KaZaA-Prozess: "Pistole an den Kopf gesetzt"

Dieses Thema im Forum "Netzwelt" wurde erstellt von Crack02, 18. Dezember 2004 .

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  1. #1 18. Dezember 2004
    Im Prozess gegen die Betreiber der Tauschbörse KaZaA in Australien hat KaZaA-Eigentümer Sharman Networks ausgesagt, dass man mit der Musikindustrie wiederholt über das Problem von Copyright-Verletzungen der Nutzer gesprochen habe. Über die 2003 gegründete Distributed Computing Industry Association seien zahlreiche Treffen zwischen Sharman Networks und US-Plattenlabels vereinbart worden, gab Sharmans Technologie-Chef Philip Morle zu Protokoll.

    Von der Gegenseite wurden die angeblichen Kooperationsgespräche allerdings als Erpressungsversuche bezeichnet. Sharman und sein US-Partner Altnet hätten den Plattenlabels regelrecht "die Pistole an den Kopf gesetzt": "Entweder ihr setzt die Unterschrift unter einen Vertrag, der KaZaA als Musiktausch-Plattform legitimiert, oder unsere User laden sich die Musik eben kostenlos herunter." Als Druckmittel habe man aktuelle Nutzerstatistiken von rund 4,5 Millionen Tauschbörsen-Teilnehmern vorgelegt.

    Und genau diese Nutzerstatistiken könnten sich jetzt möglicherweise als Boomerang für Sharman Networks erweisen. Während der KaZaA-Eigner behauptet, keine Kontrolle über den tatsächlichen Gebrauch der populären P2P-Software zu haben, wollen die Anwälte der Musikbranche beweisen, dass KaZaA sehr wohl Möglichkeiten hat, die Datenströme im Netzwerk zu kontrollieren und den Tausch von geschützten Titel zu unterbinden.

    So wurde dem Australian Federal Court in Sydney die so genannte "Judas-Funktion" in der KaZaA-Software demonstriert, über die statistische Nutzerdaten an Server in Dänemark übermittelt werden. Sharman-Mitarbeiter können anhand dieser Daten beispielsweise ermitteln, wie viele Nutzer gerade online sind und wie viele Tauschdateien im Moment zur Verfügung stehen. Philip Morle wollte diese Funktion vor Gericht allerdings zum ersten Mal gesehen haben. Die dänischen Server seien Überreste einer früheren Webhosting-Einrichtung, die nicht mehr gebraucht werde, erklärte er im Kreuzverhör.

    Morle sagte auch, er wisse gar nicht, wem Sharman Networks eigentlich gehöre, er "müsse das aber auch nicht wissen". Die Klärung der Besitzverhältnisse des im südpazifischen Vanuatu registrierten Unternehmens, das seinen Hauptsitz in Australien unterhält, ist für das Gericht wichtig, um die Verantwortlichen im Falle einer Verurteilung zur Rechenschaft ziehen zu können. Spekuliert wird, dass der eigentliche KaZaA-Strippenzieher Sharmans Content-Partner Altnet ist.

    Quelle: urnews.net
     

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