Ist eine Verlobung heute noch zeitgemäß?

Artikel von Tommy Weber am 4. Mai 2021 um 21:22 Uhr im Forum Politik, Umwelt, Gesellschaft - Kategorie: Trend & Lifestyle

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Ist eine Verlobung heute noch zeitgemäß?

4. Mai 2021     Kategorie: Trend & Lifestyle
„Verliebe dich oft, verlobe dich weniger, heirate nie“, so lautet der Titel eines Buches, was über die Sehnsucht nach einer romantischen Liebe erzählt. Friedrich von Schiller riet allen Paaren, sich zu prüfen, bevor sie sich ewig binden und mit dieser Zeit der Prüfung meinte der Dichter die Zeit der Verlobung. In der heutigen Zeit klingt das Wort Verlobung etwas angestaubt, nach einem Relikt aus einer längst vergangenen Zeit. Trotzdem gibt es immer noch Paare, die den vermeintlich altmodischen Weg wählen und sich verloben.

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Was ist eine Verlobung eigentlich genau? Gibt es rechtliche Verpflichtungen und ist eine Verlobung wirklich ein unumstößliches Versprechen, zu heiraten?

Die Verlobung und ihre lange Tradition
Geben sich zwei Menschen das Versprechen, in naher Zukunft zu heiraten, dann gelten sie sogar heute noch als offiziell verlobt. Die Verlobung hat eine sehr lange Tradition und hat ihren Ursprung im sogenannten Brautkauf. In früheren Zeiten suchte sich ein Mann eine Frau aus und verhandelte anschließend mit dem Vater über die Mitgift. Die Auserwählte hatte dazu wenig zu sagen, sie wurde gar nicht gefragt. Wurden sich der Bräutigam und der Vater einig, dann galt die Braut als versprochen und war damit für andere Männer tabu.

Eigentlich war die Verlobungszeit dazu gedacht, dass sich das Paar besser kennenlernen sollte. Dazu gab es jedoch kaum Gelegenheiten, da es bereits als unschicklich galt, wenn Braut und Bräutigam allein in einem Raum waren. Im Grunde haben beide Verlobten wildfremde Menschen geheiratet. Dies ist heute natürlich anders, aber rein rechtlich gesehen ist einiges immer noch so wie vor 200 Jahren.

Wird heute noch um die Hand angehalten?
Ebenfalls ein Relikt aus lange vergangenen Zeiten ist es, dass der Bräutigam bei den Eltern um die Hand der Tochter anhält. Diese Tradition wird heute kaum noch praktiziert, obwohl sich viele Eltern geschmeichelt fühlen, wenn der zukünftige Schwiegersohn von dieser Tradition Gebrauch macht. Vorher sollte er aber seine Freundin fragen, ob sie den Antrag annimmt, der meist unter vier Augen gestellt wird. Vor allem in den eher ländlichen Regionen ist eine Verlobung heute noch ein Ereignis, was mit Kaffee und Kuchen gefeiert wird. Zudem gibt es ein Inserat in der Zeitung oder Freunde und Bekannte werden mit entsprechenden Karten über die Verlobung informiert.

Auf dem Land wird auch vielfach noch der alte Brauch des Baumschlagens gepflegt. Für diesen Brauch fällt der Bräutigam eine kleine Tanne und stellt sie unter das Fenster seiner Auserwählten. Wenn sie und ihre Familie mit dem Bräutigam einverstanden sind, darf geheiratet werden, aber noch bevor die Tanne ihre Nadeln verloren hat, nur in dem Fall steht die Ehe unter einem guten Stern.

Pflichten, Rechte und mögliche Konsequenzen einer Verlobung
Wer sich verlobt, gibt ein ernst gemeintes Versprechen ab, in absehbarer Zeit zu heiraten. Eine rechtliche Verpflichtung zur Ehe vonseiten des Gesetzgebers gibt es allerdings nicht. Trotzdem sollte eine Verlobung gut überlegt sein. Die Paare von heute kennen sich in der Regel schon eine Weile, bevor sie sich verloben, es ist also nicht mehr notwendig, die Zeit bis zur Hochzeit zu nutzen, um sich kennenzulernen. Die Verlobung bietet jedoch die Gelegenheit, sich genau zu überlegen, ob der Mann oder die Frau tatsächlich diejenigen sind, mit denen man den Rest des Lebens verbringen möchte.

Automatisch ist übrigens jeder verlobt, der sich beim Standesamt für einen Hochzeitstermin anmeldet. Jede Verlobung endet entweder mit der Heirat oder wenn sie vorher aufgelöst wird. Ist dies der Fall, dann gelten bestimmte Regeln. Selbst wenn es das sogenannte „Kranzgeld“ nicht mehr gibt, hat die Braut ein Recht darauf, dass der Verlobte ihr die Kosten erstattet, die im Rahmen der Verlobung entstanden sind. Diese Verpflichtung erlischt nur, wenn es schwerwiegende Gründe für die Auflösung der Verlobung gibt. So etwas kann beispielsweise Untreue sein oder wenn der Partner die Hochzeit mit Absicht immer wieder aufschiebt. Die Verpflichtung hat zwei Jahre Bestand und erlischt danach automatisch.

Vor dem Gesetz gelten Verlobte als Verwandte, was heißt, wenn einer der Brautleute vor Gericht steht, muss der andere nicht gegen ihn aussagen.

Der Verlobungsring als Symbol
Viele Paare, die sich verloben, verzichten auf die passenden Ringe und investieren das Geld lieber später in Eheringe. Ein Verlobungsring gilt selbst in der heutigen Zeit noch als ein Symbol, das zeigt: Ich bin bereits vergeben. Schon die antiken Römer, Griechen und Ägypter trugen Ringe, wenn sie den Mann oder die Frau fürs Leben gefunden hatten. Getragen wurde der Ring immer am Ringfinger der linken Hand, da durch diesen Finger die „Vena Amoris“ direkt zum Herzen führt. So ist es bis heute geblieben, noch immer wird der Verlobungsring an der linken Hand getragen, der rechte Ringfinger ist dem Ehering vorbehalten.

Ist eine Verlobung altmodisch?
Ist sich ein Paar einig, dass es zusammenbleiben möchte, dann ist die Verlobung ein öffentliches Bekenntnis dieser Liebe. Für ältere Menschen ist eine Verlobung etwas ganz Normales, junge Leute ziehen zusammen und prüfen sich im Alltag, ob sie zueinanderpassen oder nicht. Eine Verlobung muss jedoch von beiden Seiten gewollt werden und jeder sollte sich vorher Gedanken darüber machen, ob die Beziehung tatsächlich hält. Falls Zweifel bestehen, dann ist es keine so gute Idee, sich zu verloben.

Ob eine Verlobung altmodisch ist? Vielleicht, wenn man sich die damit verbundene Tradition anschaut. Immer noch ist eine Verlobung ein Heiratsversprechen und wer das Verlöbnis ernst nimmt, muss auch mit den Konsequenzen leben, wenn die Beziehung in die Brüche geht. Geschenke müssen zurückgegeben werden und derjenige, der die Verlobung löst, muss die Kosten für alles übernehmen, was die Verlobung bis zu diesem Zeitpunkt gekostet hat. Insofern kann eine Verlobung ein unschönes Ende nehmen und dazu noch eine Menge Geld kosten.

Genau überlegen
Wer sich verlobt, musste in früheren Zeiten innerhalb eines Jahres heiraten. Dies wird heute nicht mehr ganz so eng gesehen, allerdings will kaum jemand über einen langen Zeitraum hinweg in einer Art Warteschleife feststecken. Dauerverlobte werden zudem schnell zum Gespött im Familien- und Freundeskreis. Paare, die genau wissen, dass sie zusammenbleiben wollen, sollten ein Jahr nach der Verlobung vor dem Standesbeamten stehen und ihr Ja-Wort geben.

Alle, die sich nach diesem Jahr nicht sicher sind, ob es wirklich der richtige Schritt ist, sind gut beraten, die Verlobung möglichst ohne Streit aufzulösen.

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