Ist die Bürgerversicherung ein Modell mit Zukunft?

Artikel von Tommy Weber am 14. Juli 2017 um 10:38 Uhr im Forum Finanzen & Versicherung

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Ist die Bürgerversicherung ein Modell mit Zukunft?

14. Juli 2017   Tommy Weber  
Die Idee der Bürgerversicherung wurde erstmals 2003 von der sogenannten Rürup-Kommission konkretisiert und ist bis heute ein Streitthema der Politik geblieben. Die damals von der SPD-geführten Regierung eingesetzte Kommission aus Gesundheitsexperten legte ein Konzept vor, nach dem alle Bürger, ganz gleich wie hoch ihr Einkommen ist, in eine einheitliche Gesundheitsversicherung einzahlen. Diese Volksversicherung oder Bürgerversicherung soll das Zweiklassensystem der jetzigen Krankenversicherung beenden und die Trennung zwischen der gesetzlichen sowie der privaten Krankenversicherung aufheben.

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Was ändert sich mit der Bürgerversicherung?

Wenn die Bürgerversicherung kommt, dann würden alle Bürger einen bestimmten Prozentsatz ihres Einkommens in diese Bürgerversicherung einzahlen. Das würde aber nicht nur für die Löhne und die Gehälter gelten, sondern auch für die Einkünfte aus selbstständigen und freiberuflichen Tätigkeiten, sowie Einnahmen aus Vermietungen oder anderen Tätigkeiten. Die Krankenkassen hätten, was die Höhe der Beiträge angeht, freie Hand, um auch weiterhin einen Preiswettbewerb garantieren zu können, alle Zusatzbeiträge würden aber wegfallen. Arbeitnehmer und Arbeitgeber zahlen dann den gleichen Anteil in die Bürgerversicherung ein.

Die Beitragsbemessungsgrenze – ein Streitthema

Auch für die Volksversicherung soll es eine Beitragsbemessungsgrenze geben, allerdings ist dieser Punkt bei den Parteien, die die Bürgerversicherung befürworten, sehr umstritten. Gestritten wird um die Höhe dieser Bemessungsgrenze. Die SPD und auch die Grünen wollen die Grenze bei 4350 Euro festlegen. In diesem Fall müssten alle, die in den alten Bundesländern leben und im Monat bis zu 6350 Euro verdienen (5700 Euro in den neuen Bundesländern), in die Krankenkassen einzahlen. Die Linkspartei hingegen möchte eine Bürgerversicherung komplett ohne eine Beitragsbemessungsgrenze, was alle, die ein hohes Einkommen haben, deutlich mehr belasten würde.

Eine Versicherung für alle?

Die Bürgerversicherung soll jeden aufnehmen, unabhängig von seinem Gesundheitszustand und Alter, wobei sie sich an der gesetzlichen Krankenkasse orientiert. Alle, die noch privat krankenversichert sind, könnten ohne Probleme in die Bürgerversicherung wechseln und ihr probeweise für ein Jahr beitreten. Die Leistungen orientieren sich an denen der gesetzlichen Krankenversicherung, aber die Bürger haben die Möglichkeit, private Zusatzversicherungen abzuschließen. Kritiker sehen hier wieder ein Zweiklassensystem, denn nur wer das nötige Geld hat, der kann sich eine bessere gesundheitliche Versorgung leisten, wer weniger verdient, der muss sich mit einer Grundversorgung zufriedengeben.

Ist die Bürgerversicherung auch eine Familienversicherung?

Wie in der gesetzlichen Krankenversicherung, so soll auch in der Bürgerversicherung die Familie mit versichert werden. Zwischen den einzelnen Konzepten der Parteien gibt es allerdings Unterschiede. Die SPD möchte, dass es eine Regelung ohne Ausnahmen gibt, während die Grünen wollen, dass die Paare, bei denen beide Partner verdienen, nicht bevorzugt werden. Es soll ein Beitragssplitting beim Haushaltseinkommen geben, das auf beide Partner verteilt wird, wobei jeweils die Beitragsbemessungsgrenze gelten soll. Wenn aber einer der Partner nicht arbeitet, weil er sich vielleicht im Rahmen der Elternzeit um die Kinder kümmert, dann soll die Regelung nicht greifen. Zudem bleiben die Kinder nach dem Konzept der Grünen auch ohne einen zusätzlichen Beitrag bei den Eltern mitversichert.

Was spricht für eine Bürgerversicherung?

Die SPD, die Grünen und auch die Linkspartei, die die Bürgerversicherung befürworten, wollen erreichen, dass die Krankenkassen höhere Einnahmen erzielen, was dann angeblich ein höheres Leistungsniveau bei der Grundversorgung ermöglichen würde. Alle Versicherten werden gleich gut behandelt und es wird keine Unterschiede mehr geben. Mit der Bürgerversicherung würde es zum Beispiel keine langen Wartezeiten für einen Termin beim Facharzt mehr geben und alle, die heute privat versichert sind, müssten nicht länger unter den stetig steigenden Beiträgen bei den privaten Krankenkassen leiden. Das Prinzip der „Zwei-Klassen-Medizin“ würde mit der Bürgerversicherung der Vergangenheit angehören.

Welche Nachteile gibt es?

Die FDP, die Union aus CDU und CSU, aber auch die Ärzteschaft und die privaten Krankenversicherungen lehnen die Bürgerversicherung ab. Es würden unter anderem Tausende von Arbeitsplätzen bei den privaten Krankenversicherungen und den Versicherungsmaklern wegfallen, aber auch die Einnahmen von Krankenhäusern und Ärzten würden deutlich sinken, weil es keine Privatversicherten mehr gibt. In der Folge wird dann auch die gesundheitliche Versorgung schlechter. Auch der fehlende Wettbewerb zwischen den gesetzlichen und den privaten Krankenkassen würde mit Einführung einer Bürgerversicherung wegfallen, was wiederum die Leistungen für die Versicherten verschlechtern würde.

Ob sich die Bürgerversicherung durchsetzen wird, ist sehr fraglich. Solange sich die Parteien nicht über die grundsätzlichen Punkte einig werden, wird diese Versicherung, in der alle Bürger gleich behandelt werden, keine Chance haben, obwohl eine Mehrzahl der Deutschen sich mit einer Bürgerversicherung anfreunden könnte.

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Bildquelle: © Depositphotos.com / racorn
Textquelle: Versicherungen-Blog.net
 

Kommentare

#2 14. Juli 2017
Wo hast du den Müll denn abgeschrieben?
Wieso sollte ein hohes Einkommen mehr belastet werden, wenn die Beitragsbemessungsgrenzen fallen würden?
Wenn alle Menschen einen Beitrag von bspw. 10% ihres Einkommens zahlen müssen, werden alle Menschen gleich belastet. Nämlich mit 10% ihres Einkommens. Natürlich ist die Summe bei einem Großverdiener effektiv größer, aber das Einkommen ist ja auch entsprechend größer. Die Belastung ist also gegenüber einem Niedriglöhner gleich groß.
Eine gerechte Belastung kann es nur geben, wenn sie prozentual vom Einkommen abhängig ist und keinerlei Einschränkungen beinhaltet.

Völliger Blödsinn ist natürlich auch, eine Bürgerversicherung einzuführen, wo Wohlhabende sich dann mit ihrem Geld wieder Zusatzleistungen einkaufen können, die sich Geringverdiener nicht leisten können. Das kontakariert ja den Entwurf einer Versicherung, die für jeden die selbe Leistung bei identischer Belastung bringen soll wieder. Zumal Zusatzversicherungen den Verwaltungsaufwand wieder erhöhen würden - und damit auch die Kosten.

Kosten sollte man übrigens einsparen. Und zwar auch bei den Pharma-Unternehmen, die derzeit für Neu-Medikamente horrende Preise verlangen können.
 
#3 14. Juli 2017
Erstens sollte hier mal irgendjemand administrieren und alle Leute mit einem unagemessenen Ton verwarnen.

Zweitens wenn die Beitragbemessungsgrenze wegfällt, ist jeder verpflichtet in diese Bürgerversicherung einzuzahlen und hat nicht mehr die Wahl einer privaten Krankenversicherung. Ab einem bestimmten Verdienst ist die gesetzliche Versicherung teurer als die private Alternative.

Und zu deinem letzten Punkt. Meines Eachtens sind 500 Euro weniger Belastung als 1000 Euro. ;)
 
#4 14. Juli 2017
Nja Leute die so viel Verdienen zahlen nur aus Solidarität ein bzw weil sie dazu verpflichtet sind, weil sie die Versicherung überhaupt nicht bräuchten, sondern eh alles aus eigener Tasche zahlen könnten. Extras wird es immer geben, er kann ja auch wenn er bei einer GKV ist sagen er möchte die Extras privat abrechnen. Das ist auch völlig ok, wichtig ist nur das für alle anderen die das nicht können, die richtige Versorgung da ist und auch finanziert werden kann.


Aus Wikipedia:
Die Beitragsbemessungsgrenze ist der Betrag, bis zu welchem das Arbeitsentgelt oder die Rente eines gesetzlich Versicherten für Beiträge der gesetzlichen Sozialversicherung herangezogen wird. Der Teil des Einkommens, der die jeweilige Grenze übersteigt, bleibt für die Beitragsberechnung außer Betracht.

Das bedeutet, jeder der deutlich mehr als die Bemessungsgrenze verdient hat einen "Vorteil" weil seine Abgabe dann gedeckelt ist. Wer aber genau bis zur Bemessungsgrenze Verdient wird im Verhältnis zu seinem Einkommen am stärksten belastet.

Deshalb will die Link auch die Bemessungsgrenze raus haben, damit auch sehr großes Einkommen ebenso stark belastet werden.

Der zitierte Text von @Tommy Weber ist also völlig richtig und gibt genau diese "Problematik" wieder.

@Sancho-Pancho also bitte erst mal den Text richtig lesen und verstehen, und nicht immer gleich Boshaft werden. Selbst wenn, höflich geht das trotzdem.
 
#5 16. Juli 2017
Naya ganz aus Solidarität nicht, wenn Sie arbeitslos werden ist das besser als in der privaten Krankenversicherung zu stecken. :)
 
#6 16. Juli 2017
Nein, tut er eben nicht. Denn im Text wird über die Bestrebungen von SPD-Grüne berichtet und von dem Widerstand der Linken.
Und "richtig" ist der Text noch viel weniger, denn gerade der liebe Tommy versteht ja noch nicht mal den Unterschied zwischen Beitragsbemessungsgrenze und Versicherungspflichtgrenze. Siehe unten... :rolleyes:

Wenn dir Kritik nicht gefällt, schreib nicht so einen Müll. :rolleyes:

Eben... Wenn!
Du schreibst ja selber (oder hast es vielleicht auch nur kopiert), dass SPD und Grüne eine Beitragsbemessungsgrenze beibehalten wollen. Bei Schwarz-Gelb würde ich davon ebenfalls ausgehen, nur Die Linke ist dagegen.
Damit kann man sich an fünf Fingern abzählen, wie wahrscheinlich ein Wegfall der Beitragsbemessungsgrenze ist. Zumal es in 2017 vermutlich noch nicht mal zu einer Regierungskoalition mit der SPD, geschweige denn den Grünen kommen wird.
(Und teilweise muss ich sagen: Das ist auch gut so!)

Das ist schlichtweg falsch! Die Beitragsbemessungsgrenze regelt den Höchstbeitrag zur KV und hat nichts damit zu tun, ob man zur gesetzlichen Krankenversicherung verpflichtet ist oder sich privat versichern kann.
Ob man statt in die gesetzliche in eine private Krankenversicherung eintreten kann, regelt die Versicherungspflichtgrenze.


Und wieder falsch! So lange es eine Beitragsbemessungsgernze in der GKV gibt, wird bei steigendem Verdienst die Versicherung eben nicht teuerer. Genau dafür schützt die Grenze ja die Besserverdiener.
Und um es gleich vorwegzunehmen. Auch mit zunehmendem Alter wird eine PKV mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit teurer als eine GKV. Denn die höheren Kosten durch Alterserkrankungen müssen ja aufgefangen werden.

Ich weiß zwar nicht, was das mit meinem letzten Punkt zu den horrenden Arzneimittelpreisen zu tun haben soll. Aber auch hier zeigst du dich wieder einmal völlig inkompetent.
Huch... das war jetzt hoffentlich nicht zu unangemessen.
Es sollte aber sogar für dich einleuchtend sein, dass ein Mensch mit 1000,-€ Monatseinkommen durch 500,- stärker belastet wird als jemand, der bei einem Einkommen von 10000,-€ Monatseinkommen nur 1000,-€ zahlen muss.
Dazu muss man einfach nur mal die Relation herstellen.
Ich bin mir sicher, dass auch du das schaffen wirst.

Spoiler
Kleiner Tipp: Wer hat im Monat wohl mehr Geld zu Verfügung? Der Arme mit seinen 500,-€ oder der Wohlhabende mit 9500,-€?
 
#7 16. Juli 2017
Zuletzt bearbeitet: 16. Juli 2017
Die Aussage ist aber richtig... wohl ein Missverständnis.
Wenn du in der GKV den Höchstsatz von ca 600 EUR im Monat zahlst, ist das viel teurer als eine private Versicherung, sofern du unter 45 Jahre bist. Erst im Alter wird die private Versicherung richtig teuer und kann dann den Höchstsatz der GKV übersteigen ohne Deckelung. Mit 60+ zahlen manche dann über 1000 EUR für die PKV.

Beleidigungen tragen zur Sachlichkeit nichts bei... wenn schon wert darauf gelegt wird das alles Korrekt ist.
 
#8 17. Juli 2017
Wenn du wirklich auf Korrektheit achten wollen würdest, müsstet du schreiben, dass manche Menschen sich durch Kritik beleidigt fühlen, weil sie keine Argumente haben. ;)
 
#9 18. Juli 2017 um 14:43 Uhr
@Sancho-Pancho Vielen Dank für deine Kritik, aber du würdest mehr Autorität haben, wenn du einfach dein Aggressionspotential zügeln würdest. Die Diskussionen entstehen eigentlich nur dadurch.