Ist die Schulpflicht in der heutigen Zeit noch sinnvoll?

Artikel von Tommy Weber am 30. November 2017 um 13:57 Uhr im Forum Schule, Studium, Ausbildung - Kategorie: Politik & Recht

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Ist die Schulpflicht in der heutigen Zeit noch sinnvoll?

30. November 2017   Tommy Weber   Kategorie: Politik & Recht
Es war der Preußenkönig Friedrich II., besser bekannt als der Alte Fritz oder Friedrich der Große, der beschloss, dass sein Volk nicht dumm bleiben soll. Er führte die Schulpflicht ein, wenn auch nur in einem bescheidenen Rahmen und wenn die Kinder nicht bei der Arbeit gebraucht wurden. Diese Schulpflicht gibt es bis heute, aber nicht alle Eltern können sich damit abfinden, dass der Staat darüber entscheidet, ob die Kindern lesen, schreiben und rechnen lernen sollen.

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Lernen am Küchentisch

Rund 1000 Kinder gehen in Deutschland trotz Schulpflicht nicht zur Schule, und zwar, weil ihre Eltern es nicht möchten. Sie unterrichten den Nachwuchs zu Hause am Küchen- oder Esszimmertisch und riskieren damit, zu langjährigen Haftstrafen verurteilt zu werden. Sind diese Eltern Helden, die sich vom Staat nicht die Entscheidung aus der Hand nehmen lassen möchten, ob ihr Kind eine Schule besucht oder nicht? Oder sind die Eltern einfach nur Opportunisten, die für ihre Kinder immer und überall eine besondere Behandlung verlangen? Wer sich diese Fragen stellt, der muss sich auch fragen: Wie sinnvoll ist die Schulpflicht in der heutigen Zeit eigentlich noch? Gegner argumentieren, dass der Staat nicht darüber entscheiden darf, wo ein Kind lernt. Befürworter verweisen darauf, dass die Schule nicht nur dazu da ist, um Wissen zu vermitteln, sondern den idealen Raum für ein soziales Miteinander bietet.

Reicht eine Bildungspflicht aus?

In den USA und in vielen europäischen Ländern gibt es schon lange keine Schulpflicht mehr. Die Alternative heißt Bildungspflicht, die die Eltern in die Pflicht nimmt, für eine ausreichende Bildung der Kinder zu sorgen. Ganz aus dem Spiel ist der Staat aber auch hier nicht, denn Eltern und Kinder müssen sich in regelmäßigen Abständen Tests und Kontrollen unterziehen. Wäre eine solche Bildungspflicht auch ein Modell für Deutschland? Könnte die eine Pflicht die andere Pflicht ablösen? Der Staat argumentiert immer wieder, dass das Wohl des Kindes gefährdet ist, wenn die Eltern ihnen den Besuch einer Schule verweigern. Kinderärzte und Psychologen sehen das anders, denn sie sind der Meinung, dass sich diese These wissenschaftlich nicht belegen lässt.

Der schwere Weg der Eltern

Eltern, die ihre Kinder nicht zur Schule schicken, haben unterschiedliche Gründe für ihre Entscheidung. Bei einigen Familien spielt der Glaube eine wichtige Rolle sowie die Angst davor, dass die Kinder etwas anderes als die biblische Schöpfungsgeschichte hören könnten. In anderen Familien ist das Kind einfach viel zu sensibel, um zur Schule zu gehen, ein Argument, das es vor Gericht schwer haben dürfte. Selbst wenn die Eltern psychologische Gutachten vorlegen, werden die Richter keinen Grund sehen, das Kind nicht zur Schule zu schicken. Die Schulpflicht ist in Deutschland so etwas wie eine heilige Kuh und für die Eltern, die ihre Kinder selbst unterrichten möchten, heißt das: Sie müssen sich auf einen mühsamen Kampf einstellen. Der Staat kann den Eltern im schlimmsten Fall das Sorgerecht entziehen und die Kinder mit dem Gerichtsvollzieher aus dem Haus holen. So weit kommt es aber sehr selten. Meist dauern die Prozesse aber Jahre, sie kosten viel Geld, noch mehr Nerven und am Ende bleibt vielen Familien nur die Option, Deutschland zu verlassen.

Die Angst vor der Anarchie

Nach Ansicht von Staatsrechtlern ist es so gut wie unmöglich, die Schulpflicht in Deutschland aufzulockern. Die Politiker fast aller Parteien fürchten eine Anarchie, wenn die Schulpflicht aufgeweicht wird, und sehen die heilige Ordnung des Landes in großer Gefahr. Ob es sinnvoll ist, die Schulpflicht zu lockern oder sie ganz außer Kraft zu setzen, sei dahingestellt. Vielen Eltern ist es dabei nicht einmal so wichtig, ob sie die Möglichkeit haben, ihre Kinder selbst zu unterrichten, sie wollen sich einfach nicht mehr vom Staat bevormunden lassen.

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