein Märtyrer." Man könne die Menschen im Südlibanon nicht von der Hisbollah trennen, sagte Hanna. "Die Hisbollah ist die Gesellschaft."


    Quelle: Spiegel Online: Libanon-Krieg: Israel legt Videobeweis-Dossier gegen Hisbollah vor - SPIEGEL ONLINE



    Tja, das erklärt wohl die ganzen zivilen "Schäden", die Israel bei den Kämpfen immer angehängt werden. Was bleibt ihnen aber für eine Wahl? Entweder muss die eigene Bevölkerung oder die Feindliche sterben, welche Terroristen wie die Hamas demokratisch mit großer Mehrheit gewählt hat.

    MfG
    Famiosi
     

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